Eine Behandlung auf der Intensivstation mit Beatmung ist die letztmögliche Maßnahmen, um Menschen mit sehr schweren Covid-19-Verläufen zu retten. © dpa (Symbolbild)
Schwerpunkt-Krankenhäuser

So ist die Lage auf Dortmunds Covid-Intensivstationen

Die drei Dortmunder Covid-Schwerpunkt-Krankenhäuser stehen unter dem Druck der steigenden Fallzahlen. Noch könnten weitere Kapazitäten aktiviert werden - allerdings nicht ohne Folgen.

Drei Krankenhäuser in Dortmund bewältigen den Großteil der Versorgung von schwersten Covid-19-Verläufen: das Klinikum Nord, das St.-Johannes-Hospital und das Knappschaftskrankenhaus. In allen drei Häusern gibt es dezidierte Covid-Intensivstationen. Und die werden aktuell auch dringend gebraucht.

Klinikum kann kurzfristig zweite Covid-Intensivstation öffnen

Auf der Covid-Intensivstation im Klinikum Nord gibt es 18 Betten. Davon seien meist 16 oder mehr belegt, sagt Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikums Dortmund am Mittwoch (21.4.) im Interview. Die Lage sei „angespannt, aber nicht zum Verzweifeln“.

Das Klinikum sei darauf vorbereitet, eine zweite Covid-Intensivstation zu öffnen, sollte das nötig werden. „Wir können in der Regel innerhalb von 24 Stunden reagieren“, so Rudolf Mintrop.

Zusätzlich zur Intensivstation werden im Klinikum Nord auch auf zwei Covid-Normalstationen und der regulären Infektionsstation Menschen mit Coronavirus-Ansteckung behandelt. Auch im Klinikum Mitte gibt es mittlerweile eine Covid-Normalstation.

Zweite Station würde Einschränkungen bedeuten

„Wenn wir die zweite Covid-Intensivstation aufmachen müssen, wird das spürbar“, sagt Rudolf Mintrop. Denn dann müsste eine der normalen Intensivstationen im Klinikum Nord, die für den operativen Betrieb vorgesehen ist, umgewandelt werden. Auch intensiv-erfahrenes Personal würde dann dort gebraucht.

Eingriffe, die planbar und nicht dringlich sind, könnten verschoben werden. „Es wird aber keine Vollbremsung wie im Frühjahr geben“, betont Rudolf Mintrop.

Nicht zur Disposition stehe die Notfallversorgung. Das Klinikum ist ein überregionales Zentrum für Herz- und Schlaganfall-Patienten, im Klinikum Nord gibt es eine spezialisierte Unfallchirurgie und ein Zentrum für Schwerbrandverletzte.

Es sei ein Erfolg, das viele Menschen über 80 und auch Mitarbeitende des Klinikums mittlerweile geimpft seien. Eine andere Entwicklung stelle aber eine neue psychische Belastung für Ärzte und Ärztinnen und Pflegekräfte dar: Der Altersschnitt auf den Covid-Intensivstationen ist durch die Mutante B.1.1.7 gesunken. „Menschen werden mitten aus dem Leben gerissen“, sagt Rudolf Mintrop.

St.-Johannes-Hospital hat schon aufgestockt

Auch Prof. Helge Möllmann berichtet von diesen Eindrücken. Er ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am St.-Johannes Hospital. Dort wurde am Dienstag (20.4.) eine zweite Covid-Intensivstation eröffnet. Sechs Betten gebe es auf dieser Station, zusätzlich zu den zehn Betten auf der ersten Covid-Intensivstation des Krankenhauses.

„Man kann aus der Erfahrung des letzten Jahres extrapolieren“, sagt Helge Möllmann. „Dann besteht tatsächlich Grund zur Sorge, dass im Intensivbereich die Zahl der Betten knapp werden könnte.“

Auch im St.-Johannes-Hospital steht die Aufnahme von Notfallpatienten nicht zur Debatte. Bei planbaren Eingriffen, die absehbar einen Intensiv-Aufenthalt nach sich ziehen würden, sei aber Zurückhaltung geboten.

Knappschaftskrankenhaus ähnlich aufgestellt wie im Dezember

Das Knappschaftskrankenhaus antwortet schriftlich auf unsere Fragen. Man sei aktuell „ähnlich aufgestellt wie zum Zeitpunkt des bisherigen Höhepunktes der Pandemie im Dezember“. Die aktuellen Fallzahlen seien allerdings geringer als in den Tagen vor Weihnachten und „zuletzt weitgehend stabil“.

Zwei Normal-Stationen seien für Covid-Patienten reserviert. Zudem werde eine von zwei Intensivstationen ausschließlich für Covid-Patienten genutzt.

Sollte sich die Lage zuspitzen, gebe es seit langem Pläne, deren Umsetzung dann mit dem Gesundheitsamt und anderen Behörden abgestimmt werde. Dann könnten Einschränkungen bei der Versorgung von anderen Patienten nötig werden. Aktuell könne das Knappschaftskrankenhaus allerdings „die Grundversorgung in der gesamten Leistungsbreite“ anbieten.

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Bastian Pietsch

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