Spannungsfreie Inszenierung über das Alleinsein während des Lockdowns

dzKinder- und Jugendtheater

An die Isolation während des Lockdowns zu Anfang der Corona-Pandemie erinnert die Stückentwicklung „Miss you“, die am frühen Freitagabend im Kinder- und Jugendtheater uraufgeführt wurde.

von Britta Helmbold

18.09.2020, 22:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst wird geklebt. Musiker Manuel Loos markiert mit rotem Klebeband den Rand der Spielfläche. Dann treffen nach und nach die fünf Schauspieler ein und markieren nun mit schwarz-gelben Klebebändern ihre Wohnzellen. Ein ziemlich langweiliger Einstieg in die Stückentwicklung „Miss you“.

Aufregender wird es nicht mehr. Denn die von Antje Siebers für Kinder ab zwölf Jahren inszenierte Uraufführung am Freitag im Kinder- und Jugendtheater (KJT) bleibt über die 70 Minuten Spiellänge absolut spannungsfrei. Aber so vermittelt die Aufführung schön die öden Phasen während des Lockdowns. Denn es geht um Isolation, Einsamkeit und das Alleinsein. Für die Recherche zu dieser Produktion gab es Unterstützung von der Klasse 6 c des Goethe-Gymnasiums und die Klassenleiterin steuerte ihre Tagebucheinträge bei.

Kästchen mit Träumen und Erinnerungen

Nachdem die Zimmer markiert sind, mimen die fünf Spieler Alltag und erzählen abwechselnd davon, wie sie ihr „Reich“ ausgemistet und gestaltet haben. Auch dass während des Lockdowns mehr Pakete verschickt wurden, bleibt nicht unerwähnt.

Wenn sie ihr Heim verlassen, setzen sie Masken auf, winken sich zu und vom Band hören wir „Hallo“ und „Guten Tag“ in diversen Sprachen. Zwischen diesem Rumgehampel, das Catharina Cadelha choreografiert hat, darf jeder einmal zeigen, womit er sich - ganz auf sich gestellt - beschäftigt. Dazu hat jeder einen präparierten Schuhkarton, dessen Inhalt auf eine Fenster-Leinwand projiziert wird. Ann-Kathrin Hinz träumt sich als Girlie nach Tokio, Andreas Ksienzyks Schauspieler erinnert sich mit Fotos an seine Frau, Bettina Zobels Verkäuferin sieht sich als Indianerin.

Hoffnung auf bessere Zeiten

Ein Lichtblick ist das neue Ensemble-Mitglied Thomas Ehrlichmann, der per Video mit der Außenwelt kommuniziert, seinen Traumraum vorstellt und gekonnt Sarah Connors „Vincent“ performt. Max Ranft, ein weiterer Neuzugang, bleibt dagegen relativ blass, kann aber gut Vogelstimmen imitieren und schenkt dem Publikum am Ende einen Blick aus dem Fenster in die reale Welt.

Die ganze Zeit über nervt Loos mit seinen Klängen, aber er spielt auch mal Kinderstimmen mit ihren Wünschen ein. Die Regie lässt daraufhin eine alberne Talkrunde aufführen. Am Ende spielen sie zusammen Eisenbahn, bauen dafür fast über die gesamte Spielfläche Schienen auf: Ein Bild der Hoffnung auf bessere Zeiten, denn in den Waggons werden die Klebebänder und Masken entsorgt.

Weitere Termine

Die nächsten Vorstellungen sind am 25./26.9. (19 Uhr), 27.9. (18 Uhr), 2./31.10. (19 Uhr) und 25.10. (18 Uhr) im KJT an der Sckellstraße. Karten gibt es an der Vorverkaufskasse im Kundencenter am Platz der Alten Synagoge, unter Tel. 5027222 oder www.theaterdo.de

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