Skandalöse Baumfällungen im Kreuzviertel? Anwohner sind stinksauer

dzBaumfällungen im Kreuzviertel

Empörung bei Anwohnern im Kreuzviertel: Sie werfen der Stadt vor, über ihre Köpfe hinweg am Schulzentrum Kreuzstraße rund 15 gesunde Bäume gefällt zu haben. Die Verwaltung hat Erklärungen.

Kreuzviertel

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Anfangs hatten wir gar nichts gemerkt“, schildert Anwohnerin Heide Ramm aus der Blankensteiner Straße 5. Misstrauisch seien sie geworden, als sie merkwürdig viele Kleintiere wie Eichhörnchen, Vögel und Kaninchen in ihren Gärten entdeckten. Die Ursache war schnell gefunden: ausgiebige Rodungsarbeiten auf dem Nachbargrundstück, auf dem sich das Schulzentrum Kreuzstraße befindet. „Die Tiere sind quasi in unsere Gärten geflüchtet“, vermutet Anwohnerin Mechthild Weickenmeier.

„Mindestens acht gesunde und schützenswerte Exemplare“

Von den Bäumen an der Böschung des Schulzentrums stehen nur noch Stümpfe. Hecken und Büsche sind zurückgeschnitten. Von Blutbuchen über Ahorn bis hin zu Kiefern, Platanen und Tannen: Penibel haben die Anwohner aufgelistet, welche und wieviel Bäume der Säge zum Opfer gefallen sind. Sie kommen auf rund 15. Darunter mindestens acht gesunde und schützenswerte Exemplare mit mehr als 80 Zentimeter Stammdurchmesser. Nach Darstellung der Anwohner haben die Rodungsarbeiten in der Woche vom 11. Juni bis 14. Juni stattgefunden. Die Empörung ist groß. „Eine Unverschämtheit“, schimpft Heide Ramm. „Nicht nur, dass uns die Stadt in keiner Weise informiert hat und alles über unsere Köpfe hinweg passiert ist.“

Noch mehr ärgert die Bürger, dass Bäume, Hecken und Sträucher mitten in der Schonzeit gefällt wurden. Die Schonzeit gilt seit dem 1. März und läuft bis zum 30. September. In diesem Zeitraum dürfen Bäume (außerhalb von Wäldern), Hecken und Büsche für gewöhnlich nicht gerodet werden. Erlaubt sind lediglich „schonende Form- und Pflegeschnitte“, wie das Bundesnaturschutzgesetz in § 39, Absatz 5 sagt. Wer dagegen verstößt, muss mit Geldbußen rechnen. „Wissen die Ämter das nicht?“, fragt Klaus-Peter Zehnter. „Das gehört zur Allgemeinbildung.“ Empört habe sie versucht, Auskunft zu bekommen, sagt Heide Ramm. „Ich bin ständig weiterverwiesen worden.“ Von der städtischen Immobilienwirtschaft habe sie schließlich gehört, es sei „alles rechtens.“ Die Anwohner bezweifeln das.

Gehölze stehen neuen Sporthallen im Weg

Der Grund für den Kahlschlag sind die beiden geplanten Sporthallen-Neubauten: Die Stadt will die alten Sporthallen am Schulzentrum an der Kreuzstraße abreißen und sie durch zwei Dreifach-Hallen ersetzen. Die Bäume standen im Weg. Deshalb habe das Bauordnungsamt am 28. Mai eine „Teilbaugenehmigung inklusive einer Fällgenehmigung“ erteilt, sagt die Verwaltung auf Anfrage unserer Redaktion.

Skandalöse Baumfällungen im Kreuzviertel? Anwohner sind stinksauer

Kahlschlag: Wo bis vor Kurzem ansehnliche und gesunde Bäume standen, ragen nur noch Stümpfe aus der Erde. © Beushausen

Grundsätzlich sei man bemüht, Fällarbeiten während der Schonzeit zu vermeiden. Beim Schulzentrum aber bestehe "Eilbedürftigkeit", die sich „aus dem dringenden Bedarf an Sporthallen" ergebe, heißt es vonseiten der Verwaltung - den konkreten Termin für den Beginn der Bauarbeiten aber lässt sie offen. Die Rodung habe ein Generalunternehmer übernommen. Dabei seien alle Bäume im Vorfeld erfasst und von einer „sachkundigen Person" begutachtet worden. Dass die Anwohner nicht informiert wurden, räumt die Stadt ein. Begründung: Das sei auch gar nicht nötig gewesen. Weil die Nachbargrundstücke in keiner Weise betroffen seien. Weder durch An- und Abfahrten noch durch eine Wegesperre. Die Stadt werde aber Ausgleich schaffen und 33 Laubbäume pflanzen.

Ausgleichspflanzungen sollen dann auch in das Quartier

„Dann gehören die Bäume aber auch in unser Quartier", fordert Anwohner Lothar Bauer. „Von Ersatzpflanzungen an anderen Stellen haben wir nichts.“ Nachbarin Heide Ramm schüttelt nur noch den Kopf: Alle Welt rede über Klimawandel. „Schon deshalb ist uns völlig unverständlich, wie man die Bäume als Sauerstoffspender, Klimaschützer und Heimat unzähliger Tierarten still und heimlich beseitigen kann.“ Die Anwohner haben inzwischen die Bezirksvertreter in der westlichen Innenstadt eingeschaltet.

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