Intersport Voswinkel: Warum die Probleme keine Überraschung sind

dzEinzelhandel

Die finanziellen Probleme der Sporthandelskette Intersport Voswinkel mit Sitz in Dortmund beschäftigen viele Kunden. Ein Handelsexperte sieht Schwierigkeiten für die Branche.

Dortmund

, 25.04.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Tag nach Bekanntwerden der finanziellen Probleme bei der Sporthandelskette Voswinkel lassen sich die Mitarbeiter in der Filiale in der Thier-Galerie am Donnerstag nichts anmerken. Sie mögen aber auch nicht darüber reden, dass die Kette mit ihren 74 Filialen bundesweit die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens beantragt hat – das Unternehmen soll saniert werden.

Ein Mitarbeiter verweist an die Geschäftsführung, lässt sich nichts entlocken. Er lacht, man müsse „alles sportlich sehen“. Ganz düster scheint die Stimmung nicht zu sein. Der Geschäftsbetrieb läuft ja auch normal weiter, die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind laut Unternehmen bis Ende Juni gesichert.

„Da war ich glaube ich zuletzt in den 90ern“

Ein Mann, der mit Frau und Sohn aus dem Geschäft kommt, hat eine klare Meinung zu Voswinkel: „Die haben eine große Auswahl und gute Preise.“ Was die Preise angeht, sehen es einige Nutzer auf der Facebook-Seite unserer Redaktion anders: Sie geben an, eher bei Discountern wie Decathlon zu kaufen. „Decathlon ist moderner und hat gute Produkte. Voswinkel, da war ich glaube ich zuletzt in den 90ern“, schreibt Nutzer Björn. Der Kunde vor dem Geschäft widerspricht: Decathlon habe nicht die Markenvielfalt wie Voswinkel. „Sehr schade“ fände es daher auch ein weiterer Kunde in der Thier-Galerie, wenn es Voswinkel nicht mehr gäbe. Online äußern sich weitere Kunden so. Zahlreiche andere Nutzer kommentieren indes, Voswinkel dürfe nicht der Konkurrenz die Schuld an der Misere geben.

Dass nun ein großer Sportartikelhändler Probleme hat, überrascht den Dortmunder Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland, nicht: „Das ist ein hart umkämpfter Markt, vieles kann man inzwischen online kaufen.“ Dort verkaufen nicht zuletzt Hersteller wie Adidas, Nike & Co. längst selbst an ihre Kunden.

Und auch im stationären Handel ist die Konkurrenz groß. Allein in der Dortmunder Innenstadt gibt es mit Karstadt Sports, Decathlon und Voswinkel drei große Sportgeschäfte; Sportschuhe gibt es zudem auch in Schuhläden, Sportbekleidung in Bekleidungsgeschäften. Zudem weist Schäfer darauf hin, dass ja auch Discounter wie Aldi und Lidl regelmäßig Sportkleidung und -zubehör im Angebot haben.

Alle Voswinkel-Filialen kommen auf den Prüfstand

In den nächsten Wochen und Monaten wird die Voswinkel-Geschäftsführung in Absprache mit den Gläubigern und einem Sanierungsexperten alle Filialen auf den Prüfstand stellen. Ein Sprecher einer PR-Agentur im Auftrag für Voswinkel konnte daher am Donnerstag noch keine Aussage zur Zukunft der Dortmunder Filialen treffen.

Außer in der Thier-Galerie (12 Mitarbeiter) ist Voswinkel auch an der Borussiastraße im Indupark (14 Mitarbeiter) vertreten. Die Verwaltung (61 Mitarbeiter) für alle 74 Filialen sitzt an der Brennaborstraße, ebenfalls im Indupark.

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