"Bitte Abstand halten!" ... Könnte die Geste aktuell bedeuten. Doch Björn Rosenbaum würde sich eher freuen, den Menschen wieder die Hand reichen zu können. © Rosenbaum
Wortkunst ohne Zuhörer

Sieben Monate ohne Publikum: Was macht ein Poetry-Slammer im Lockdown?

Der Dortmunder Slam-Poet, Autor und Moderator Björn Rosenbaum muss seit Monaten ohne Publikum arbeiten. Da nutzte er den Corona-Lockdown kurzerhand für die Erfüllung eines Lebenstraums.

Künstler jeglicher Art hatten in den letzten Monaten wenig Möglichkeiten, ihr Publikum zu erreichen, geschweige denn vor ihm aufzutreten. Viele verlegen ihre Aktivitäten in die eigenen vier Wände und produzieren dort.

Es gibt aber auch Genres, die ausschließlich von ihrem Publikum leben und nur mit ihm funktionieren. Bei einem sind alltägliche Ereignisse mit Menschen gar die Grundlage des kreativen Schaffens.

Björn Rosenbaum ist seit 2013 Poetry-Slammer, war Zweiter und Dritter bei den NRW-Landesmeisterschaften 2014, 2015 und 2019, Teilnehmer der Deutschsprachigen Meisterschaft, mehrfacher Stadtmeister in verschiedenen Städten und ist seit 2018 Autor für den Geierabend, den alternativen Ruhrkarneval auf Zeche Zollern. Und er hat ein Problem: kein Publikum.

Corona lähmt die Kreativität und Arbeit

„Die Corona-Situation hat uns Poetry-Slammer aus der Bahn geschossen“, so Rosenbaum. Monatelang sei gar nichts passiert, die Pandemie habe ihn abgestumpft und das Verzichten auf Erlebnisse und Ereignisse habe ihn kreativ leer gemacht.

„Das alles hat mich gelähmt. Die kreativen Impulse und Alltagserlebnisse sind weg und viele von uns Poetry-Slammern sind in ein Loch gefallen“, erklärt er. Sein letzter Auftritt war im Oktober 2020 und schon die Lockdown-Phase zuvor war für Rosenbaum schlimm.

So kennt man den Poetry-Slamer: wilde Gestik und Mimik auf der Bühne, gepaart mir Wortwitz und Charme. © Rosenbaum © Rosenbaum

Die Impulse für seine Geschichten und Erzählungen auf der Bühne, also seine ureigene Motivation als Poetry-Slammer und die so wichtige Resonanz des Publikums, fielen beide komplett weg. Dies habe ihn wahnsinnig am Boden gefesselt und die Kreativ-Maschinerie lief nicht.

Zumindest nicht die als Wort-Künstler. Denn Rosenbaum hat diese Zeit für zwei andere Kreativ-Projekte genutzt. Zum einen die Weiterentwicklung eines Gesellschaftsspiels und zum anderen die Erfüllung eines Lebenstraums.

Einen Traum erfüllt – nach vorheriger Ablehnung

Bei den Deutschsprachigen Meisterschaften 2019 wurde er vom auf Poetry-Slammer spezialisierten „Lektora Verlag“ gefragt, ob er ein Buch schreiben wolle. So begann der Traum zur Wirklichkeit zu werden und Anfang Mai wurde sein Buch „Eine Liebeserklärung“ veröffentlicht.

„Ich habe mir mit dem Buch einen Traum erfüllt, da ich immer die Hoffnung hatte, bei diesem speziellen Verlag ein Buch zu veröffentlichen“, so Rosenbaum stolz. Zumal er im Jahr 2016 bereits bei dem Verlag angefragt hatt und abgewiesen worden war.

Das Buch ist eine Slam-Text-Anthologie mit bekannten Texten und noch nie gespielten Texten – mit einem besonderen Konzept. Während der Text zu „Liebeserklärung“ einer seiner prominenten ist und zugleich eine Klammer um all seine Slam-Texte bildet, ist die Message des Buches für ihn wichtig.

„Ich mache Texte, die auch wehtun können. Doch ich schließe immer mit etwas Gutem ab. Das Buch beinhaltet Botschaften der Liebe und Hoffnung“, so Rosenbaum.

Er hat sogar eine Gebrauchsanweisung zum Lesen hinzugefügt, um sich die jeweiligen Texte auf der Bühne vorstellen zu können. Und zum Ende des Buches entwickelt sich eine sehr interessante, dann sogar zusammenhängende Geschichte.

„Ich bin heiß, ich will auf die Bühne!“

Rosenbaum schöpft aus diesem Buch Energie und beginnt auch langsam wieder, Auftritte zu planen. „Ich bin heiß, ich will auf die Bühne!“, erklärt er. Er beginnt, wieder Termine zu planen und ist voller Hoffnung, dass es bald wieder Liveformate gibt.

Wobei er für sich geklärt hat, dass er das Thema Corona zukünftig nicht aufgreifen wird. Dafür gibt es bereits erste bestätigte Termine, so wie am 25. Juli bei „Sommer am U“. „Es tut jetzt schon gut, diese Termine im Kalender stehen zu haben“, schließt er ab.

Buch „Eine Liebeserklärung“ von Björn Rosenbaum (Verlag: Lektora GmbH, Einband Broschiert, 13,90 EUR, ISBN: 978-3-95461-169-0)

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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