Hindernisse an Radwegen - das ist einer von vielen Kritikpunkten am Radverkehr in Dortmund. © Schaper (A)
ADFC

So schlecht schneidet Dortmund beim Fahrradklima-Test ab

Der Fahrradklima-Test des ADFC ist alle zwei Jahre ein Gradmesser für die Fahrradfreundlichkeit der Städte. Dortmund schneidet dabei in der Rangliste der Großstädte erneut sehr schlecht ab.

Es ist keine repräsentative Umfrage, aber der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) liefert alljährlich ein Stimmungsbild, wie diejenigen, die es am besten beurteilen können, die Fahrradfreundlichkeit der Stadt einschätzen – nämlich die Radfahrerinnen und Radfahrer. Und dabei tritt Dortmund trotz aller Ankündigungen für eine Verkehrswende weiterhin auf der Stelle.

Generell ist die Situation für Radfahrer in den meisten Städten in Deutschland nach wie vor unbefriedigend, lautet die Botschaft des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020. 3,9 ist die bundesweite Durchschnittsnote, die die 230.000 Teilnehmer der Befragung vergeben haben. Leichte Verbesserungen in Sachen Fahrradfreundlichkeit macht die Studie nur in Großstädten über 500.000 Einwohner aus. Dortmund trägt dazu allerdings nicht bei.

Vorletzter Platz bei Großstädten

In der Tabelle der Städte über 500.000 Einwohner belegt Dortmund mit einer Schulnote von 4,35 bundesweit den 13. und vorletzten Platz. Schlechter schneidet nur Köln mit einer Note von 4,37 ab. An der Spitze liegen Bremen (3,57), Hannover (3,67) und Frankfurt/Main (3,72).

Auffallend ist: Obwohl die Stadt Besserung versprochen und teilweise Radwege besser markiert hat, ist die Bewertung über die Jahre schlechter geworden – von 3,9 im Jahre 2012 auf jetzt 4,35 (gerundet auf 4,4). Die „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ wird im Vergleich zu anderen Städten sogar als besonders negativ bewertet – auch wenn es da mit der Note 4,5 im Vergleich zur Befragung von 2018 mit 4,7 einen leichten Aufwärtstrend gibt.

Besonders schlechte Noten gibt es für Themen, die die Stadt eigentlich gut beeinflussen könnte: Die Falschparker-Kontrolle auf Radwegen, die Breite der Radwege und die Führung der Radwege an Baustellen – dafür gibt es jeweils die Note 5,3.

Mangelndes Sicherheitsgefühl

Auf der Mängelliste obenan stehen außerdem generell das Fahren auf Radwegen und Radfahrstreifen (5,0), die Ampelschaltungen für Radfahrer (4,9), Hindernisse auf Radwegen (4,9) und das mangelnde Sicherheitsgefühl (4,9). Im Vergleich zu anderen Städten schneidet Dortmund auch bei den Themen Radfahren durch Alt und Jung (3,9) und der Erreichbarkeit des Stadtzentrums (3,6) trotz besserer Durchschnittsnoten schlechter ab.

Aber es gibt auch generell Stärken, die im Fahrradklima-Test hervorgehoben werden. Dazu gehört vor allem das Angebot an öffentlichen Leih-Fahrrädern (Note 2,6), die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung (3,0) und die Wegweisung für Radfahrer (3,6).

Die Folge: Dass Radfahren in Dortmund Spaß macht, sagen – wenn man die Schulnoten 1 bis 3 zur Grundlage macht – nur 31 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer (Durchschnittsnote 4,2). Umgekehrt stellt mehr als die Hälfte der Befragten fest, dass man in Dortmund als Radfahrer im Straßenverkehr nicht ernst genommen werde (Note 4,5).

Es ist aus Sicht der Radfahrer zu wenig passiert, merkt auch Werner Blanke als Vorsitzender des ADFC in Dortmund an. „Radwege an Kreuzungen rot zu markieren ist nicht ausreichend“, stellt er fest. Vor allem wenn die Radwege selbst oft zu schmal seien.

„Es geht zu langsam voran“

Bei den angekündigten Maßnahmen der Stadt zur Verbesserung des Radverkehrs gehe es viel zu langsam voran. Und auch ein Radschnellweg bringe wenig, wenn die weiteren Anschlüsse fehlten, kritisiert Blanke. Sein Rat, um Menschen wirklich zum Umsteigen zu bewegen: „Man muss ihnen die Angst vor dem Radfahren nehmen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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