30-Jährige will in die politischen Fußstapfen ihres bekannten Opas treten

dzPolitik in Wickede

Der langjährige SPD-Ratsvertreter Friedhelm Sohn will zur nächsten Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten. Eine mögliche Nachfolgerin hat er schon ausgeguckt. Ihr Opa war in Dortmund bekannt.

Wickede

, 07.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein bekannter Name könnte nach der nächsten Kommunalwahl Einzug in den Rat halten - zumindest wenn es nach dem Willen des SPD-Ortsvereins Wickede geht. Die Sozialdemokraten haben sich bereits damit befasst, wer Nachfolger von Friedhelm Sohn werden könnte.

Das Ergebnis: Anna Spaenhoff (30), Enkelin des früheren Dortmunder Bürgermeisters Willi Spaenhoff, soll die Nachfolge von Friedhelm Sohn (69) antreten. Für die endgültige Kandidatur muss jetzt noch der SPD-Stadtbezirk und später der SPD-Unterbezirk zustimmen. Wir sprachen mit beiden.

Hallo Frau Spaenhoff, hallo Herr Sohn - Herr Sohn, zunächst zu Ihnen - warum hören Sie auf?

Ich bin seit 1989 im Rat, also seit 30 Jahren. Irgendwann ist es auch mal genug. Ich bin der Ansicht, dass man jetzt auch mal jüngere Leute in solche Ämter wählen muss, zumal wenn es so geeignete Kandidaten gibt wie Anna Spaenhoff.

Gehen Sie freiwillig oder werden Sie dazu gedrängt?

Freiwillig. Und ich werde auch weiter politisch aktiv sein - zum Beispiel in der AG60+ unseres Ortsvereins.

Frau Spaenhoff, erzählen Sie mal ein bisschen über sich. Was machen Sie zum Beispiel beruflich?

Ich arbeite bei der Stadt Schwerte und bin da für Ratsangelegenheiten und drei Ausschüsse zuständig. Von 2015 bis Ende 2018 habe ich als Werkstudentin beim Projekt „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums mitgearbeitet. Außerdem habe ich einen Bachelor an der Uni Duisburg-Essen in Politikwissenschaft gemacht. Auch für Nadja Lüders im Landtag habe ich schon als Hilfskraft gearbeitet.

Okay, dann kommen wir zur Gretchenfrage - etwas provokativ gefragt: Warum wollen Sie sich so etwas wie ein Ratsmandat antun - vor allem auch vor dem Hintergrund der bundesweit schlechten Umfragewerte für die SPD?

Ich trenne hier ganz klar die Bundespolitik von der Kommunalpolitik. Letztere ist da gerade mehr meine Priorität. Wichtig sind mir zum Beispiel Verkehrsthemen wie die Umgestaltung des Hellwegs - ein ganz wichtiges Thema. Oder auch die Kinder- und Jugendpolitik, die ja auch Friedhelm Sohn als Vorsitzendem des Kinder- und Jugendausschusses nahesteht. Ein kleiner Beitrag zum Klima ist für mich, dass ich zum Beispiel mit dem Zug nach Schwerte fahre, obwohl es mit dem Auto viel bequemer wäre. Wichtig ist mir auch der Widerstand gegen Neonazis, für den ich mich schon lange einsetze.

Sind Sie deswegen auch schon angefeindet worden wie andere Politiker in Deutschland?

Ja.

Und das hindert Sie nicht, eine weitere politische Karriere anzustreben?

Nein, im Gegenteil. Das spornt mich an. Dass wir uns zurückziehen, wollen diese Leute doch nur.

Was war für Sie der Auslöser, sich für Politik zu interessieren? Ihr Großvater?

Nein, mit meinem Großvater habe ich eigentlich nicht über Politik gesprochen, obwohl bei ihm natürlich viele Politiker - damals übrigens ausschließlich Männer - ein- und ausgingen. Den Ausschlag hat vielleicht die Schließung des Jugendtreffs der Evangelischen Gemeinde Wickede vor ungefähr 15 Jahren gegeben. Damals saßen wir Jugendlichen nämlich plötzlich auf der Straße, was uns sehr getroffen hat. Deutlicher war da mein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim hier in Dortmund. Da wollte ich was am System verändern.

Welchen Bezug haben Sie zu Wickede?

Ich bin in den Kindergarten der Evangelischen Gemeinde Wickede, in die Steinbrink-Grundschule und später aufs Immanuel-Kant-Gymnasium in Asseln gegangen, bin hier also sehr verwurzelt. Meinen Ortsverein habe ich auch nie verlassen.

Dass sich ein junger Mensch wie Sie zu einer Parteikarriere entschließt, ist heute fast ungewöhnlich.

Das mag sein. Wobei: Am Beispiel der Fridays-for-Future-Demonstrationen sehen Sie, dass sich junge Leute sehr wohl für Politik interessieren.

Ja, aber sie wollen in keine Partei eintreten, weil sie keine Lust haben, sich jeden Montagabend in irgendeinem Hinterzimmer zu treffen.

Ich gebe zu, dass das auch für mich zunächst abschreckend war. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was die SPD macht. Aber das gibt es ja sowieso nicht. Dann müsste es so viele Parteien geben wie Menschen. Ich bin dann zu Beginn bei den Jusos gelandet, und das hat mich enorm weitergebracht, weil ich da sehr viel gelernt habe - zum Beispiel, wie man Reden hält oder Pressemitteilungen schreibt.

Haben Sie schon eine eigene Familie, und haben Sie noch Zeit für Hobbys?

Ich habe einen Lebensgefährten, und wir haben noch keine Kinder. Ich habe früher gerne Basketball gespielt und hätte zumindest Interesse an einer Hobbygruppe ohne feste Spiele. Ich reise gerne. Frankreich und Schottland gehören zu meinen Lieblingsländern. Aber ich gucke auch gerne Filme und Serien auf Netflix und lese gerne.

Herr Sohn, wenn Sie all das hören, haben Sie dann nicht vielleicht doch ein Tränchen im Auge, dass Ihre Zeit als Ratsmitglied abläuft?

Nein, wie gesagt: Wichtig ist, dass jetzt mal Jüngere ans Ruder kommen. Die Welt hat sich in letzter Zeit enorm verändert. Früher war es wichtig, als Politiker in möglichst vielen Vereinen aktiv zu sein. Heute muss man sich mit Facebook, Twitter und Instagram auskennen. Ich habe zwar E-Mail und bin auch bei Facebook, aber mehr muss und will ich in dieser Hinsicht nicht mehr machen.

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