Spielhallen in Not: „Unsere Existenzangst wird nicht mal erwähnt“

dzCorona-Krise

Die Spielhallen der Stadt sind wegen der Corona-Krise seit Wochen geschlossen, die Automaten verwaist. Ein Dortmunder Spielhallenbetreiber schlägt jetzt Alarm.

Dortmund

, 05.05.2020, 20:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Spiel ist aus. Für die Spielhallenbetreiber geht seit Wochen nichts mehr. „Ich habe meine Filialen am 15. März 2020 um 24 Uhr geschlossen und verdiene seit diesem Zeitpunkt keinen Cent mehr. Auch die gastronomischen Betriebe, in denen ich Automaten aufgestellt habe, sind geschlossen und bringen keinen Cent ein“, sagt Herbert Zinke, Geschäftsführer der Playworld GmbH.

Er betreibt in Dortmund fünf Spielhallen und beschäftigt 30 Mitarbeiter. Nach sechs Wochen „mit null Einnahmen“ sorgt sich Herbert Zinke um die Existenz seines Unternehmens, das seinen Sitz in Westrich hat und das er von seinen Eltern übernommen hat. Und Frust kommt auf: „Mit Gastronomen oder Reisebüros hat man Mitleid. Das ist für uns mehr als verständlich. Nur: Sind wir nichts? Warum werden wir Spielhallenbetreiber mit unserer Existenzangst noch nicht einmal erwähnt?“

Um seine Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen und die Zeit der gesetzlich angeordneten Schließung aller Spielhallen in Nordrhein-Westfalen überbrücken zu können, hat Herbert Zinke für seine Firma Kurzarbeit angemeldet. Die Beschäftigten müssen nun mit einem Teil ihres Lohnes auskommen.

Spielhallen: Die laufenden Kosten sind enorm

Wie lange das noch so gehen soll, ist für Herbert Zinke eine drängende Frage. „Auch das Geld für die Kurzarbeit strecke ich ja erst mal vor. Und wie bei allen anderen Unternehmen haben auch die Spielhallenbetreiber die laufenden Kosten wie Miete, Gerätemieten, Strom, Vergnügungssteuer etc. weiter zu tragen“, sagt er.

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Einige Zahlen verdeutlichen die finanzielle Last. 15.000 Euro Objektmiete fällt jeden Monat an. Und 26.000 Euro sind monatlich an Miete für die Automaten in seinen Spielhallen und in den 25 Gastronomiebetrieben zu zahlen.

Nichts geht mehr: Für Spielhallenbetreiber Herbert Zinke (l.) ist in den Gaststätten schon seit Wochen nichts zu holen. Wie hier bei Wirt Michael Henke im Haus Ratte kurz hinter der Stadtgrenze in Frohlinde, bleiben die Spielautomaten unberührt.

Nichts geht mehr: Für Spielhallenbetreiber Herbert Zinke (l.) ist in den Gaststätten schon seit Wochen nichts zu holen. Wie hier bei Wirt Michael Henke im Haus Ratte kurz hinter der Stadtgrenze in Frohlinde, bleiben die Spielautomaten unberührt. © Langrock

Anders als Gastronomen, die immerhin einen Außer-Haus-Verkauf anbieten könnten, habe er keine andere Möglichkeit, um Geld zu verdienen, betont Herbert Zinke. Noch helfe ihm sein Erspartes, und auch die Zusammenarbeit mit der Sparkasse und die Unterstützung der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) seien gut. „Aber“, sagt er, „die Kredite müssen ja zurückgezahlt werden. Und es ist ungewiss, wie viel Geld die Leute in Zukunft überhaupt noch übrig haben.“

Warum darf der Einzelhandel öffnen, die Spielhallen aber nicht?

Zinkes Unverständnis richtet sich jetzt gegen die Politik. „Ich verstehe nicht, dass Einzelhandelsgeschäfte öffnen dürfen und Spielhallen nicht. In den Spielhallen ist sowieso ein gewisser Abstand zwischen den Spielgeräten ein Muss und vorgegeben durch den Glücksspielstaatsvertrag. Die Einhaltung wird auch von den Ordnungsämtern kontrolliert“, sagt Herbert Zinke.

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Dass es zusätzlich zum Abstand in den Spielhallen weitere Vorkehrungen zum Infektionsschutz geben muss, ist für ihn selbstverständlich: „Und das ist ja auch gut möglich. Auch Spielhallen sind in der Lage, die nötigen Maßnahmen einzuhalten, wie etwa die Abschirmung des Personals, das Tragen von Mundschutz, die Desinfektion der Geräte, der Stühle, der Toiletten oder die Desinfektion nach dem Geldwechseln.“

Gebannt wird Zinke am Mittwoch (6.5.) vor dem Fernseher sitzen und die angekündigten Pressekonferenzen zu weiteren Lockerungen verfolgen. „Wir haben in der ganzen Branche etwas Hoffnung, dass sich etwas tut. Seit Montag dürfen im Saarland Spielhallen wieder öffnen. Vielleicht kommt das ja auch in Nordrhein-Westfalen.“

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