In der siebten Folge von Germany‘s Next Topmodel filmt Elisa aus Dortmund einen fiktiven Werbespot im 80er-Jahre-Stil - vielleicht, weil auch das Frauenbild der Show aus dieser Zeit zu stammen scheint. © Prosieben/Richard Hübner
Dortmunder Kandidatin

So erlebt Elisa aus Dortmund den Wahnsinn bei Germany’s Next Topmodel

Konstanter Druck, absurde Aufgaben, erzwungene Emotionen - das erlebt der kritische Zuschauer in der aktuellen Staffel von Germany's Next Topmodel. Wie erging es Kandidatin Elisa aus Dortmund in der Show?

Wird 2021 eine Dortmunderin im Finale von Germany’s Next Topmodel (GNTM) stehen? Möglich wäre es. Denn mit der 21-jährigen Elisa hat Dortmund in dieser Staffel eine echte Favoritin ins Rennen geschickt.

Die blonde Elisa kann alles: in 120 Metern Höhe posieren, Waschmittel verkaufen, nackt über den Laufsteg laufen, auf Rollschuhen Hunde Gassi führen – und dabei unerklärlicherweise sogar noch ihre Würde bewahren. Moderatorin Heidi Klum ist begeistert und schickte sie bisher jedes Mal mit einem dicken Lob in die nächste Runde.

„Ich denke, mit meiner geduldigen und gelassenen Art kann ich einigen Problemen aus dem Weg gehen. Ich bin ein sehr zielstrebiger und fokussierter Mensch, weshalb ich mich auch nicht schnell ablenken lasse“, sagt die Deusenerin über sich selbst. Nein, eigentlich schreibt sie es über sich selbst.

Wie schlimm waren die Aufzeichnungen wirklich?

Ein telefonisches Interview mit der Kandidatin lehnte die Agentur Foolproofed, die die Pressearbeit für GNTM übernimmt, nämlich ab. Viele Fragen hatten wir in der Redaktion an Elisa: Wie fühlt es sich an, wenn die Mitkandidatin vor laufender Kamera über dich lästert? War es nicht Horror, während der Aufzeichnung über Wochen in der „Model-WG“ eingesperrt gewesen zu sein? Und was soll das eigentlich, dass ihr Kandidatinnen ständig gegeneinander ausgespielt werdet?

Elisa kurz vorm Fotoshooting, bei dem Heidi Klum ihr „Eigentalent“ vor der Kamera lobt.
Elisa kurz vorm Fotoshooting, bei dem Heidi Klum ihr „Eigentalent“ vor der Kamera lobt. © Prosieben/Richard Hübner © Prosieben/Richard Hübner

Zurück kamen Antworten, die weichgespülter sind als jeder Werbespot für Bio-Babybrei. Ob es an Heidi Klums Knebelverträgen oder an Elisa selbst liegt, lässt sich nicht herausfinden – doch offenbar ist es schwieriger, aus einer GNTM-Kandidatin einen gehaltvollen Satz herauszukriegen, als in einer Vollkorn-Quinoa-Bowl ein Quäntchen Geschmack zu finden.

„Jede Frau ist wunderschön auf ihre eigene Art und Weise“, antwortet sie beispielsweise auf die Frage, ob es eigentlich schlimm ist, als Frau nicht schön zu sein. „Innere Schönheit, der Charakter, ist das Wichtigste, denn äußerliche Schönheit ist vergänglich.“ Falls es bei GNTM nichts wird, könnte Elisa hauptamtlich emotionale Spruchbilder für Whatsapp-Familiengruppen gestalten.

Echte Antworten lassen auf sich warten

Und das ist schon eine der interessanteren Antworten. Wann immer wir Elisa nach dem emotionalen Druck, den beengten Verhältnissen während der Aufzeichnungen oder dem vermittelten Frauenbild (das regelmäßig von seinen Erfindern aus dem frühen 19. Jahrhundert zurückgefordert wird) fragen, antwortet sie mit einem sinngemäßen „Nö, finde ich nicht.“

Die absurde Turm-Frisur trägt Elisa (20) aus Dortmund in der aktuellen Folge „Germany’s Next Topmodel“ mit stoischer Gelassenheit.
Die absurde Turm-Frisur trägt Elisa (20) aus Dortmund in der aktuellen Folge „Germany’s Next Topmodel“ mit stoischer Gelassenheit. © Prosieben/Richard Hübner © Prosieben/Richard Hübner

„GNTM gibt sich in den letzten Jahren zwar diverser und progressiver, trotzdem wird im Kern dasselbe Frauenbild vermittelt: Schön, bescheiden und unkompliziert soll das perfekte Topmodel sein. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?“, war eine dieser Fragen. „Dem Ganzen kann ich nicht zustimmen“, schreibt Elisa darauf. „Wir sind nicht bescheiden und unkompliziert, eher laut und großzügig.“ Ja, gut.

„In der Show macht es häufig den Eindruck, dass ihr bewusst unter großen Druck gesetzt und anschließend gegeneinander ausgespielt wurdet. Wie hast du das erlebt?“, war eine andere Frage.

Wieder kann Elisa nichts Genaues nicht sagen: „Bei GNTM geht es jede Woche um alles“, stellt sie erstmal klar. „Ich habe das alles ziemlich gelassen gesehen und bin es vor allem in den ersten Folgen sehr entspannt angegangen.“ Gegeneinander ausgespielt worden sei man nicht. Offen bleibt, warum Kandidatin Linda bis zu ihrem Ausscheiden am 1. April nur gezeigt wurde, wenn sie mal wieder etwas Gemeines über die anderen zu sagen hatte.

Durfte Elisa in der Show Grenzen setzen?

Interessant wird es nur an wenigen Stellen. Wenn Elisa beispielsweise erzählt, wie sie während der Show Grenzen setzen durfte: „Wenn mir beispielsweise im Interview eine Frage nicht gepasst hat, durfte ich auch passen“, erklärt sie (unsere Fragen hat sie übrigens alle beantwortet).

Keine avantgardistische Kunstperformance, sondern Elisas Auftritt auf dem Catwalk. In der siebten Folge trug sie ein aufblasbares Kostüm des Künstlers Jack Irving.
Keine avantgardistische Kunstperformance, sondern Elisas Auftritt auf dem Catwalk. In der siebten Folge trug sie ein aufblasbares Kostüm des Künstlers Jack Irving. © Prosieben/Richard Hübner © Prosieben/Richard Hübner

„Bei Shootings oder Walks ist das nicht der Fall, da wäre ich dann raus“, sagt sie. Aber wie alles bei GNTM ist das nur eine weitere wichtige Lehre für die eigene Selbstoptimierung: „Man lernt hier auch erst richtig seine Grenzen kennen oder geht tatsächlich darüber hinaus.“

Sorge, dass sie wie viele ihrer Vorgängerinnen nach dem Ende der Staffel wieder in der Bedeutungslosigkeit versinkt, hat sie offenbar nicht. Stattdessen hält sie direkt den nächsten Kalenderspruch bereit: „Man darf nicht vergessen, dass jeder Mensch selbst in der Hand hat, was er von dem preisgeben möchte, was er erreicht und wie viel er mit der Öffentlichkeit teilt.“ Haben Sie auch Gänsehaut?

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In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
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Marie Ahlers

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