Hat Netto-Mitarbeiter in Dortmunder Filiale den Hitlergruß gezeigt?

dzRechtsextremismus in Dortmund

Ein Mitarbeiter eines Netto-Marktes im Dortmunder Süden soll einem Kunden mehrmals den Hitlergruß gezeigt haben. Dafür gibt es Zeugen. Jetzt ermittelt die Polizei.

Hörde

, 25.08.2020, 12:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein „Fck Nzs“- Aufkleber ist an die Eingangstür der Netto-Filiale an der Alten Benninghofer Straße gepappt. Was aber ein Dortmunder Musiker bei einem seiner Besuche dort erleben musste, konterkariert die Aussage des Stickers.

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Es war am Samstag (15. August) gegen 21.30 Uhr, also kurz vor Ladenschluss. Klangpoet, so der Künstlername des Musikers, wollte noch schnell einen kurzen Einkauf machen, als er Zeuge eines Streitgespräches wird.

Ein Netto-Mitarbeiter und einige Mädchen stritten sich. „Ich habe am Rande mitbekommen, dass der Netto-Mitarbeiter sagte, dass sie jetzt nicht mehr abkassiert würden“, so Klangpoet.

Aggressiv auf die Mädchen eingeredet

Was dem Dortmunder Musiker da schon auffiel, war die aggressive Art, mit der der Netto-Angestellte auf die Mädchen einredete. „Deswegen bin ich kurz stehen geblieben. Ich war auch nicht der einzige. Da waren noch mehr Kunden, die auf das Gespräch aufmerksam wurden“, so Klangpoet.

Es ging um das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes. Laut Klangpoet monierte der Verkäufer, dass eines der Mädchen beim Eintritt in den Markt anstatt einer Maske, sein Kopftuch als Mund-Nasen-Schutz nutzte. Die Mädchen im Alter zwischen 12 und 14, alle mit Migrationshintergrund, hätten den Verkäufer daraufhin auf einen Vorfall kurz zuvor hingewiesen, als eine Kundin (ein blondes Mädchen) ohne Maske mit ihm gesprochen habe. Sie habe er nicht auf die Maskenpflicht hingewiesen.

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Die Situation eskalierte, als sich der Musiker in das Gespräch einmischte und den Netto-Mitarbeiter bat, seine Maske selbst richtig aufzusetzen, bevor er die Mädchen zusammenstauchte.

„Der machte mich daraufhin an und kam mir dabei ziemlich nah.“ Die Maske hätte der Mitarbeiter dabei unter dem Mund hängen gehabt. Er behauptete, er habe Hausrecht und müsse gar nichts.

Hinweis auf Tattoo sorgte dann für Streit

Das Fass zum Überlaufen brachte dann wohl der Hinweis des Dortmunder Musikers, sich bei Netto über ihn zu beschweren und auf das Tattoo des Netto-Mitarbeiters einzugehen.

„Böhse-Onkelz-Tattoo, du sprichst nur die Mädchen mit Kopftuch an und sagst nichts zu dem blonden Mädchen, ich denke mir meinen Teil“, habe Klangpoet im Weggehen dem Netto-Mitarbeiter noch zugerufen.

Für den Netto-Mitarbeiter war das dann wohl Grund genug, um mehrfach den Hitler-Gruß zu zeigen. Der Dortmunder Musiker informierte sofort die Polizei, die auch eine Anzeige aufnahm. „Die Aktionen haben einige Zeugen auch gesehen und es gibt ja noch Kameras in dem Laden“, sagt Klangpoet.

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Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen läuft, das mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden kann.

Das sagt Netto zu dem Vorfall

Aus Sicht von Netto habe sich die Situation völlig anders abgespielt. Die Kundinnen hätten beim Betreten der Filiale keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen und wären von dem Mitarbeiter auf die geltende Maskenpflicht hingewiesen worden, so eine Pressesprecherin.

Nachdem die Kundinnen ihre Mund-Nasen-Bedeckungen während ihres Einkaufs wieder entfernt hätten, hätte der Mitarbeiter diese erneut angesprochen.

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Zwei Kunden hätten dem Mitarbeiter diskriminierendes Verhalten vorgeworfen, woraufhin es zu einer Auseinandersetzung gekommen wäre und die Kunden die Polizei gerufen hätten.

Der Mitarbeiter habe glaubhaft versichert, dass er zu keinem Zeitpunkt diskriminierende Äußerungen oder Handlungen getätigt habe und Netto würde der Aussage des Mitarbeiters vertrauen, so die Pressesprecherin.

Auch am Montag (24. August) war der Hitlergruß noch Thema in der Netto-Filiale. So war aus Mitarbeiterkreisen zu erfahren, dass man dem Kollegen die Aktion durchaus zutraue.

An die Netto-Pressestelle läuft eine weitere Anfrage, ob die besagte Hitlergruß-Szene nicht von den Kameras in der Filiale aufgezeichnet worden sind.

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