Stadt ruft Dortmunder zur kollektiven Rattenjagd auf - Experte warnt

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Ratten sind in Dortmund die am weitesten verbreiteten Schädlinge. Deshalb ruft die Stadt zur Jagd auf. Doch dabei kann man viel falsch machen. Und das kann gefährlich werden.

Dortmund

, 26.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ratten sind Schädlinge, die als Krankheitsüberträger gelten. Eine von ihnen kann im Jahr bis zu 1000 Nachkommen auf die Welt bringen. Zur Bekämpfung der Nager ruft die Stadt Dortmund nun auf: Bis zum 8. März sollen die Dortmunder kollektiv Jagd machen.

Rattengift gibt es im Fachhandel

Grundstückseigentümer seien zur Durchführung von Maßnahmen verpflichtet, so Stadtsprecher Maximilian Löchter. Es bleibe jedem selbst überlassen, ob er einen Schädlingsbekämpfer bezahlt - oder selbst aktiv wird.

Das erste Mittel der Wahl ist bei vielen Leuten Rattengift. Bei diesen Bioziden handelt es sich meist um Gerinnungshemmer: Die Tiere verbluten innerlich.

Warnschilder sind wichtig

Sicherheitsvorkehrungen seien „das Anbringen entsprechender Warnhinweise“, so Löchter. In Wohngebieten mit hohem Ausländeranteil empfehle es sich, „diese Hinweisschilder zusätzlich mit einer Warnung in mehrsprachiger Form zu versehen“. Solche Hinweisschilder werden ab sofort im Ordnungsamt (Olpe 1) ausgegeben.

Um Kinder nicht zu gefährden, sollte auf Spielplätzen aufs Auslegen von Gift verzichtet werden. Sei Gift unumgänglich, müssten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, „da Kinder die üblichen Hinweisschilder noch nicht lesen können.“

Katzen und Hunde sollten während der Aktion „besonders beaufsichtigt werden, um sie vor Schäden zu bewahren“.

Experte: „Aufruf halte ich für bedenklich.“

Das alles reicht nicht, glaubt Tobias Pypetz. Der 35-Jährige arbeitet für das Schädlingsbekämpfungsunternehmen „Pestaway“ mit Hauptsitz in Bottrop. Seit fünf Jahren gibt es eine Niederlassung in Dortmund.

„Zwei bis drei Einsätze täglich haben wir zur Rattenbekämpfung in Dortmund“, erzählt Pypetz. „Hier ist die Ratte der Schädling Nummer 1, gefolgt von der Kakerlake.“

Auch wer Vögel im Winter füttert, muss aufpassen: Er könnte die falschen Gäste bewirten.

Auch wer Vögel im Winter füttert, muss aufpassen: Er könnte die falschen Gäste bewirten. © Stephan Schütze (Archiv)

Der Experte hält es für bedenklich, die Bürger zur Rattenbekämpfung aufzurufen. „Viele Präparate sind zu schwach, oder die Leute wenden sie falsch an“, sagt er.

Pypetz weiß, dass ein Experte teuer ist. Über 100 Euro koste ein Einsatz - und meist seien bis zu drei Einsätze nötig.

Ohne Köderbox können Ratten die Köder verschleppen.

Er sieht Gefahren: „Viele Leute verstreuen die Giftköder irgendwo. Dann kann es vorkommen, dass sie von Kindern oder Haustieren gefunden werden.“ Deshab müsse unbedingt eine zugriffsgeschützte Rattenköderstation verwendet werden.

Boxen mit befestigten Giftködern sollen verhindern, dass die Tiere die Köder verschleppen.

Boxen mit befestigten Giftködern sollen verhindern, dass die Tiere die Köder verschleppen. © Schaper

In einer solchen Kiste kann man den Köder befestigen. „Wichtig ist, dass die Ratte den Köder nicht herausbekommt und verschleppt“, warnt der Schädlingsbekämpfer.

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Auch das Ordnungsamt weist darauf hin, dass Giftköder etwa „in einer hochwandigen Kiste, in hohen Blumenkübeln, auf Bretterstapeln, Mauervorsprüngen“ und anderen Hindernissen angebracht werden sollen. So könne man vermeiden, dass zum Beispiel Igel sie fressen. Doch: „Ohne Köderstation können die Giftköder von den Ratten heruntergezogen werden“, sagt Tobias Pypetz.

Kellertür dicht, Mülleimer zu

Vorbeugemaßnahmen können helfen, Rattenbefall zu vermeiden. Auch dazu gibt es Tipps von der Stadt: Wichtigste Maßnahme sei „das rattensichere Bauen, das den Tieren den Zugang zu Objekten und Nahrungsquellen unmöglich macht.“

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In Sachen Abfall gebe es immer wieder Probleme. „Überfüllte, offene Mülltonnen und die Entsorgung von Speiseresten über die Toilette ziehen Rattenbefall nach sich.“ Müllsäcke sollen „rattensicher aufbewahrt und erst kurz vor der Abholung auf die Straße gestellt werden“, rät das Ordnungsamt.

Dazu sagt Tobias Pypetz: „Manche Wohnungsgesellschaften setzen auf Dauerbeköderung, statt die kaputte Kellertür abzudichten. Das habe ich oft gesehen.“

Auf vermüllten Hinterhöfen kommt es häufig zu Rattenplagen.

Auf vermüllten Hinterhöfen kommt es häufig zu Rattenplagen. © Schaper

Was die Müllaufbewahrung betrifft, stimmt er dem Ordnungsamt zu: „Wenn immer alles überquillt, kann man noch so viele Köder aufstellen. Da lacht sich die Ratte kaputt.“

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