Sollen Straßen in Hombruch neue Namen bekommen? Meinungen zur Siedlung an der Zillestraße

dzHistorische Straßennamen

Nahe der Zillestraße tragen viele Straßen noch heute Namen aus der NS-Zeit. Die Siedlung, die 1939 „Rudolf-Heß-Siedlung“ getauft wurde, kennen viele Hombrucher unter einem anderen Namen.

Hombruch

, 27.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Wohnsiedlung entlang der Zillestraße 1939 unter dem Namen „Rudolf-Heß-Siedlung“ als Mustersiedlung im Nationalsozialismus gebaut wurde, wissen längst nicht alle Bewohner der heute modern sanierten Mehrfamilienhäuser mit den gelben und orangefarbenen Fassaden.

Dabei erinnern Straßennamen wie „Dirschauer Weg“, „Trautenauer Straße“ und „Bromberger Straße“ noch heute an den ursprünglich politischen Charakter des Wohngebiets. Denn die Namen der damals zwischen den Wohnhäusern neu entstandenen Straßen sind noch dieselben wie 1939 und an Städtenamen aus dem Sudetenland angelehnt. Dieses mehrheitlich von Deutschen bewohnte Gebiet musste die damalige Tschechoslowakei nach dem Münchener Abkommen im Herbst 1938 an das Deutsche Reich abtreten.

Inoffizieller Name ab 1941

Unter ihrem ursprünglichen Namen kennen die Siedlung heute nicht mehr viele Hombrucher. Einige Leser der Ruhr Nachrichten erinnern sich aber, dass sie noch während der NS-Zeit schnell einen anderen, inoffiziellen Namen bekam. „Ich habe schon früh gelernt, dass dort in Hombruch die ,Reiß-aus-Siedlung‘ ist“, schreibt ein Facebook-Nutzer.

Denn im Mai 1941 unternahm Hitlers Stellvertreter Heß einen geheimen Flug nach Schottland. Mutmaßlich, um Friedensverhandlungen mit der Britischen Regierung zu beginnen. Dieses Vorhaben endete für ihn in britischer Kriegsgefangenschaft. Die Bezeichnung „Reiß-aus-Siedlung“ blieb danach an der nationalsozialistischen Mustersiedlung haften.

Umbenennung der Straßen bedeutet Stress für Bewohner

Zu der Frage, ob eine Neubenennung der Straßen angebracht wäre, gibt es verschiedene Meinungen. In naher Zukunft wird es dazu aber ohnehin nicht kommen. Denn in Dortmund gibt es viele Straßennamen mit ähnlichem Hintergrund. Finge die Stadt einmal mit einer Umbenennung an, so müsste sie nicht nur die Straßen in Hombruch, sondern auch viele andere umbenennen. Und das würde auch für die Anwohner einen großen Organisationsaufwand bedeuten.

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So sieht es auch ein Facebook-Nutzer, der schreibt: „Ich finde schon, dass man über die Namensgebung nachdenken sollte. Richtig ist allerdings auch, dass Umbenennungen für die Bewohner ,Stress‘ bedeuten! Blinder Aktionismus ist auch keine Lösung.“

Der Hombrucher Roger Oebel, der das Thema 1986 in einer Studienarbeit behandelt und das Buch „Hombruch unterm Hakenkreuz“ verfasst hat, spricht sich trotzdem für neue Straßennamen aus. Zum Beispiel, um an die Opfer der Nazis zu erinnern.

Städte heißen heute anders

Die meisten Leser, deren Meinungen zum Thema diese Redaktion erreicht haben, halten eine Umbenennung nicht für notwendig. Eine Facebook-Nutzerin schlägt, scheinbar scherzhaft, vor, den Straßen doch nun Frauennamen zu geben. So könne die Stadt Dortmund zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

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Einige Kommentare wie „langsam nervt dieser Naziwahn“ und „Hilfe!!! Mein Opa wurde auch 1939 getauft und meine Oma sogar 1940“ gibt es auf Facebook ebenfalls.

Auch Leser Klaus Hindorf spricht sich gegen eine Neubenennung aus, aber aus einem anderen Grund: „Das Sudetenland wurde seit dem 12. und 13. Jahrhundert von Deutschen besiedelt. Zuletzt lebten dort 3 Millionen“, schreibt er. Nach Kriegsende sei die Bevölkerung unter Menschenrechtsverletzungen vertrieben worden. „Sudetendeutsche und ihre Nachkommen leben unter uns. Und Städte, aus denen sie stammen, sollen nicht verwendet werden dürfen?“, fragt Hindorf. Seit 1945 tragen die Städte tschechische Namen. Aus Reichenberg wurde Liberec, aus Tetschen-Bodenbach Děčín und aus Trautenau Trutnov.

Rechtschreibfehler in den Kommentaren wurden von der Redaktion geändert.

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