Zurzeit sieht man vor den City-Geschäften viele gezückte Smartphones. © Schaper
Lockdown-Lockerung

Spontan in der Dortmunder City einkaufen trotz Termin-Pflicht – geht das?

Endlich wieder ausgiebig bummeln: Viele Geschäfte in der Dortmunder City haben geöffnet für Kunden, die sich angemeldet haben. Auch Spontan-Käufer können zum Zuge kommen – wenn sie wissen, wie.

Die Türen zu den meisten Geschäften auf Dortmunds wichtigster Einkaufsmeile stehen seit dem 8. März wieder offen. Wenn auch nicht ganz. Das Sesam-öffne-dich ins Innere der Läden und damit zurück ins Präsenz-Shoppen heißt nach monatelangem Lockdown „Click & Meet“ – Einkaufen mit Terminvergabe. Nach Anmeldung per Telefon oder online. Oder ganz spontan. Letzteres geht bei vielen Geschäften auf dem Westen- und Ostenhellweg nämlich auch. Noch.

„Hallo, Sie können auch so rein“, ruft die nette Verkäuferin aus dem dänischen Deko-Laden Søstrene Grene am oberen Westenhellweg. Das heißt: zwar nicht ohne Termin, aber den kann ich spontan an der Ladentür buchen mit Angabe meiner Daten, so lange sich nicht zu viele Einkaufende im Laden aufhalten. Für eine Viertelstunde dürfte ich im Geschäft stöbern. Auch bei Butlers gegenüber könnte ich mich für 15 Minuten direkt an der Tür anmelden.

Bei Brax ein paar Schritte weiter steht die Tür zu der neuen Frühjahrsware ebenfalls weit auf und auf dem Ständer daneben der Hinweis, dass man neben der Terminbuchung per Telefon auch das Personal direkt hier vor Ort ansprechen kann. Dann bekommt man einen Papierbogen gereicht, auf dem man sich ganz analog registriert, um später mögliche Corona-Infektionsketten nachvollziehen zu können – so wie man das bereits aus den Restaurants kennt, als die noch geöffnet waren.

Mit der Foto-App den QR-Code scannen

Doch wer mit der Zeit geht, zückt sein Handy und scannt mit der Foto-App den QR-Code, der an den Schaufensterscheiben klebt oder auf den Ständern am Eingang prangt.

Dieser QR-Code ist sozusagen die Eintrittskarte für das wiederentdeckte Einkaufsvergnügen. Mit ihm kommt man für das jeweilige Geschäft auf die Seite mit der Terminbuchung und klickt den nächsten freien oder einen anderen Wunschtermin an.

Viele Geschäfte fahren so zweigleisig: „Terminbuchung auch direkt vor Ort möglich“, laden sie die Kunden ein. Und freie Termine für Spontan-Entscheider gibt es am Mittwochmittag (10.3.) noch reichlich. Denn der Westenhellweg ist zwar deutlich belebter als in den vergangenen drei Monaten des Lockdowns, aber nicht wirklich voll.

Vor H & M erklärt eine Mitarbeiterin Kunden, wie sie das Papierformular ausfüllen müssen.
Vor H & M erklärt eine Mitarbeiterin Kunden, wie sie das Papierformular ausfüllen müssen. © Schaper © Schaper

Kurze Schlangen gibt es lediglich vor größeren Geschäften, die auch sonst zu den Einkaufsmagneten in der City zählen wie Saturn und C&A. Vor H&M etwa stehen ein paar wenige Menschen an, doch weniger, weil es im Geschäft zu voll ist, sondern eher, weil sie draußen den Anmeldebogen ausfüllen. Eine hilfsbereite Fachkraft zeigt den Kunden, wie das geht. „Die Uhrzeit bitte erst eintragen, wenn Sie den Laden betreten“, rät sie.

Die meisten kommen spontan

„Die meisten registrieren sich spontan“, sagt auch die Verkäuferin beim Herren-Ausstatter Anson‘s. Wer kein Smartphone hat oder das mit dem QR-Code nicht hinkriegt, kann auch das Papierformular ausfüllen und dann 45 Minuten einkaufen. Oder nur gucken. Diejenigen, die mit einem bereits gebuchten Termin kämen, wollten meist etwas umtauschen, sagt die Anson‘s-Mitarbeiterin.

Im Deko-Laden Depot am Ostenhellweg ist ebenfalls noch viel Luft, sodass auch hier ein spontaner Kundenbesuch im 20-Minutentakt kein Problem wäre – natürlich wie überall nur mit FFP2-Maske, Handdesinfektion und Abstand.

Gleiches gilt für die Depot-Filiale in der Thier-Galerie. Dort haben Dutzende Geschäfte mit Terminbuchung auf. Und auch hier ist der Kundenstrom sehr übersichtlich.

Am Eingang wird immer kontrolliert

Ob mit einer Spontan-Buchung oder einem daheim auf der Seite der Online-Shops gebuchten Termin – kontrolliert wird am Eingang immer. Die Geschäfte achten darauf, dass nicht mehr Kunden als erlaubt eintreten.

Die Anzahl der Kunden, die das jeweilige Geschäft gleichzeitig betreten dürfen, hängt von der Größe der Verkaufsfläche ab. Je 40 Quadratmeter Ladenfläche darf nur eine Kundin oder ein Kunde zum Einkaufen kommen.

Bei C&A, so ist vom Türsteher zu erfahren, dürfen sich nur 60 Kunden auf den sechs Etagen tummeln. Wer erst einmal im Geschäft ist, darf entspannt stöbern. Ein elektronisches System mit Sicherungen, die man beim Verlassen des Ladens zurück in einen Korb wirft, überwacht die Kundenzahl.

Bei Galeria Karstadt Kaufhof sind es 579 Kunden, die gleichzeitig Einlass bekommen, der über zwei Linien erfolgt. Die Online-Bucher können schneller passieren, als die Kunden, die anlog unterwegs sind und erst den Papierbogen ausfüllen müssen.

Beitrag zur Kundenbindung

Bei der Mayerschen Buchhandlung bleibt ein Mann in vorauseilendem Gehorsam am Eingang stehen. Muss er aber nicht; denn hier kommt er ganz ohne Termin rein, da Buchhandlungen ohne Termin wieder öffnen durften.

Auch wenn sich das Termingeschäft für viele Läden nicht jetzt in Euro und Cent rechnet, so ist es doch sicherlich ein Beitrag zur Kundenbindung, damit diese nicht ganz ins Internet abdriften. Ob das Shoppen mit Termin allerdings so entspannt und ohne Warteschlangen bleibt, wenn sich der Spontan-Einlass erst einmal herumgesprochen hat, ist abzuwarten.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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