Schwebende Loren

Alte Zechenseilbahn führte von Menglinghausen zum Hüttenwerk Union

17.04.2007, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind von der Bildfläche verschwunden, mussten Neuerungen weichen, hatten einfach ausgedient. Stahlwerke, Zechen - kaum noch etwas erinnert an die Zeit, in der in den Hochöfen die Feuer brannten oder die Kumpel unter Tage fuhren. Auch eines der wohl eindrucksvollsten technischen Bauwerke im Dortmunder Süden ist lange verschwunden - eigentlich sogar schon vergessen. Eine Drahtseilbahn, die die Zeche Kaiser Friedrich in Menglinghausen mit dem ehemaligen Hüttenwerk Union (Innenstadt West) verbunden hat. Fast fünf Kilometer lang war das System aus bis zu 13 Meter hohen Stahlstützen. Spannstationen sorgten dafür, dass die schweren Stahlseile stramm gespannt waren und so die Loren voll bestem Koks aus Menglinghausen (die Zeche besaß eine Kokerei) das Werk Union erreichten und den Stahl am Kochen hielten. So faszinierend die Seilbahn auch war, Informationen darüber sind rar gesät. Aber gerade die Faszination des Ungewöhnlichen ließ Peter Kocbeck keine Ruhe. Der Rentner, wohnhaft in Kruckel und dort, in heimischen Gefilden, schon in Sachen alter Industriekultur bestens informiert, machte sich auf die Suche nach der verschwundenen Drahtseilbahn in Menglinghausen. «Es war eine Menge Recherche nötig, die Hilfe von guten Bekannten und das Stöbern in unzähligen Archiven.» Angefangen hatte alles mit einem alten Foto eines Heimatforschers, das einen Teil einer alten Seilbahnkonstruktion zeigte, die sich über den Rüpingsbach spannte. Damit war bei dem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hoesch-Museums der Spürsinn aktiviert. Peter Kocbeck nahm die Fährte auf - anhand alter Bilder, alten Erzählungen und vergilbten Akten. «Zunächst ging es auf das Gelände der ehemaligen Zeche Kaiser Friederich in Menglinghausen, die im September 1925 geschlossen wurde.» Kocbeck schlug sich durchs Gestrüpp, fand alte Mauerreste, eine alte Halde und hielt alles fotografisch fest. «Auf dem Zechengelände war von der Seilbahn nichts mehr zu finden». Anhand einer Karte, die «aus dem Jahr 1927 stammt», und aus Akten einer Seilbahnfirma, ließ sich exakt der ehemalige Streckenverlauf verfolgen. Im Bereich des Rüpingsbaches in Barop wurde der Spürsinn von Peter Kocbeck belohnt. Alte Betonsockel, die Reste der Stütz-Fundamente der Seilbahnanlage, sind hier im Wiesengelände sichtbar. Ein letztes Überbleibsel einer technischen Meisterleistung, die zwar nur von 1913 bis in die 1930er Jahre das Ortsbild in Barop und Menglinghausen prägte, aber wohl zu den außergewöhnlichsten Bauwerken der industriellen Vergangenheit gehören dürfte. Peter Kocbek hat alles in Bild und Wort festgehalten - in einer kleinen Broschüre. Damit die Seilbahn aus Menglinghausen nicht mehr in Vergessenheit gerät. jöb

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