So erlebten die Dortmunder den Kriegsbeginn vor 80 Jahren

dzAnti-Kriegstag

Als geheime Kommandosache war der Beginn des Zweiten Weltkriegs auch in Dortmund akribisch vorbereitet worden. Die Dortmunder bekamen die Folgen deutlich zu spüren.

Dortmund

, 01.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überraschend? Nein. Überraschend war der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen am 1. September 1939, also vor genau 80 Jahren, für die Dortmunder eigentlich nicht. Was von den Nationalsozialisten als Reaktion auf polnische Aggression verkauft wurde, war in Wirklichkeit eine lange vorbereitete Aktion.

Sichtbare Vorzeichen gab es spätestens am 27. August, vier Tage vor Kriegsbeginn. An dem Sonntag begann auf Anweisung aus Arnsberg die Verteilung der ersten Lebensmittelkarten in Dortmund. Die waren Tage zuvor in geheimer Kommandosache kistenweise aus der Reichsdruckerei angeliefert und zunächst in den Tresoren der Sparkasse und später im Keller des Stadthauses eingelagert worden. In der Stadtverwaltung kümmerte sich ein Arbeitsstab unter dem Titel „Abteilung Verbrauchsregelung“ um die Organisation.

Codefall 1425

Am 27. August 1939 trat dann der angekündigte „Codefall 1425“ ein. „Aus den Regalen im Stadthaus-Keller wanderten die für jedes Dortmunder Haus vorbereiteten knöpfbaren Aktendeckel mit den abgezählten ‚Ausweiskarten‘ in bereitstehende PKW. 22 Haupt-, 840 Bezirks- und 38.000 Hausverteiler übernahmen die Zustellung für 500.000 Dortmunder. Um 23 Uhr war die Aktion beendet“, berichteten die Ruhr Nachrichten rückblickend in einem Zeitzeugenbericht im August 1969.

Am 2. September 1939 meldete die Tageszeitung Tremonia: „Erfolgreiche Kämpfe gegen die Polen an allen Fronten“. Zugleich bemühte man sich, Normalität zu vermitteln. „Das Leben und Arbeiten in unserer Stadt hat sich durch die gegenwärtige Lage in nichts geändert. Jeder Mann und jede Frau gehen ihren bisherigen Beschäftigungen nach. Auf den Straßen und Plätzen sieht man das gewohnte Bild“, heißt es in einem Bericht im Lokalteil.

Lautsprecher auf dem Hansaplatz

In Wirklichkeit gab es aber schon spürbare Folgen. Eher harmloser Natur war, dass in der Grünanlage am Südwall, dem heutigen Stadtgarten, und damit direkt hinter dem Gebäude der Kreisleitung der NSDAP, und auf dem Hansaplatz Lautsprecher aufgestellt wurden, um Radiosendungen des Reichssenders zu übertragen.

Deutlich folgenreicher waren für alle Dortmunder neben der Bezugsschein-Regelung per Polizeiverordnung erlassene Einschränkungen für den Besuch von Kirchen, Theatern und Kinos. Und das in Dortmund geschätzte Bier wurde durch einen „Kriegszuschlag“ um 14 Pfennig teurer.

Vor allem abends wird der Kriegsbeginn spürbar: „Auf Anordnung ist seit gestern mit Eintritt der Dunkelheit eine völlige Verdunklung der Häuser und Straßen vorzunehmen“, ist am 2. September 1939 in den Zeitungen zu lesen. In den Geschäften wird nun Verdunklungspapier zum Abkleben von Fenstern verkauft, alle Schaufenster bleiben unbeleuchtet oder werden ebenfalls zugehängt.

Vorbereitung auf Luftangriffe

Auf die Flugabwehr und das richtige Verhalten bei Luftangriffen war die Bevölkerung schon in den Jahren vor Kriegsbeginn systematisch vorbereitet worden. 1938 war ein Flakregiment in Dortmund angesiedelt worden, um die Verteidigung gegen Luftangriffe zu organisieren. Nach der Verabschiedung des Reichsluftschutzgesetzes im Juni 1935 begann der systematische Ausbau von Luftschutzräumen. An Straßen und Plätzen machten überdimensionale Bombenattrappen auf den nächsten Schutzraum aufmerksam.

Tatsächlich ertönte dann in der Nacht zum 4. September um 2 Uhr zum ersten Mal Fliegeralarm, auch wenn die britischen Flugzeuge Dortmund noch nicht erreichten. Ende September warfen die Briten zunächst Flugblätter über dem Ruhrgebiet ab. Erste Bombenangriffe begannen im Mai 1940, der flächendeckende Bombenkrieg dann drei Jahre später. Er sollte bis zum Kriegsende im April/Mai 1945 weite Teile der Stadt in eine Trümmerwüste verwandeln.

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