Korrekt geträufelt? Wie sollen Lehrer das überwachen und nachvollziehen können? © picture alliance/dpa
Meinung

Selbsttest-Nachweis an Schulen? Ein Schlag ins Gesicht der Lehrer

Lehrer sollen bestätigen, dass Schüler kein Corona verbreiten. Eine Kleinigkeit? Nur eine schnelle Unterschrift mit Stempel? Im Gegenteil: Unser Autor findet, das ist ein Schlag ins Gesicht.

Stellen Sie sich mal etwas vor: Sie kommen zur Arbeit um kurz vor 8, natürlich erst nachdem Ihr Chef die Tür zum Büro aufgeschlossen hat. Am geöffneten Fenster reicht er Ihnen und Ihren 14 Arbeitskollegen je einen Corona-Selbsttest.

Während sich 15 erwachsene Frauen und Männer also Stäbchen durch die Nase drehen, schaut der Chef akribisch hin. Drückt sich auch keiner? Drückt auch keiner das Stäbchen zu tief rein? Drücken anschließend alle 15 ihre Stäbchen in die kleinen Gefäße mit der Lösungsflüssigkeit? Tropft auch jeder genau vier Mal aufs richtige Feld?

Ein Tag im Büro – die Maske bleibt auf

So, erledigt? Dann ab auf den Platz, immer zwei Kollegen nebeneinander an den Schreibtisch. Die Maske bleibt natürlich auf für die nächsten Stunden. Abgesetzt werden darf sie nur, wenn jemand ins Butterbrot beißt oder einen Schluck aus der Wasserflasche nimmt.

Absurde Situation? Nein: Das ist der Alltag. In den Büros vielleicht nicht, aber in den Schulen. Und jetzt – das ist die Höhe – soll der Chef auch noch Schnelltest-Zentrum spielen.

Soll bescheinigen, dass alle Tests korrekt durchgeführt und negativ sind. Also natürlich der Lehrer, nicht der Chef. Vor mehr als einem Jahr waren die Schüler die Ersten, die zurückstecken mussten.

Kostenlose Schnelltests? Ja, schon, aber…

Zwischendurch durften sie wochenlang nicht kommen, dann nur in kleinen Gruppen, dann wieder gar nicht. Die Änderungen erfuhren Schüler wie Lehrer wie Eltern gerne erst am Freitagnachmittag. Jetzt – im Frühsommer oder Spätfrühling 2021 – öffnet alles wieder.

Schnelltests sind kostenlos, zumindest für den Bürger. Der Bund zahlt offenbar beherzt, was die Schnelltest-Zentren an Test-Menge angeben. Dass „der Bund“ am Ende „der Steuerzahler“ sein wird – geschenkt! Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Das Ziel: Einzelhandel und Gastronomie retten

Schnelltests, die viel Geld kosten, auf der einen Seite. Und massenhaft Selbsttests an Schulen auf der anderen, die man ja auch bezahlt hat. Könnten dann nicht die Lehrer noch fix Negativ-Nachweise ausstellen? Ist das so abwegig?

Finanziell gesehen vielleicht nicht. Im großen Zusammenhang aber ist es ein Schlag ins Gesicht der Lehrer: Sie sollen etwas nachweisen, was sie gar nicht nachweisen können. Und das nur, damit der Staat Geld spart. Das Ziel ist klar.

Alle sollen raus, Geld ausgeben. Sollen die Gastronomie, den Einzelhandel, das große Shopping-Erlebnis retten.

Klar, auch die Schüler könnten kostenlose Schnelltests machen. Das wäre deutlich sicherer. Aber um Sicherheit geht es ja gar nicht. Sonst würden wir ja morgens mit dem Chef im Büro aus Selbsttests machen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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