Beliebter City-Imbiss leidet unter Sperrstunde: „Wir schaffen das nicht“

dzBrückstraßenviertel

Die sonst so belebte Brückstraße ist seit Inkrafttreten der Sperrstunde menschenleer. Das bekommen vor allem die vielen Imbiss-Besitzer zu spüren. Bei einem könnte es bald eng werden.

Mitte

, 23.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise ist es um 12 Uhr rappelvoll beim Ägypter. Mittags wie auch nachts. Aber nachts muss der Imbiss wegen der Sperrstunde seit einigen Tagen geschlossen bleiben. Und mittags ist der Laden – obwohl er geöffnet hat – trotzdem leer. Nur vereinzelt kommen Gäste in ihrer Mittagspause zum Ägypter im Herzen des Brückstraßenviertels.

Rabi Mohsen bereitet das Sorge. Er ist der Inhaber von Beim Ägypter. „Wir verlieren sehr viel Umsatz“, sagt er. „Wenn das so weiter geht, kommen wir nicht klar.“ Denn der Imbiss an der Brückstraße wird für gewöhnlich erst nachts so richtig voll. Besonders am Wochenende, wenn die feiernden Dortmunder vorm nach Hause gehen einen Zwischenstopp beim Ägypter einlegen.

„Wie sollen wir weitermachen?“

Die neu eingeführte Sperrstunde schreibt aber vor, dass alle Gastro-Betriebe zwischen 23 Uhr und 6 Uhr geschlossen bleiben müssen. Eine Corona-Schutzmaßnahme, um das Infektionsgeschehen in Risikogebieten einzudämmen. In Kraft getreten ist sie vor etwa einer Woche. Die Auswirkungen zeigen sich schon jetzt.

Kaum eine Spur vom hektischen Treiben - die Brückstraße ist menschenleer.

Kaum eine Spur vom hektischen Treiben - die Brückstraße ist menschenleer. © Anne Schiebener

Seit Bekanntwerden der Sperrstunde geht Rabi Mohsen nur noch eine Frage durch den Kopf: „Wie sollen wir weitermachen?“ Denn Schulden hat der Laden schon im März während des ersten Lockdowns aufgebaut.

„Wegen der Sperrstunde fallen uns etwa 50 Prozent der Einnahmen weg“, sagt Inhaber Mohsen. „Wir sind schon auf Schulden. Wir schaffen das nicht.“

Hohe Mieten und Mitarbeiterkosten kaum tragbar

Denn die Mieten auf Dortmunds Fressmeile sind hoch. Für das Lokal inmitten des Brückstraßenviertels zahle Mohsen allein 8000 Euro Miete im Monat, sagt er. Zudem müssen auch noch die Mitarbeiter bezahlt werden. „Auf dieser Straße ist es sehr schwer“, sagt er.

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Und diese Straße ist im Moment vor allem eines: leer. Genau wie nachts müsste auch mittags um 12 Uhr der Laden voll sein. „Die Leute haben Angst“, sagt Mohsen. „Die kommen nicht mehr auf die Straße. Man merkt es komplett.“

Beim Ägypter nicht das einzige Lokal mit Sorgen

Ähnlich ergeht es auch anderen Imbiss-Besitzern auf der Brückstraße. Ein paar Häuser weiter befindet sich der Cappadocia Grill. Mitarbeiter Mehmet Kult musste bereits im Lockdown staatliche Hilfe beantragen. „Ich würde dies wieder tun“, sagt er. Denn auch er erwarte hohe Einbußen durch die neue Sperrstunde.

Für Beim-Ägypter-Inhaber Rabi Mohsen ist die Corona-Sperrstunde existenzgefährdend. „Wir können uns noch eine Woche über Wasser halten“, sagt der Beim-Ägypter-Inhaber. „Aber die Sperrstunde wird bestimmt noch länger andauern.“

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