Problemimmobilien: So findet die Stadt überbelegte Wohnungen

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Wenn auf 60 Quadratmetern acht Personen hausen, muss die Stadt einschreiten – sofern sie davon erfährt. Doch einfach ist es nicht, überbelegte Wohnungen zu entlarven.

Dortmund

, 05.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund gibt es noch immer 100 Problemimmobilien, vermüllte und verwahrlosten Häuser, in denen meist Armutsmigranten aus Bulgarien und Rumänien leben, ausgebeutet von unseriösen Vermietern. Sie hausen oft in überbelegten Wohnungen. Immer wieder treffen Stadtmitarbeiter auf solche Missstände.

Doch wie stellt die Stadt fest, ob zu viele Menschen in einer Wohnung leben? Wie kommt sie solch unseriösen Vermietern auf die Spur? Um eine Überbelegung von Wohnungen zu verhindern, darf nach dem Wohnungsaufsichtsgesetz NRW Wohnraum nur überlassen oder benutzt werden, wenn für jede Bewohnerin oder jeden Bewohner eine Wohnfläche von mindestens 9 Quadratmetern zu Verfügung steht – für Kinder weniger. Wenn zum Beispiel in einer 60-Quadratmeter-Wohnung die achte Person angemeldet wird, muss die Behörde einschreiten.

Über das Melderegister geht es nicht

Über das Melderegister sei die Feststellung einer Überbelegung in Mehrfamilienhäusern nicht möglich, erklärt Stadtsprecher Christian Schön auf Nachfrage dieser Redaktion. Potenziell überbelegte Häuser könnten nur auffallen, wenn man die gesamte Wohnfläche anhand der Quadratmeter eines Hauses (Katasterangaben) mit der Zahl der dort gemeldeten Bewohner abgleiche. Schön: „Diese Auswertung wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt.“

Auffälligkeiten würden dann vom Vollzugs- und Ermittlungsdienst der Stadt vor Ort überprüft. In den meisten Fällen, so der Stadtsprecher, handele es sich um bereits bekannte Immobilien. In einer breit aufgestellten Gemeinwesenarbeit unterschiedlicher Akteure würden diese Häuser umfassend behandelt.

Familien dürfen nicht getrennt werden

Trifft die Stadt auf überbelegte Wohnungen, müsse sie grundsätzlich berücksichtigen, dass der Zusammenhalt von Familien verfassungsrechtlich geschützt ist, sagt Schön: „Das bedeutet, dass für den Fall der Aufdeckung einer eventuellen Überbelegung, eine Familie nicht getrennt werden dürfte.“

Im Gegensatz zu Mehrfamilienhäusern fällt bei einem Einfamilienhaus eine Überbelegung auf, wenn eine unrealistisch hohe Zahl von Personen gemeldet ist. So geschehen in einem Fall von polnischen Montagearbeitern, deren Firma mit Sitz in Polen aus steuerlichen Gründen eine feste Adresse nachweisen wollte. „Nach Rücksprache mit dem Wohnungsgeber und der Firma wurde eine Lösung mit dem Finanzamt gefunden und die Personen wurden von Amts wegen abgemeldet“, berichtet Stadtsprecher Schön.

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