Ab Montag soll in NRW wieder Wechselunterricht möglich sein - sofern die Inzidenz unter dem Wert von 200 liegt. © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

Schulleiter aus Dortmund: „Wechselunterricht für zwei Tage hat keinen Sinn“

Schüler in der Schule? Oder Distanzunterricht? Die Schulleiter in Dortmund wussten nach dem Notbremse-Plus-Antrag der Stadt gar nicht, wie es weitergeht. Erst spät am Abend gab es eine Entscheidung des Landes.

In der Theorie klang alles so einfach: Entweder die Schulen bleiben weiter im Distanzunterricht, wie es die Stadt Dortmund fordert. Oder das Wechselunterricht-Modell des Landes NRW beginnt am Montag (19.4.) wie zunächst geplant.

Eine letztendliche Antwort des Ministeriums auf den Antrag aus Dortmund ließ einige Zeit auf sich warten. Am Freitagabend kam sie dann: Das Land stimmte den Plänen der Stadt zu, die Schulen bleiben geschlossen.

Zuvor hingen Lehrer und Schulleiter einige Zeit in der Luft: Was nun? Wir haben mit ihnen gesprochen, noch bevor das Land eine Entscheidung fällte.

Offene Schulen? Solange es geht: ja

„Man kann wirklich nichts mehr ordentlich kommunizieren in Richtung Eltern“, fand Jutta Portugall. Sie ist Leiterin der Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen und Sprecherin der Grundschulen. Und gerade aus der Erfahrung mit den jüngeren Schülern weiß sie eine Sache:

„Für Kinder ist die Schule wichtig, und wenn es irgendwie möglich ist, sollte man die Schulen auch offen halten.“ Die Mädchen und Jungen würden miteinander und voneinander lernen. Die Lehrer könnten besser ansetzen, motivieren, loben, wenn es sein müsse, auch ermahnen. All das sei im Distanzlernen natürlich schwierig.

60 Schüler in der Notbetreuung, auch gemischt

Doch Portugall unterstreicht auch: Nicht die Pädagogen sollten in der aktuellen Situation darüber entscheiden, sondern die Virologen, die Ärzte, die Virus-Experten.

Was sie ganz generell hinzufügen möchte – und das bezieht sich darauf, dass die Klassenräume zwar geschlossen sind, die Räume der Notbetreuung aber offen. „In den Notgruppen haben wir 60 Schüler, da mischen wir natürlich auch die Klassen.“

In einem geregelten Wechselbetrieb aber hätte man kleine Gruppen mit festen Sitzplätzen. „Da würde ich das Risiko für überschaubar halten, aber vielleicht sehen das Virologen anders.“

„Finde den Antrag jetzt nachvollziehbarer“

Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Gymnasien, schaut auf die Inzidenzzahl. Man nähere sich jetzt doch rasant der 200er-Marke.

Sodass es wohl keine Frage sei, ob man sie reiße, sondern nur wann. Und wenn das schon Mitte nächster Woche der Fall sei, wie man befürchten könne… „ein Wechselunterricht für zwei Wochen, vielleicht sogar nur für zwei Tage hat keinen Sinn“, verdeutlicht Katthagen: „Deshalb finde ich den Antrag jetzt nachvollziehbarer als den kurz vor den Osterferien.“

„Videokonferenzen haben zuletzt super geklappt“

Hinbekommen werde man aber beides: Distanz- wie Wechselunterricht, hieß es da noch am Freitagnachmittag. In beidem habe man mittlerweile genug Erfahrung durch diese lange Corona-Zeit mit all den Wechseln für die Schulen.

Auch Jutta Portuall erklärt: „Die Kolleginnen haben sich zwar vorbereitet auf das Wechselmodell.“ Aber das Distanzlernen werde auch an der Grundschule besser: „Die Videokonferenzen haben zuletzt super geklappt.“

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff
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