Stadt darf nicht flächendeckend testen und Schulen schließen

dzCorona an Schulen

In nur drei Tagen gab es sechs Corona-Schulschließungen in Dortmund. Warum wird nicht flächendeckend getestet? Und warum bleiben die restlichen Schulen auf? Eine Nachfrage bei der Stadt.

Dortmund

, 22.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Hauptschule, zwei Grundschulen und drei Berufskollegs sind in Dortmund seit Freitag (19.6.) vorzeitig in die Sommerferien geschickt worden, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. An allen von ihnen hatte es Erkrankungen gegeben.

Das Amt darf gar nicht reihenweise kontrollieren

Trotzdem gibt es keine so genannten Reihen-Testungen des Personals und der Schülerschaft in den betroffenen Schulen, der Betrieb läuft in den restlichen 153 Schulen der Stadt normal weiter. Viele Eltern und Lehrer verstehen das nicht, haben Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus.

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Für das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund ist die Sachlage hingegen klar: Gibt es keine konkrete Gefahr, dass sich das Coronavirus in einer Schule ausgebreitet hat, also keine größere Anzahl Menschen über längere Zeit in nahem Kontakt zu einem Infizierten stand, sind solche Maßnahmen nicht notwendig.

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Das Amt geht auf Nachfrage sogar noch einen Schritt weiter: Wenn es keinen zwingenden infektiologischen Grund gibt, dürfen die Gesundheits-Experten der Stadt nach eigener Ansicht gar nicht zum Mittel der so genannten Reihen-Testungen greifen. Diesen Grund gab es aus Sicht des Gesundheitsamts an keiner der sechs betroffenen Dortmunder Schulen.

Nur das Schulministerium darf alle Dortmunder Schulen schließen

Erst recht gelte das bei der Frage nach flächendeckenden Schulschließungen. Um diesen drastischen Schritt infektiologisch zu rechtfertigen, bräuchte es wohl einen Corona-Ausbruch der Größenordnung Gütersloh. „Präventiv alle Dortmunder Schulen zu schließen, ist dem Dortmunder Gesundheitsamt nicht möglich“, heißt es auf Anfrage. „Diese Entscheidung wäre vom Landesministerium für Schule und Bildung zu treffen.“

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Dort ist man von einer solchen Entscheidung aktuell meilenweit entfernt. Die „Konzepte zur effektiven Nachverfolgung von Infektionsketten greifen“, heißt es auf Anfrage aus dem Schulministerium. Die lokalen Gesundheitsämter hätten die Lage unter Kontrolle, auch in Dortmund.

„Wo das Infektionsgeschehen es zulässt, braucht es im Interesse aller Beteiligten eine verantwortungsvolle Normalität“, schreibt das NRW-Schulministerium weiter. „Das gilt auch und gerade an den Schulen. Die Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf Bildung und Erziehung.“

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