Anwohner protestieren gegen neue Wohngruppe mit psychisch Kranken in einem Wohngebiet

dzLWL-Klinik Aplerbeck

Zurück in den Alltag: Das sollen die Patienten, die in das geplante LWL-Wohnheim am Stoppelmannsweg in Aplerbeck ziehen sollen. Aber funktioniert das? Anwohner machen dagegen schon mobil.

Aplerbeck

, 11.06.2019, 13:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Thema, bei dem immer wieder die Emotionen hochkochen. Ein Gebäude mit einer Wohngruppe, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen leben werden, um wieder in das richtige Leben zurückkehren zu können, wird in den „öffentlichen Raum“ platziert. Immer, wenn so eine Idee an die Öffentlichkeit kommt, treten auch die Zweifler auf. So auch bei der geplanten LWL-Einrichtung am Stoppelmannsweg.

Gegenüber dem Ewaldi-Sportplatz und in direkter Nachbarschaft mit den angrenzenden Supermärkten soll, so der Plan des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), diese Einrichtung errichtet werden. Offiziell heißt das geplante Projekt „Wohnheim mit 24 Wohnplätzen für die Zielgruppe von Menschen mit einer psychischen Behinderung“.

Die Anwohner der Straße sind von diesen Plänen gar nicht begeistert. „Wir haben wirklich Angst, da unsere Kinder dort jeden Tag alleine auf dem Weg zur Schule vorbei müssen“, heißt es in einer Facebook-Nachricht, die unsere Redaktion erreichte. „Wir haben die Bezirksvertretung schon angeschrieben und werden eine Unterschriftenaktion machen“, heißt es weiter.

Der aktuelle Bebauungsplan muss geändert werden

Jetzt ist es nicht so, dass auf dem Brachgelände, um das es hier geht, in den nächsten Tagen die Bagger anrücken werden. Es gab zunächst nur einen Vorbescheid. Also eine Art Erlaubnis, am Stoppelmannsweg unter einer Änderung des Bebauungsplanes so eine Einrichtung errichten zu können.

Die Änderung des Planes Ap 206 ist notwendig, da dieser auf dem besagten Gelände ein Mischgebiet ausweist, auf dem der Bau sozialer Einrichtungen nicht möglich ist.

Behörde sieht keine Bedenken

Schon vor einiger Zeit kam einmal die Idee auf, hier einen Kindergarten zu errichten. Dies scheiterte aber an der Tatsache, dass der Boden auf der Fläche belastet ist. Im Falle einer Einrichtung für psychisch Kranke scheint dies aber keine Rolle zu spielen:

„Seitens der unteren Bodenschutzbehörde bestehen keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Bebauung mit einem Wohnheim. Aufgrund der industriellen Vornutzung sind allerdings Bodenbelastungen bekannt, die zu Auflagen in einem zukünftigen Baugenehmigungsverfahren führen können.“

So steht es in einem Schreiben, das an die Mitglieder der Bezirksvertretung in Aplerbeck ging. Und die Mehrheit sieht in dem Bau der LWL-Einrichtung außerhalb des Klinikgeländes an der Marsbruchstraße auch überhaupt kein Problem. „Ich finde es richtig, dass diese Einrichtung dort entsteht“, sagt Benjamin Beckmann von den Grünen. „Für diese Menschen ist es wichtig, entsprechenden Wohnraum zu schaffen.“

Auch die SPD unterstützt die Pläne des LWL, am Stoppelmannsweg eine Einrichtung für 24 Wohnplätze zu errichten. „Wir tragen die Sache mit“, sagt Jan Gravert, Fraktionssprecher der SPD in der Bezirksvertretung Aplerbeck. Wohlwissend, dass im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens noch eine Bodenuntersuchung erfolgt, die zeigen wird, ob auf dem Grundstück gebaut werden kann oder eben nicht.

Die CDU ist gegen den Plan des LWL

„Wir als SPD-Fraktion sehen im Moment keine Alternativnutzung für das Grundstück und halten das grundsätzlich für richtig, so eine Einrichtung an dieser Stelle zu integrieren. Das ist ja auch das Ziel des Konzeptes der LWL-Klinik“, sagt Gravert.

Kein Fürsprecher der Planung ist dagegen die CDU-Fraktion. Nicht, weil es sich hier um eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen handelt, sondern weil damit die Option, am Stoppelmannsweg einen Kindergarten zu errichten, ein für allemal vorbei ist. „Die Kita wurde damals abgelehnt mit der Begründung, dass dort der Boden belastet ist. Und jetzt kann plötzlich dort gebaut werden“, sagt Ingeborg Milde (CDU). „Wir sind dagegen, weil wir hier lieber eine Kita sehen würden.“ Außerdem gebe es außerhalb des LWL-Geländes an der Marsbruchstraße eh schon genug weitere LWL-Gebäude im Stadtbezirk und das will man bei den Christdemokraten nicht noch fördern.

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