Schwimmen im Kanal - Warum viele Dortmunder Gefahren und Verbote ignorieren

dzGefährliche Abkühlung

Für viele Dortmunder ist der Kanal die Alternative zu vollen Freibädern. Die Feuerwehr warnt vorm Kanalschwimmen. Und Brückenspringen ist verboten. Besuch an einem riskanten Badeort.

Dortmund

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Mittwochmittag, 13 Uhr. Die Hitze flimmert über dem Asphalt auf der Weidenstraßenbrücke im Hafenviertel. Egal, in welche Richtung man der Straße folgt: Man landet an einem Ort, an dem sich bei 38 Grad niemand gerne aufhält. Im Industriegebiet. Massen von Beton, der die Hitze abstrahlt.

Dennoch ist genau diese Gegend an heißen Tagen ein Anziehungspunkt für Dortmunder. Sie kommen mit dem Auto oder Fahrrad, haben kühles Bier und Luftmatratzen im Gepäck. Ihr Ziel ist der Kanal, über den sich die Weidenstraßenbrücke spannt.

Keine Lust auf Menschenmassen im Freibad

Sie meiden die überfüllten Freibäder und ziehen ihre Bahnen lieber im Kanal. „Im Freibad geht es nur darum, zu sehen und gesehen zu werden“, findet Clara. Sie ist am Mittwoch mit ihren Freundinnen zum Kanal gekommen, weil die vier keine Lust haben, sich durch Menschenmassen im Freibad Volkspark zu schieben - sowohl an Land als auch im Wasser.

Auch für Celine ist das ein Vorteil. „Im Freibad sind die Becken völlig überfüllt“, sagt sie. Das sei am Kanal angenehmer. Auch sie ist mit ihren Freunden hier. Ein weiterer Pluspunkt für sie: „Man kann hier von der Brücke springen.“

Schwimmen im Kanal - Warum viele Dortmunder Gefahren und Verbote ignorieren

Celine, Florian, Paulina und Janina treffen sich gerne Kanal. © Oliver Schaper

Ein Satz, der (nicht nur) jeden Feuerwehrmann in Dortmund zusammenzucken lässt: Die Feuerwehr warnt ausdrücklich davor, die Brücken am Kanal als Sprungtürme zu nutzen. Der Grund: Der Kanal ist maximal vier bis fünf Meter tief. „Wenn Sie beispielweise von einem 22 Meter hohen Brückenbogen springen, drohen durch den Aufprall tödliche Verletzungen“, heißt es von Seiten der Feuerwehr.

Ganz so hoch ist die Weidenstraßenbrücke nicht. Ungefährlich ist der Sprung ins Wasser von hier aber auch nicht: „Im Wasser treibende Gegenstände wie leere Flaschen oder spitze Holzstücke werden leicht übersehen.“ Auch solche Gegenstände könnten zu Verletzungen führen, so die Feuerwehr. Im August 2018 musste eine Person von Feuerwehrtauchern geborgen und wiederbelebt werden, die sich beim Sprung verletzt hatte. Insgesamt musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr fünf Mal zu Rettungseinsätzen an den Kanal kommen.


Erlaubt ist es übrigens auch nicht, von der Brücke ins Wasser zu springen. Nach der sogenannten Binnenschifffahrtsstraßenordnung ist das Schwimmen 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken im Kanal verboten. Auch im Bereich von Wehren, Schleusen und Hafenanlagen darf nicht geschwommen werden.

Polizei will Kanalschwimmer verstärkt kontrollieren

Dass sie beim Schwimmen im Kanal einen gewissen Abstand zur Brücke halten müssen, ist Clara und ihren Freundinnen nicht bewusst. „Hier stehen ja keine Verbotsschilder, und die Polizei kontrolliert auch nicht“, sagt Helene, eine Freundin von Clara, einigermaßen entrüstet. „Hier geht doch jeder schwimmen“, fügt Clara schulterzuckend hinzu.

Schwimmen im Kanal - Warum viele Dortmunder Gefahren und Verbote ignorieren

Die vier Freundinnen Greta, Clara, Helene und Theresa genießen den Kanal als Alternative zu überfüllten Freibädern. © Oliver Schaper

Die Freundinnen wurden noch nicht von der Polizei kontrolliert. Eine Sprecherin der Wasserschutzpolizei NRW weist jedoch daraufhin, dass diese insbesondere in der Ferienzeit verstärkt im Einsatz sein werde. Wer im Bereich von Brücken, Wehren und Schleusen schwimmt, dem kann ein Ordnungs- oder sogar Strafverfahren blühen. „Kanalschwimmer müssen mit Platzverweisen, Verwarnungen und Bußgeldern rechnen“, heißt es von der Polizei.

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