30 Sekunden gurgeln und alle Spuckproben einer Schulklasse in einen Behälter. Wie steht das Dortmunder Gesundheitsamtsamt zu dieser Sammel-Testmethode, die bereits in anderen Städten wie hier in Wien angewandt wird? © dpa
Corona-Test

Spucken vor dem Unterricht – ist Pooling eine Testmethode für Dortmund?

Es ist nicht die appetitlichste Methode, doch andere Städte wenden sie bereits bei Corona-Tests an: Mehrere Spuckproben werden gesammelt getestet. Wie steht die Stadt Dortmund zu Pooltests?

Wissenschaftler und Politiker fordern, die Öffnungsschritte aus dem Lockdown mit einer massiven Anwendung von Corona-Schnelltests abzusichern. Je mehr Menschen als infiziert erkannt würden, desto besser lasse sich die Pandemie eindämmen. Dabei rückt ein Testverfahren zunehmend in den Fokus: das sogenannte Pooling – eine Methode, um großflächig Corona-Tests auszuwerten.

Das Verfahren, mit dem mehrere Menschen auf einmal auf das Coronavirus getestet werden, klingt zumindest praktisch, schnell, unkompliziert und ressourcenschonend. In Städten wie Köln, Frankfurt und München fand die Testung in Gruppen in wissenschaftlichen Versuchen bereits Anwendung.

Ein simpler Trick

Es ist ein simpler Trick, der sich zudem mit schmerzlosen Spucktests kombinieren ließe. Zunächst gurgelt der Proband 30 Sekunden lang mit normalem Leitungswasser und spuckt die Probe dann in zwei Röhrchen. Beim Pooling wird dann die Probe aus einem der beiden Röhrchen in einen Behälter mit 5, 10 oder sogar 30 Proben anderer Probanden geschüttet und zusammen untersucht.

Ist der Pool negativ, dann wurden mit einem Schlag bis zu 30 Personen getestet und man hat Material und Zeitaufwand für die Einzeltests gespart. Ist der Test positiv, kommt das zweite abgegebene Röhrchen zum Einsatz. Dann wird der Pool aufgelöst und jede Probe noch einmal einzeln untersucht. Und das innerhalb weniger Stunden.

Sammelproben lassen sich auch mit Rachen- und Nasenabstrichen machen, nachgewiesen in mehreren wissenschaftlichen Experimenten. Die Idee ist auch nicht neu: PCR-Pool-Testungen wurde beispielsweise mit dem Aufkommen von Aids in den 1990er-Jahren als Nachweis für HI- und Hepatitis-Viren im Blutspendewesen eingeführt.

Alltagstaugliche Testmethode für Dortmund?

So waren es auch die Forscher des Blutspendendienstes des Deutschen Roten Kreuzes zusammen mit denen des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, die ein neues Verfahren entwickelt haben, um gleich mehrere Menschen auf einmal auf „Sars-CoV-2“ zu testen.

Die Uniklinik Köln hat gemeinsam mit den Unikliniken in Düsseldorf, Bamberg, Heidelberg und München Corona-Pooltests an Schulen und Kitas ausprobiert. Dort setzt man künftig sogar auf größere Pools als 30.

Auch die Stadt Dortmund hat die Ausweitung von Tests angekündigt. Könnte das Pooling dabei auch eine alltagstaugliche Testmethode für Dortmund sein? Etwa in Schulen, Kitas oder dort, wo große homogene Gruppen getestet werden müssen?

Gesundheitsamt setzt weiter auf „Goldstandard“

Das Gesundheitsamt plane derzeit nicht, das Pooling-Verfahren einzusetzen, teilte Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage mit. „Grundsätzlich können gepoolte Tests eine Kostenreduktion und, je nach Verfahren, eine Vereinfachung bedeuten“, räumt sie ein, „doch um das beurteilen zu können, bräuchte das Gesundheitsamt wesentlich mehr Informationen zur Teststrategie der Landesebene sowie zum Einsatz der Testverfahren und zu deren tatsächlicher Qualität und Quantität.“

Aus diesem Grund gebe es für das Gesundheitsamt zurzeit keinen Anlass, das Pooling-Verfahren in Dortmund einzusetzen. Die Dortmunder Behörde setze weiterhin auf PCR-Testungen, „da diese Tests als Goldstandard nach wie vor die zuverlässigsten Ergebnisse liefern“. Zudem führten die vom Gesundheitsamt beauftragten Teststellen Schnelltestungen bislang nicht durch.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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