Sechster Teil der MKK-Serie: Schicksalsjahr eines Museums

DORTMUND Mit 125 Jahren ist das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) das älteste im Ruhrgebiet. In einer Serie stellen wir Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Hauses vor. Im sechsten und letzten Teil geht‘s um die Zukunft.

von Von Katrin Pinetzki

, 11.07.2008, 12:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das MKK feiert gleich fünf Jubiläen in einem Jahr – und trotzdem redet ganz Dortmund nur vom U-Turm. Ausgerechnet das Jubiläumsjahr 2008 könnte für das Museum zum Schicksalsjahr werden. Denn jetzt entscheidet sich, wie und ob sich das älteste Museum der Region neben dem neuen im U behaupten kann.

Konkurrenz um Geld und Raum

Dabei stehen die beiden Häuser inhaltlich in keinerlei Konkurrenz: Während das Ostwall-Museum Kunst ab der Epoche des Expressionismus zeigt, gibt es an der Hansastraße ältere Gemälde sowie kultur- und stadtgeschichtliche Exponate vor allem aus der Region zu sehen. Konkurrenz gibt es dennoch: Um städtisches Geld, um Besucher, um Aufmerksamkeit. Und, nicht zuletzt, um Platz.Denn während das Museum am Ostwall durch seinen Umzug ins U dramatisch an Fläche gewinnt, droht dem MKK der Verlust seiner angemieteten Ausstellungshalle, in der Mitte August die Jubiläumsausstellung „Evet – Ja, ich will“ über türkische und deutsche Hochzeiten eröffnet.

Vermischung schadete Profil

Es könnte die letzte Schau sein, denn der ursprüngliche Beschluss, die eingesparte Miete in den Betrieb des U-Turms zu stecken und dafür dem MKK Platz in der sechsten Etage im U zu geben, ist noch nicht aufgehoben. Intern wachsen allerdings die Hoffnungen, dass alles so bleibt wie gehabt. Längst beansprucht Kurt Wettengl, Direktor des Museums am Ostwall, die 6. Wechselausstellungs-Etage komplett für sein Haus, gleichzeitig wäre MKK-Direktor Wolfgang E. Weick froh, am angestammten Ort bleiben zu können. Eine räumliche Vermischung der beiden Museen mit ihren so unterschiedlichen Schwerpunkten würde dem Profil beider Häuser nur schaden, sind die Direktoren überzeugt. „Ohne die Halle wird das MKK nicht sterben. Aber es wäre ein Rückschritt zu dem Zustand von vor 20 Jahren, bevor ich kam“, sagt Weick.

Neuerungen eingeführt

Im MKK hat trotz unsicherer Aussichten die Zukunft bereits begonnen. Seit einigen Wochen sind Audio-Guides im Einsatz – Kopfhörer, mit denen die Besucher einen geführten Rundgang durch die Sammlung unternehmen können. Und wenn nur ausreichend Geld vorhanden wäre, würde MKK-Chef Weick noch so einiges einfallen – etwa Museumsbusse, die Schulkinder abholen. 

„Chinesische Karte“

Sollte ihm die Halle erhalten bleiben, mangelt es nicht an Ideen für nächste große kulturhistorische Ausstellungen. „Wir würden gerne unsere Kontakte nach St. Petersburg aufleben lassen, oder mal wieder die chinesische Karte spielen“, so Weick. Gerne würde er auch der Darstellung der Stadtgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Raum als bisher geben. „Dazu müsste man noch einmal die Struktur, die Präsentation des Hauses verändern“, sagt Weick, und es sieht nicht aus, als nähme er diese Aufgabe ungern in Angriff. Als wohl einer der wenigen Museumsdirektoren im Ruhrgebiet muss sich der MKK-Chef über das Kulturhauptstadt-Jahr keine Gedanken machen. „Wir werden auf keinen Fall etwas Besonderes zeigen. Alle Bemühungen zielen auf das U, da kann man nicht einen Sonderschauplatz aufzeigen“, stellt er klar. 

Bessere Internetpräsenz

Und wenn er ganz weit in die Ferne blickt, dann sieht Weick eine bessere Internetpräsenz, in der das gesamte Wissen des Museums abrufbar ist. „Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass das eben nicht zum Besucherrückgang führt“, sagt Weick, „es wird immer einen Unterschied machen, ob man die Dinge auch noch sehen kann oder nur die Informationen hat. Solange es Menschen gibt, die sehen können und das Authentische schätzen, mache ich mir keine Sorgen. Es steckt in uns, zu fragen, woher wir kommen.“

 

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