So hoch ist Dortmunds Corona-Dunkelziffer – und so schätzt man sie zuverlässig

dzEinschätzung des Experten

Wahrscheinlich sind wesentlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bekannt. Wie hoch ist die Dunkelziffer in Dortmund? Gesundheitsamts-Leiter Renken hat eine ziemlich genaue Vorstellung.

Dortmund

, 24.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Begriff, der in Zeiten der Corona-Pandemie häufiger zu lesen und zu hören ist, ist die „Dunkelziffer“.

Denn auch wenn es von der Stadt Dortmund tägliche Updates zu den positiv bestätigten Testergebnissen auf das Coronavirus gibt, ist nur schwer zu sagen, wie viele Menschen hier tatsächlich infiziert sind.

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„Wir gehen von einer zehnfachen Dunkelziffer aus“, sagt Dr. Frank Renken, Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion – also dass etwa zehnmal mehr Menschen in Dortmund mit dem Coronavirus infiziert sind als bekannt.

Das wären bei aktuell geschätzten 93 aktiven Fällen (Stand: Mittwoch, 22.7.) also etwa 930 tatsächlich aktiv erkrankte Dortmunder.

Alle Zahlen-Verläufe ergeben gemeinsam ein Bild

Die Dunkelziffer für eine Krankheit kann höher oder niedriger ausfallen. Der Wert werde von vielen Faktoren beeinflusst, erklärt Renken. Ein großer Anhaltspunkt ist die durchschnittliche Schwere des Verlaufes.

„Bei Krankheiten mit leichten Verläufen gibt es eine hohe Dunkelziffer“, sagt Frank Renken. Denn dann gibt es weniger Leute, die zum Arzt gehen oder die getestet werden.

Bei einer schweren Krankheit, wie beispielsweise Ebola, gebe es dagegen eine „extrem kleine Dunkelziffer“, sagt der Gesundheitsamts-Chef. Denn hier landen die meisten Betroffenen beim Arzt.

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„Covid liegt in der Mitte“, meint er. Bei der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gibt es viele milde Verläufe, die dann unter Umständen auch nicht getestet werden. Internationale Studien gehen von rund 80 Prozent aus, sagt Renken.

Bei maximal 20 Prozent der Infizierten verlaufe die Krankheit aber demnach so schwer, „dass sie in der Regel ins Krankenhaus gehen“.

Also viele milde Verläufe, aber auch ein nicht unerheblicher Anteil an schweren. Daraus ergibt sich – mit vielen mathematischen Feinheiten – dann eine geschätzte Dunkelziffer. In diesem Fall eine zehnfache.

„Wir gucken uns nicht nur eine Datenlage an“

„Im Moment passt das in Dortmund“, meint Frank Renken. Denn auf eine gewisse Weise geben die Zahlen aus den Krankenhäusern einen Hinweis auf die Dunkelziffer.

„Wir gucken uns nicht nur eine Datenlage an“, sagt der Gesundheitsamts-Chef. Also nicht nur die Entwicklung der täglich Neu-Infizierten, der geschätzten aktiven Fälle oder der Corona-Patienten in den Krankenhäusern – sondern alles zusammen. „Wenn alle Zahlen zusammenpassen, kann man ungefähr wissen, was los ist.“

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„Dann müsste ich stutzig werden“

Ein Beispiel: Bei den geschätzten 93 Erkrankten am Mittwoch wurden 14 Corona-Patienten stationär in Dortmunder Krankenhäusern behandelt. Also etwas weniger als 20 Prozent – das passt.

Zu den Hochzeiten im April waren es in ganzen Zahlen deutlich mehr: Der bisherige Spitzenwert am 15. April betrug 43 Krankenhaus-Patienten. Gleichzeitig errechnete die Stadt, dass es an diesem Tag 242 bekannte aktive Fälle gegeben hatte. Also auch hier circa 20 Prozent – passt auch.

Wenn allerdings bei der aktuellen Zahl der aktiven Fälle - in ganzen Zahlen betrachtet - nun aber genauso viele Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssten wie im April - also 43 von 93 bekannten Fällen -, „dann müsste ich stutzig werden“, sagt Renken.

Die Zahlen der aktiven Fälle und der Krankenhaus-Patienten passen also ins oben erklärte 80/20-Schema - und entsprechen damit der in mehreren internationalen Studien bestätigten Norm. Von daher gebe es keinen begründeten Anlass zur Vermutung, dass die Dunkelziffer in Dortmund ungewöhnlich hoch sein könnte. Auch sie sollte sich - nach allen Erkenntnissen, die zur Verfügung stehen - also im Norm-Bereich bewegen. Und somit etwa zehnmal so hoch sein wie die bekannten Fälle.

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