Von 23 bis 6 Uhr bleiben Kneipen und Bars geschlossen - auch eine Klage gegen die Sperrstunde konnte daran nichts ändern. © picture alliance/dpa
Gericht bestätigt Sperrstunde

„So wie es jetzt läuft, geht es nicht weiter.“

In Risikogebieten müssen Bars laut Corona-Schutzverordnung ab 23 Uhr schließen. Eine Klage mehrerer Gastronomen dagegen wurde abgelehnt. Dortmunder Wirte haben dazu eine klare Meinung.

Mehrere Gastronomen in Nordrhein-Westfalen haben gegen die Sperrstunde in Restaurants und Bars geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat die Regelung nun für rechtens erklärt und die Klage der Gastwirte abgelehnt.

Die seit dem 17. Oktober in Kraft getretene Corona-Schutzverordnung sieht vor, dass alle gastronomischen Betriebe zwischen 23 und 6 Uhr ihre Türen schließen müssen. Dadurch soll das Infektionsgeschehen in Risikogebieten vermindert werden.

Viele Gastronomen in Dortmund, die nicht zu einer großen Kette gehören, sehen durch die Sperrstunde ihre Existenz gefährdet. Häufig wird es im Lokal erst voll, wenn sie jetzt schließen müssen. Mehr als die Hälfte der Einnahmen geht so verloren.

Große Hoffnung auf Klage gegen Sperrstunde

„Scheiße“, sagt Franka Cosfeld, Inhaberin der Late-Night-Bar Glücksshot im Brückstraßenviertel in einer ersten Reaktion auf das Urteil. Die Inhaberin hatte Hoffnung, dass sich die Klage der Gastronomen gegen die Sperrstunde durchsetzen könne. Am Montag (26.10.) wurde diese jedoch vom Oberverwaltungsgericht in Münster im Eilverfahren zurückgewiesen. Die Sperrstunde bleibt somit rechtskräftig.

„Das ist schlecht“, sagt Franka Cosfeld. „So wie es jetzt läuft, geht es nicht weiter.“ Allein am Wochenende fehlen dem Glücksshot sechs Stunden, in denen sie normalerweise geöffnet hätten.

„Das ist von den Einnahmen nicht machbar“, sagt die Inhaberin. Ebenfalls habe sie das Gefühl, dass die Dortmunder verängstigt seien durch die neuen Corona-Schutzmaßnahmen und gar nicht mehr raus kämen.

Zwei Alternativen sieht Franka Cosfeld nun noch: „Wir Gastronomen brauchen entweder Unterstützung oder schließen wieder komplett, damit wir die Unterstützung bekommen.“

Ablehnung der Klage sei nicht nachvollziehbar

Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Sperrstunde ist für Gastronom Marc-André Walter absolut nicht nachvollziehbar. Der Betreiber des El Mundo im Dortmunder Kreuzviertel meint, dass man damit schon vorab jenen den Wind aus den Segeln genommen hätte, die auf eine mögliche Lösung wie in Berlin gehofft hatten.

Nachdem dort ein Zusammenschluss von lokalen Wirten geklagt hatte, durften zumindest die Lokale der Kläger auch jenseits der verhängten Sperrstunde geöffnet werden.

„In der Praxis sieht man ja, was passiert, wenn man um 23 Uhr zumachen muss: Die Gäste decken sich dann noch mit Getränken für zu Haus ein und feiern im privaten Rahmen weiter“, sagt Walter. Infektionsketten wären dann erst recht nicht mehr nachvollziehbar.

„Eine Sperrstunde wäre okay, wenn man sie zum Beispiel auf 1 Uhr schieben könnte, damit all das drumherum, wie das Abkassieren geregelt laufen könnte. Leute um 23 Uhr rauszuwerfen, die gerade mal um 22 Uhr gekommen sind, bringt nichts“, sagt der Wirt.

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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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