So wollen Politiker das Freibad-Chaos in Deusen bekämpfen

dzFreibad Hardenberg

Hitze, Menschenmassen, Staus - der Erfolg des Hardenbergbades in Deusen ist eine Belastung für die Anwohner. Am Mittwoch (26. 6.) machten sich die Ortspolitiker ein Bild von der Situation.

Huckarde

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

In den vergangenen Tagen kam in Deusen so einiges zusammen. Die Hitze lockte Erfrischungssuchende an und gleichzeitig waren die Freibäder Froschloch in Hombruch (defekte Umwälzpumpe) und Stockheide (Eichenprozessionsspinner-Befall) geschlossen. Dadurch stieg die Anzahl der Badbesucher in Deusen und es kam bei An- und Abfahrt zu chaotischen Verhältnissen auf den Straße und an den Bushaltestellen.

Für die Deusener ist das nur eine Zuspitzung eines jahrelang bekannten Problems. Reiner Schramowski, Chef der Siedlergemeinschaft, hatte deshalb für Mittwoch zum Ortstermin geladen. Susanne Meyer (SPD), Claudia Brückel (CDU), Stefan Peter Keller (SPD) und Thomas Bernstein (CDU) folgten der Einladung. Sie bekamen Beeindruckendes zu sehen.

Ab 18.30 Uhr werden die Besucher des Deusener Freibades mit Klingelzeichen darauf hingewiesen, dass das Bad um 19 Uhr schließt. Im stoßweisen Rhythmus dieser Klingelzeichen erreichen die Badegäste die Haltestellen und die Autos die Deusener Straße. So gibt es zwischen 18.30 Uhr und 19.30 Uhr mehrere Stoßzeiten.

Sonderbusse entspannen die Situation

Am Mittwoch hatte DSW21 auf das Chaos reagiert. Zur Entlastung der halbstündlich fahrenden Buslinien setzte das Unternehmen diesmal Sonderbusse ein, die die Situation deutlich entspannten. Zwei Mitarbeiter einer Security-Firma sorgten für Ordnung - einerseits durch ihr Auftreten, andererseits durch mehrsprachige Hilfeleistungen, wenn ortsfremde Badbesucher fragten, welcher Bus Richtung Hauptbahnhof fuhr.

Unterdessen konnten sich die Politiker davon überzeugen, dass selbst, wenn Sonderbusse die Situation für die Fahrgäste verbessern, die Deusener Anlieger durch Lärm, Stau, Müll sowie zugeparkte Geh- und Radwege, sehr belastet werden. Mit Teilnehmern der Ortsbegehung diskutierten sie die bereits bekannten, seit Jahren diskutierten Lösungsvorschläge. Peter Keller hatte kurz vorher mit einem ehemaligen BV-Mitglied telefoniert. „Der sagte, dass es vor 35 Jahren eine erste Anfrage der Bezirksvertretung zu dem Thema gegeben habe.“

Eine Schranke könnte helfen

Seitdem wurden viele Ideen entwickelt. Die Einbahnstraßenlösung: Der Badweg wird eine Einbahnstraße, vielleicht sogar mit Schranke, der vom Freibad abfließende Verkehr wird über Garbenweg und Stiegenweg geleitet. Der hintere Abfluss: Es wird eine „Hintertür“ am Parkplatz gebaut und die Autofahrer werden an der Halle des TuS Deusen vorbei wieder auf die Deusener Straße geleitet. Beide Ideen sorgen dafür, dass sich auf dem engen Badweg keine Autos mehr begegnen.

So wollen Politiker das Freibad-Chaos in Deusen bekämpfen

Das Problem der drängelnden Menschen wurde durch Sonderbusse gelöst. Was am Mittwoch blieb, war das Verkehrschaos. Wenn die Badbesucher nach Hause fahren ist der Badweg zu. Anwohner, die in den Badweg einbiegen wollen, blockieren die Deusener Straße. © Foto Holger Bergmann

Eine Alternative ist die Öffnung eines neuen Parkplatzes. „Seit Jahren kauft die Stadt in Deusen Flächen“, berichtet Susanne Meyer. Die Flächen befinden sich jenseits des Bahndammes. Der Nachteil: Diese Parkplätze sind fußläufig ziemlich weit vom Bad entfernt und um den Parkplatz-Such-Verkehr dorthin zu lenken, sind Lotsen erforderlich.

Verwaltung in der Kritik

Dass es eine dieser Ideen niemals bis in eine Planungsphase geschafft hat, ärgert die Volksvertreter. Ihre Kritik geht in Richtung Stadtverwaltung. „Es hat sich trotz unserer Anfragen niemals jemand ernsthaft mit dem Thema befasst“, sagt Thomas Bernstein. „Vermutlich herrscht dort die Annahme, dass das Problem nur an einzelnen Tagen im Jahr auftaucht.“ Das habe sich aber geändert. Der Sommer 2018 habe gezeigt, dass die Hitzetage pro Jahr zunehmen. Dadurch wird auch das Problem verschärft. Die Bezirksvertreter wollen das Theman mit mehr Nachdruck auf die Tagesordnung ziehen.

Hoffnung auf Besserung verspricht dagegen DSW21 auf Anfrage dieser Redaktion. Das Unternehmen will in Zukunft Stoßzeiten im Vorfeld besser ermitteln und dann mit Sonderbussen abhelfen, berichtete Unternehmens-Sprecher Marc Wiegand.

Kommentar

Ein lange ignoriertes Problem eskaliert

Druck, Enge, Angst, Wut, Schlägerei, Polizeieinsatz - In Deusen ist am Dienstag (25. 6.) ein Problem eskaliert, das viele Väter hat. Von vielen behördlichen Entscheidungsträgern muss man erwarten, dass sie die Situation kannten. Und weil das Problem altbekannt ist, hatten diese Entscheidungsträger genug Zeit, auch eine Entscheidung zu treffen. Es ist nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass hinter dieser Unterlassung Gedanken stehen wie „Es ist ja nur Deusen“ oder „Es passiert ja nur an ein paar Tagen im Jahr“. Die Tumulte in Deusen stehen am Ende einer Kette von Fehlleistungen. Da ist das Ordnungsamt, das es wiederholt nicht schaffte, die Falschparker aus der engen Zufahrtsstraße zum Bad und den Nebenstraßen fernzuhalten, was täglich zum Verkehrs-Kollaps in Deusen führt. Da ist das Stadtplanungsamt, das es nicht schafft, den Badweg in eine Einbahnstraße umzuwidmen, damit sich die an- und abreisenden Badbesucher nicht gegenseitig behindern. Und da sind die Stadtwerke DSW21. Die rund 1700 Deusener sind mit zwei Buslinien, die jeweils im Halbstundentakt fahren, gut bedient. An heißen Sommertagen vervielfacht sich aber die Zahl der Menschen in Deusen. Und die Mehrheit der Besucher macht sich abends gleichzeitig auf den Heimweg. Gutes Wetter gleich großer Andrang im Freibad. Diese Rechnung ist so einfach, dass die mangelhafte Flexibilität der DSW21 besonders peinlich und ärgerlich ist. Spätestens jetzt gibt es keine Entschuldigungen mehr. Deusen braucht ein Konzept, um den Badverkehr zu regeln, denn auch dieser Sommer wird lang.
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