Seebrücke erinnert an ertrunkene Geflüchtete und an Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete

Demo in der City

Ein Plakat auf der Katharinentreppe erinnert am Samstag an ertrunkene Geflüchtete: 150 Menschen sind dem Demonstrations-Aufruf der Seebrücke Dortmund gefolgt - und sie haben eine Heldin.

Dortmund

, 06.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Seebrücke erinnert an ertrunkene Geflüchtete und an Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete

An der Kataharinentreppe in Dortmund demonstrierten Menschen gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung. © Dennis Werner

Mit einem Demonstrationszug durch die Dortmunder City haben am Samstagmittag rund 150 Menschen auf die Rechte von Geflüchteten aufmerksam gemacht. Sie forderten sichere Häfen und die Entkriminalisierung der Seenotrettung.

Der Zug startete an der St.-Reinoldikirche und endete an der Katharinentreppe. Dort breiteten die Aktivisten auf den Stufen ein großes orangenes Banner aus, das auf die Zahl der Menschen hinwies, die beim Versuch, das Meer zu überqueren, ertranken - fast 36.000 Menschen.

Kapitänin Carola Rackete auf Plakaten

Plakate und Transparente zeigten auch die Kapitänin Carola Rackete, die nach einem Anlegemanöver im Hafen des italienischen Lampedusa festgenommen worden war. Die Kapitänin wurde auf den Plakaten als Heldin bezeichnet. Die Behörden in Italien warfen ihr unter anderem Menschenschmuggel vor, weil sie Menschen, die sie vor dem Ertrinken aus dem Mittelmeer gerettet hatte, an Bord hatte. Nach der Festnahme ist Rackete zwar auf freiem Fuß, ihr droht aber ein umfassendes Strafverfahren.

Seebrücke erinnert an ertrunkene Geflüchtete und an Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete

„Die Kapitänin, eine Heldin“ steht auf diesem Plakat. Carola Rackete hatte Geflüchtete mit ihrem Schiff nach Lampedusa gebracht. © Dennis Werner

Joachim Spehl von der Lokalgruppe der Seebrücke, die zu der Demonstration aufgerufen hatte, kritisierte die italienischen Behörden, aber auch die deutsche Regierung, die seiner Meinung nach nicht entschieden genug für die Flüchtlingsretter eintrete. „Wir sind wütend und fassungslos über die Kriminalisierung der Menschen, die die verdammte Pflicht der Rettung übernehmen“, rief er.

Wenn Politiker wie Außenminister Heiko Maas oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun für Kapitänin Carola Rackete aussprechen, sei dies Heuchelei. Sie trügen die Politik der dichten Grenzen mit. In Dortmund trat Dietmar Köster (SPD), Mitglied des Europäischen Parlaments, als Redner auf.

Einzelne Kommunen - wie etwa auch Dortmund - hätten ihre Stadt zu sicheren Häfen für Flüchtlinge erklärt, doch die Bundesregierung sei dieser Initiative nicht gefolgt, so Spehl. Auch die Dortmund hätten nach ihrem Ratsbeschluss, Dortmund zum sicheren Hafen zu machen, dem symbolischen Akt Taten folgen lassen müssen, so Spehl. Die Dortmunder Politiker hätten Ärzte und Busse nach Lampedusa schicken können. Das hätte den Druck auch auf die Bundesregierung erhöht.

Seebrücke erinnert an ertrunkene Geflüchtete und an Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete

Kein Mensch ist illegal: Mit einem Plakat auf der Katharinentreppe erinnerten die Demonstranten an die Menschen, die auf der Flucht über das Meer ums Leben kamen. © Dennis Werner

Die Lokalgruppe der Seebrücke Dortmund trifft sich regelmäßig zu Demonstrationen und zu Gruppentreffen.

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