Schuss beim Friseur wohl Racheakt in blutigem Streit zwischen Rockern und Clan

dzKriminalität

In einem Friseursalon in der Innenstadt ist ein Schuss gefallen. Das Opfer soll Mitglied der Bandidos sein. Nach bisherigen Erkenntnissen kann es sich um einen Racheakt handeln.

Dortmund

, 18.07.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Innenstadt ist es am Donnerstag zu einer blutigen Auseinandersetzung gekommen: In einem Friseursalon an der Hansastraße fiel gegen Mittag ein Schuss. Bei dem Opfer soll es sich um einen Friseur handeln, der mutmaßlich auch Mitglied der Rockerbande Bandidos ist.

Täter weiter flüchtig

Erst vor knapp einer Woche soll der 38-Jährige bei seinem neuen Arbeitgeber in der Hansastraße vorgestellt worden sein. Mit Luftballons an seinem Motorrad feierte er seinen 38. Geburtstag. Eben dieses Motorrad stand auch am Donnerstag vor dem Laden. Das Opfer soll gerade bei der Arbeit gewesen sein, als ein bislang unbekannter Täter gegen 10.45 Uhr im Laden das Feuer auf den Mann eröffnete. Dieser ist nach bisherigen Erkenntnissen durch einen Schuss ins Bein verletzt worden. Laut Polizei bestand keine Lebensgefahr, der Mann wurde noch am Mittag operiert.

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich laut verschiedener Quellen um ein Mitglied eines kriminellen Clans handeln. Der Schütze flüchtete nach der Tat, die Polizei fahndet nach ihm. Eine Gefahr für Anwohner oder Besucher der City soll laut Polizeisprecherin Dana Seketa nicht bestanden haben, da es sich um eine „gezielte Tat“ handelte.

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Bei der Tat könnte es sich um einen Racheakt handeln: Der Friseur soll zusammen mit einem weiteren Bandidos-Mitglied unweit des jetzigen Tatorts ein führendes Mitglied des Familienclans im vergangenen September schwer verletzt haben. Deswegen saß der nun verletzte Mann auch bis Mitte Juni in U-Haft. Er war zwar zu vier Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden, doch sowohl seine Verteidigung als auch die Nebenklage hatten Revision eingelegt. Daraufhin wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt.

In einer Pressemitteilung gab die Polizei am Donnerstag bekannt, dass es nach ersten Erkenntnissen „nicht auszuschließen“ sei, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Verbrechen gebe - nämlich den Schüssen vom Donnerstag und dem Vorfall im September 2018.

Die Polizei rückte am Donnerstag dementsprechend mit einem Großaufgebot am Tatort an, manche Beamte trugen Maschinenpistolen. Kurz nach der Tat tauchten auch mehrere Mitglieder der Bandidos am Tatort auf.

Widerwillige Fußgänger

Die Einsatzkräfte sperrten den Bereich großräumig mit Flatterband ab. Auch die Museumsgasse wurde gesperrt, nachdem vor dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte sowie vor der Diskothek Nightrooms Blutspuren gefunden worden waren. Ob diese im Zusammenhang mit der Tat stehen, ist noch unklar. Kriminaltechniker untersuchten sowohl den Tatort als auch die Blutspuren.

Die Beamten hatten mehrfach am Donnerstag mit Passanten zu tun, die die Sperrbänder ignorierten. Manche der Fußgänger verließen erst widerwillig und nach mehrfachen Ermahnungen den abgesperrten Bereich. Einmal musste die Polizei die Personalien eines Mannes aufnehmen, der versuchte, den Weg abzukürzen und dann zu flüchten.

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Polizei ermittelt nach Schießerei in der City

An der Hansastraße soll ein Friseur angeschossen worden sein.
18.07.2019
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Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Die Polizei fahndete am Donnerstag noch nach dem mutmaßlichen Täter.© Verena Schafflick
Mit einem Spürhund fahndete die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter.© Verena Schafflick
Über den Königswall ging es zur Brückstraße.© Verena Schafflick
An der Kuckelke verlief die Spur im Sande.© Verena Schafflick
Die Polizei sperrte ab dem Königswall die Hansastraße ab.© Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Die Polizei musste das Gelände großräumig absperren.© Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Mit Flatterband wurde der Tatort abgesperrt.© Verena Schafflick
Noch sind die Hintergründe der Tat unklar.© Verena Schafflick
Die KTU untersuchte den Tatort.© Verena Schafflick
Gegen 10.45 Uhr fiel ein Schuss in einem Friseursalon.© Verena Schafflick

Mittags wurde ein Großteil der Polizei abgezogen. Sie sollten für Sicherheit am Krankenhaus sorgen, wo sich der Verletzte befindet. Wahrscheinlich in Erinnerung an die Tat vom September, als sich 40 bis 50 Männer vor der Klinik versammelt hatten, in der das damalige Opfer behandelt wurde – sowohl Rocker als auch Clan-Mitglieder.

Zur Unterstützung der Fahndung wurde ein Mantrailer-Hund angefordert. Er sollte die Spur des mutmaßlichen Täters aufnehmen. Ab der Hansastraße folgte er seiner Nase durch die Gassen des Brückstraßen-Viertels an der Reinoldikirche entlang zur Kuckelke. Hier endete scheinbar die Spur des mutmaßlichen Schützen. Zumindest brach die Polizei die Suche nach rund 30 Minuten ab.

Dafür trafen die Beamten an der Kuckelke wieder auf die Bandidos-Mitglieder vom Morgen. Sie saßen in einer Eisdiele und beobachteten das Geschehen.

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