Berthold Schröder, der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, fürchtet jetzt um die Existenz vieler Betriebe. © Schaper
Corona-Krise

Staatshilfe fehlt: „Ein Teil der Unternehmen wird nicht überleben“

Auch wenn seit Beginn der Corona-Krise mehr als 80 Milliarden Euro für die Wirtschaft bewilligt wurden, kommt das Geld nur schleppend an. Eine RN-Umfrage zeigt: Viele Firmen sind in Not.

„Bisher nur eine Abschlagszahlung“ oder „Überbrückungshilfe im April, aber keinerlei Hilfen für Dezember/Januar“ – so oder ähnlich erleben viele Firmenchefs in Dortmund die Auszahlung der versprochenen Wirtschaftshilfen vom Staat.

Es zeichnet sich ab, dass die Unterstützung in vielen Fällen zu spät kommen wird, um Betriebe, die seit Wochen und Monaten nicht öffnen dürfen, zu retten. In unserer Umfrage zur Stimmungslage vor dem nächsten Corona-Gipfel am Mittwoch (10.2.) haben wir die heimischen Unternehmen gefragt, bis wann sie die Finanzspritzen spätestens erhalten müssen.

269 Betriebe haben an der nicht repräsentativen Umfrage teilgenommen. Etwa jeder dritte (36,1 Prozent) hat Staatshilfen beantragt. Die meisten jedoch bisher ohne den erhofften Erfolg. Über die Hälfte dieser Betriebe sagt, dass es für die Überweisung der November-/Dezember- und Überbrückungshilfen „wohl jetzt schon zu spät ist“. 25,5 Prozent sagen, dass das Geld im Februar endlich auf dem Konto sein muss, 20,6 Prozent reicht es im März.

IHK kritisiert zu zögerliche Auszahlung

Seit Wochen schon kritisiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, dass die Staatshilfen zu zögerlich ausgezahlt werden. „Es fehlt vielen Betrieben das Geld“, stellt IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann fest. „Zum Beispiel“, sagt er, „können Anträge für die wichtige Überbrückungshilfe III immer noch nicht gestellt werden. Wenn alle finanziellen Rücklagen komplett aufgebraucht sind, kann es für die Unternehmen schnell existenzbedrohend werden.“

Die IHK geht jetzt davon aus, dass die Hilfsmaßnahmen für viele Unternehmen und Selbstständige, etwa aus den Branchen wie Hotellerie und Gastronomie, Reisebüros und Schausteller, aus dem Messebereich, aus der Kreativ,- Kultur- und Freizeitwirtschaft und für große Teile des Nicht-Lebensmitteleinzelhandels angesichts monatelanger, häufig komplett fehlender Umsätze oder Einnahmen zu spät oder in nicht ausreichendem Maße kommen. „Wahrscheinlich wird ein Teil der Unternehmen die kommenden Monate nicht überleben“, so Dustmann.

Für Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder kommt erschwerend hinzu, „dass die meisten Handwerksbetriebe zu den mittelbar Betroffenen des Teil-Lockdowns im Winter 2020 zählen und deshalb die Förderkriterien für die November-/Dezemberhilfen, trotz teils hoher Umsatzeinbußen, nicht erfüllen.“

Besonders hart treffe es die Friseure. „Sie haben lediglich Anspruch auf die Überbrückungshilfe III, die jedoch die Umsatzausfälle nur zu einem Bruchteil kompensiert; Kosten der privaten Lebenshaltung werden nicht abgedeckt und bleiben außen vor. Zudem sind Abschlagszahlungen frühestens im März zu erwarten und selbst dann reichen diese meist nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken und die Liquidität maßgeblich zu erhöhen“, so Berthold Schröder.

Minister Peter Altmaier entschuldigt sich

Vor allem für die Friseure schlägt er daher mit Blick auf den Corona-Gipfel Alarm: „Sollte der Lockdown verlängert werden, werden zahlreiche Friseurbetriebe in die Zahlungsunfähigkeit rutschen und auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein.“

Wie unsere Umfrage zeigt, hält sich die Kritik an den Verfahren zur Beantragung der Staatshilfen die Waage. 29,3 Prozent halten sie für „viel zu aufwändig und kompliziert“, 30,5 Prozent sagen: „Das ist machbar und notwendig.“ 40,1 Prozent trauen sich eine Beurteilung nicht zu.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich inzwischen für die langsame Auszahlung von Corona-Hilfen entschuldigt. Am Sonntagabend sagte er in der Politik-Talkshow „Die richtigen Fragen“ bei „Bild live“, bis vor wenigen Tagen habe man noch mit dem Bundesfinanzministerium über die Bedingungen für die Überbrückungshilfen ab Januar gestritten. „Das ist etwas, wo wir zu schwerfällig sind, wo wir schneller werden müssen“, sagte Altmaier.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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