Sondermüll: E-Scooter schaden mehr, als sie nutzen!

dzKolumne Klare Kante

Passanten in Paris machen's richtig: Sie werfen E-Scooter, die den Gehweg versperren, kurzum in die Seine. Auch Dortmund droht das Chaos.

Dortmund

, 19.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da haben wir ihn wieder - überflüssigen Krempel der Wohlstandsgesellschaft, der allerorts als das nächste große Ding gefeiert wird. Der Hype um die E-Scooter, der war absehbar. Da schießen die Start-Ups, die ihre E-Scooter-Flotten zum Verleih anbieten, jetzt auch in Dortmund wie Unkraut aus dem Boden. Der Hype-Zug hat Fahrt aufgenommen. Bitte schnell aufspringen und das schnelle Geld machen. Denn, wer weiß schon wie lange das noch geht? Seit die vermeintlichen Heilsbringer wider dem Verkehrskollaps in den Innenstädten verkehren dürfen, gibt's zusätzlichen Ärger und Stress. Bitteres Lehrgeld in Sachen E-Scooter haben schließlich schon die Bürger und die Politik in anderen Metropolen in jüngster Zeit zahlen dürfen.

Ärger statt Revolution

Paris, Tel Aviv, San Francisco - alle haben bereits unter dem Chaos gelitten, das die vermeintlich umweltfreundlichen City-Flitzer in die Innenstädte bringen. E-Scooter und ihre Fahrer, sie sind zu Problemen geworden, die gleichermaßen Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer auf die Palme bringen. Teilweise schwere Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern, Betrunkene Scooter-Fahrer und mit abgestellten Rollern blockierte Parkplätze und Gehwege waren bisher die Bilanz. Um den Ärger wenigstens halbwegs einzudämmen, mussten neue Gesetze her - und eigene Parkplätze für E-Scooter. Das alles ging zu Lasten der Kommunen, also durfte der Steuerzahler bluten.

Das blüht Dortmund in absehbarer Zeit. Das wird unausweichlich sein, wenn man sich mal vor Augen hält, was bereits an den Nachmittagen rund um den Wall los ist. Es hagelt bereits einzelne Beschwerden über die als rücksichtslos rasend empfundenen E-Scooter-Fahrer. Jene, die ihre Elektro-Roller wild vorm Bergmann-Kiosk parken und dort ein Bier trinken, die werden wohl auch kaum den Untersatz da stehen lassen, wenn sie mal zu viel intus haben.

Pro-Argumente ohne Wert

Die Befürworter der nervigen Vehikel berufen sich weiterhin darauf, dass diese die Mobilität der Zukunft darstellten: Sie machten keinen Lärm, stießen keine Abgase aus und überhaupt brauche es nur noch etwas Geduld, um die Flut der Scooter-Flotten als Verkehrsmittel des zukünftigen Alltags anzuerkennen. Zur Legitimation der E-Pest auf den Gehwegen wird allzugern darauf rumgeritten, dass der Mensch per se dem technischen Fortschritt gegenüber immer mit großer Ablehnung gegenüberstehen würde.

Wer den E-Scooter als trendy Tretmine entlarvt, wird flugs von seinen Bewunderern in einen Topf mit jenen geworfen, die damals Fernseher, Eisenbahn, Computer und Internet als banale Zeitgeisterscheinungen verdammten. Vergleiche, die kaum als Gegenargumente anerkannt werden dürfen, oder haben Sie schon mal von TV-Abenden gehört, bei denen durch betrunkene Programmkonsumenten schwere Unfälle verursacht wurden? Wohl kaum. Sonderlich umweltfreundlich sind die E-Scooter nun auch nicht. Deren Akkus sind nach gut einem halben Jahr kaputt. Dann kann das ganze Vehikel in den Müll, in den Sondermüll. Die neue Technologie bereitet der Umwelt dann wieder altbekannte Probleme.

Eintagsfliege auf zwei Rädern

Der E-Scooter-Trend - und das kann guten Gewissens gesagt werden - der geht schnell wieder vorbei. Ist doch das Gefährt bloß eine recht simple Weiterentwicklung einer Fremdschäm-Innovation der späten 90er-Jahre - dem Klapp-Tretroller aus Leichtmetall. Der analog mit Muskelkraft bewegbare Vorläufer des E-Scooters wurde damals ebenso abgefeiert und als großartiges Lifestyle-Produkt beworben. Selbst die netten Herrn, die früher Versicherungen verkaufen wollten, drohten dem potenziellen Unterzeichner von Policen mit Gratis-Rollern als Prämie für den Vertragsabschluss. Heute muss man lange Ausschau halten, wenn man nach diesem kläglichen One-Hit-Wonder der Verkehrsrevolution im Stadtbild sucht.

Elektrisch, lärmfrei und auch auf zwei Rollen unterwegs waren vor einigen Jahren schon die sogenannten Segway Personal Transporter. Diese Quasi-Brüder der E-Scooter waren zur Zeit ihrer Marktreife ebenfalls als der neue Stern am E-Mobilitätshimmel gefeiert worden. Mehrere Kommunen in Südwestfalen, die voll im Trend sein wollten und beim Verbrennen von Steuergeldern eine Nase vorn haben mussten, statteten sogar die Außendienst-Mitarbeiter ihrer Ordnungsämter damit aus.

Zweifelhafter Spaß

Die hatten höchstens zwei Sommer lang zweifelhaften Spaß mit den Gefährten, dann landeten die E-Gurken in den Kellern der Rathäuser. Segways gibt's noch, aber sie spielen kaum mehr eine Rolle in Sachen Mobilität mit Zukunftsgarantie.

Sollte der E-Scooter als leidiges Mischwesen aus Segway und Peinlich-Roller sich dennoch dauerhaft im Mainstream etablieren, dann stehen uns allen noch richtige Probleme ins Haus. Stellen Sie sich mal vor, Sie wollen mit dem Kinderwagen in die Bahn einsteigen und neben den ganzen Fahrrädern stehen dann da noch an jedem Einstieg zehn E-Scooter. Oder Sie nehmen einen Fahrstuhl, um zur Stadtbahnhaltestelle zu gelangen - und der Aufzug ist voller E-Roller. Will man so ein Szenario wirklich heraufbeschwören müssen? Nein! Welch Glück, dass die „neue Mobilität“ zudem recht teuer in der Anschaffung ist. Dann kommen immerhin weniger Menschen auf die absurde Idee, sich sowas zulegen zu müssen. Wenn schon E-Mobil, dann greifen Sie zum Pedelec.

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