Skandalspiel BVB - Hertha: 10 Freiheitsstrafen nach Stadion-Angriffen

dzPolizei-Einsatz

Genau eineinhalb Jahre ist es her, dass Berliner Fans und Polizisten während eines BVB-Spiels im Dortmunder Stadion aufeinander eingeschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft zieht Bilanz.

Dortmund

, 24.04.2020, 12:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollten die Fußballer von Borussia Dortmund in diesem Monat Hertha BSC empfangen. Zum ersten Mal nach dem Skandalspiel vom Oktober 2018. Vor genau eineinhalb Jahren gerieten Berliner Fans und Polizisten während des Spiels im Stadion heftig aneinander, mit Fahnenstangen und Schlagstöcken schlugen sie aufeinander ein.

Herthaner hatten zuvor Pyrotechnik im Gästeblock gezündet. Etwa 30 Polizisten gingen vor den Block, um ein großes Banner der Ultras einzusammeln, das dort nach einer Choreografie am Boden lag. Große Stoffstücke werden in den Stadien häufig benutzt, um sich darunter zu vermummen, wenn Bengalische Feuer oder Rauchtöpfe gezündet werden.

Zunächst klettern zwei Fans über die Absperrung

Auf verschiedenen Videos ist das Geschehen festgehalten: Als die Polizisten das Banner greifen und weggehen wollen, klettern zunächst zwei Zuschauer aus dem Berliner Block über eine Absperrung zu den Polizisten hinunter. Sobald einer von ihnen das Banner anfasst, schlägt ein Polizist ihn mindestens zweimal mit seinem Schlagstock.

Mehrere Berliner greifen nach dem Banner, um es zu sich in den Gästeblock zu ziehen. Einer schlägt mehrmals mit einer Fahne auf die Polizisten ein. Beim Gezerre um das Banner schlagen Polizisten auf die Hände der Fans, dann springen mehr als 20 Berliner vom Block hinunter in den Gang mit den Polizisten.

Beide Parteien schlagen zu, aus dem Block wirft jemand ein brennendes Bengalo auf die Polizisten. Die Polizisten ziehen sich etwas zurück, die Berliner klettern wieder über die Absperrung in ihren Block. In der Halbzeitpause gibt es weitere Aggressionen, unter anderem werden Toilettenanlagen zerstört. Mehr als 40 Personen werden insgesamt verletzt.

Eineinhalb Jahre danach zieht die Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage unserer Redaktion Bilanz. Gegen 140 Personen wurde bislang insgesamt ermittelt, sagt Staatsanwalt Henner Kruse: Namentlich seien 74 bekannt. Mit Blick auf die unübersichtliche Lage und viele vermummte Beteiligte meint der Staatsanwalt: „Es sind relativ viele Beteiligte ermittelt und sanktioniert worden.“

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22 Strafbefehle wurden erlassen - dieses Mittel ist möglich bei Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Sie stehen Gerichtsurteilen gleich, wenn die Beschuldigten nicht innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Dann kommt es zu Verhandlungen.

Insgesamt gab es 43 Verhandlungen und bislang 28 rechtskräftige Entscheidungen. 15-mal wurden Geldstrafen verhängt, ein Jugendlicher musste Freizeitarrest antreten, zehn weitere Personen bekamen Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr.

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Die schwersten Fälle wurden verurteilt wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruches.

Auch einen Freispruch gab es. Ein Verfahren ist gegen eine Auflage, etwa eine Geldzahlung oder eine Arbeitsleistung, eingestellt worden.

Verfahren gegen Polizisten sind eingestellt worden

„Gegen den Einsatzleiter gab es zwei Strafanzeigen“, sagt Henner Kruse: „Wegen Körperverletzung im Amt, Diebstahl des Banners und Freiheitsberaubung.“ Die Ermittlungsverfahren gegen ihn seien eingestellt worden, genau wie die gegen sechs weitere Polizisten.

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Es konnte nicht zugeordnet werden, welchem Polizisten welche Tat vorgeworfen wurde. Nach Prüfung der Geschehnisse geht die Staatsanwaltschaft aber grundsätzlich davon aus, dass das Verhalten aller Einsatzkräfte gerechtfertigt war. Die Ermittlungen hatte die Polizei im Kreis Recklinghausen geführt.

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