Ein Teil der Schülerinnen und Schüler erhält seit dem 22. Februar wieder Unterricht in den Schulen. © Oliver Schaper
Neustart an den Schulen

Schulleiterin: „Kinder wissen nicht mehr, in welche Klasse sie gehen“

Tausende Schülerinnen und Schüler in Dortmund gehen seit Montag wieder zum Unterricht. Der Neustart hilft vielen Kindern. Er zeigt aber auch die extremen Gegensätze in der Bildungslandschaft.

Es sind Bilder, die in Dortmund seit Mitte Dezember nicht mehr zu sehen waren. Schüler gehen durch die Türen eines Schulgebäudes, sie stehen in Gruppen davor oder laufen zum Kiosk gegenüber.

Grundschüler und Jugendliche aus Abschlussjahrgängen sind wieder im Präsenzunterricht. Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen lernt aber vorerst weiter zuhause.

Nordmarkt-Grundschule: Viele Kenntnisse sind verlorengegangen

Der Neustart nach drei Monaten Distanz offenbart extreme Gegensätze innerhalb Dortmunds. Alma Tamborini, Leiterin der Nordmarkt-Grundschule, wählt klare Worte. „Es ist viel weg von dem, was die Kinder mal konnten. Sie wissen zum Teil nicht mehr, in welche Klasse sie gehen oder wie die Lehrerin heißt.“

Die Grundschule in der Nordstadt ist mit einem Schichtmodell gestartet. Für rund 200 Kinder begann der Schultag erst am späten Vormittag, die andere Hälfte begann morgens.

So sieht der Abhol- und Bringverkehr am Montagmorgen vor der Nordmarkt-Grundschule aus. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Die Konzentrationsspanne sei nach der langen Zeit ohne Präsenz im Klassenraum sehr begrenzt. Bei nicht-muttersprachlichen Kindern seien Deutschkenntnisse nicht mehr vorhanden.

Große Gegensätze zwischen der Nordstadt und dem Kreuzviertel

Die Nordmarkt-Grundschule war 12 Wochen und damit länger als alle anderen Schulen im Distanzunterricht, weil sie schon Anfang Dezember nach Corona-Fällen geschlossen war.

Es ist die spezielle Perspektive von einer Schule in einem der finanziell am stärksten benachteiligten Stadtviertel Dortmunds. Aber sie zeigt die Realität in der Bildungslandschaft.

Knappe sieben Kilometer Luftlinie entfernt an der Kreuzstraße in der südwestlichen Innenstadt ist die Situation am Montag eine andere. Auch dort ist die Rückkehr zu mehr Präsenz für vier Jahrgänge eine logistische Herausforderung.

Notbetreuung parallel zum Unterricht: Das ist kompliziert

Vera Gelissen, Leiterin der Kreuz-Grundschule, muss tageweise Wechselunterricht für zwölf Klassen organisieren. Und nebenbei acht Gruppen für Kinder in der Notbetreuung sicherstellen.

„Die Kinder sind glücklich, dass sie ihre Schulkameraden wieder sehen. Das soziale Miteinander ist für Grundschulkinder wichtig“, sagt Vera Gelissen. Große Rückstände durch den Lockdown macht sie an ihrer Schule nicht aus. „Durch Videokonferenzen war viel Kontakt zur Schule da.“

Eine Dortmunder Mutter berichtet dieser Redaktion über Instagram von einem überraschend entspannten Frühstart in den Tag, obwohl ihr Sohn nach zehn Wochen jeglichen Schulrhythmus verlernt habe.

Doch er habe einen schönen Tag verbracht und nach dem Ende des Schultags ausgeglichen gewirkt, „was im Homeschooling leider nicht mehr der Fall war“.

„Wir sind froh, dass jetzt ein bisschen Alltag eingetreten ist und die Schüler zumindest abwechselnd in den Präsenzunterricht können“, sagt die Dortmunderin.

Abschlussjahrgänge: Viel Platz und großer Druck

Markus Katthagen sieht als Sprecher der Dortmunder Gymnasien den ersten offiziellen Schultag seit dem 16. Dezember insgesamt positiv. „Alle Gymnasien werden die Abstände einhalten können. Wir haben es im Moment mit einer geringen Zahl an Schülern und großen Räumen im Vergleich zum Vollbetrieb zu tun“, sagt der Direktor des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln.

Wie ist es für die Kinder und Jugendlichen, nicht mehr zuhause lernen zu müssen? Eine Gruppe von Mädchen aus der Stufe 12 (Q 2) des Leibniz-Gymnasiums ist geteilter Meinung.

Die Schülerinnen sind froh, hier wieder zu fünft – mit Maske – sitzen zu dürfen. „Aber wir werden ins kalte Wasser geworfen“, sagt ein Mädchen über einen ersten Schultag mit technischen Problemen.

Die Zwölftklässlerinnen müssen erscheinen, weil sie Punkte für ihre Abitur-Zulassung sammeln. Sie stehen unter Druck. „Wenn wir wegen einer Quarantäne Klausurtermine verpassen, ist unsere Zulassung in Gefahr. Alles geht zu unseren Lasten“, sagt eine Schülerin.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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