Stadt Dortmund nennt andere Corona-Werte als Robert-Koch-Institut

dz7-Tage-Inzidenz

Die Stadt Dortmund gibt die 7-Tage-Inzidenz - entscheidend bei der Frage nach schärferen Corona-Regeln - niedriger an als das Robert-Koch-Institut. Es ist nicht die erste Abweichung dieser Art.

Dortmund

, 06.10.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende vergangener Woche war die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Dortmund über mehrere Tage derart hoch, dass erstmals denkbar war, dass die Stadt in die Nähe einer wichtigen Corona-Schallmauer kommen könne: Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen sollen Kommunen erste Corona-Regelverschärfungen durchsetzen.

Am Freitag (2.10.) lag diese wichtige 7-Tage-Inzidenz bei 26,1. Zumindest nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Stadt Dortmund gab den Wert in einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag hingegen niedriger an. Ihr zufolge lag er bei 25,3.

Der Unterschied mag klein wirken. Doch rund um die 35er-Grenze könnte er darüber entscheiden, ob Hochzeiten nur noch mit 50 anstatt wie bisher mit 150 Menschen gefeiert werden dürfen oder ob Zuschauer zu BVB-Heimspielen ins Stadion gelassen werden oder nicht. Noch wichtiger wäre er beim Überschreiten der 50er-Grenze, wodurch zwingend noch einschneidendere Maßnahmen nötig wären.

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Auf diese Diskrepanz angesprochen, nickte Dortmunds Gesundheitsamts-Chef Dr. Frank Renken am Montag bei einer Pressekonferenz wissend. „Maßgeblich nach außen hin sind immer die RKI-Zahlen“, stellte er klar.

Dissenz darüber, wie viele Einwohner Dortmund hat

Schuld an den unterschiedlichen Zahlen ist ein grundlegender Dissenz zwischen der Stadt auf der einen und Bund und Land auf der anderen Seite darüber, wie viele Einwohner Dortmund eigentlich hat.

Die Stadt Dortmund ist stolz darauf, seit einiger Zeit wieder eine 600.000-Einwohner-Stadt zu sein, 603.609 gibt das Dortmunder Statistikamt aktuell an. In allen Statistiken von Land und Bund wird Dortmunds Bevölkerung jedoch mit „nur“ 587.010 angegeben. Der Grund: Während die Stadt sich auf aktuelle Daten des Melderegisters beruft, benutzen Land und Bund - wie bei allen anderen Kommunen - eine Weiterführung und Hochrechnung des 2011er-Zensuses, einer Art Mini-Volkszählung.

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Und da Dortmund auf Bundesebene 13.000 Einwohner weniger hat, ist logischerweise auch der Inzidenzwert höher: Dann fallen die neuen Corona-Fälle pro 100.000 Einwohnern mehr ins Gewicht.

Bereits in der Vergangenheit sorgte die Stadt Dortmund mit einem alternativen Corona-Wert für Verwirrung: Bei der Zahl der Corona-Toten gab sie lange Zeit ausschließlich die Summe jener Gestorbenen an, deren Tod ursächlich im Zusammenhang mit der Erkrankung an Covid-19 stand.

Das RKI hingegen zählt alle Toten, bei denen Covid-19 nachgewiesen worden ist, ganz egal, ob der- oder diejenige an den Folgen des Virus starb oder mit dem Virus. In diesem Fall war bei einem Gestorbenen das Virus nachweisbar, aber die Todesursache war eine andere - was naturgemäß mehr Menschen waren.

Inzwischen gibt die Stadt bei den Todesfällen beide Zahlen an.

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