Schüler ab der Jahrgangsstufe 6 sind seit dem 15. März wieder im Wechselunterricht. © dpa

Schulen in Dortmund schließen? Lehrer: „Es wäre ein fatales Signal“

Erst will die Stadt Dortmund den Präsenzunterricht an den Schulen ab Mittwoch (17.3.) aussetzen. Dann schmettert das Land NRW das ab. Und die Schulleiter? Sie waren mindestens irritiert.

Was würde am Mittwoch (17.3.) passieren in den 155 Schulen in Dortmund? Sollten sie nun geschlossen bleiben, wie es die Stadtverwaltung am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz gesagt hatte?

Oder würde das Land NRW diesen Vorstoß kassieren, so wie in Düren vor wenigen Tagen?

Zunächst war das unklar für die Lehrer und Schulleiter. Sie wussten zunächst nur, dass nach dem Willen der Stadtverwaltung alle Schulen in Dortmund wieder schließen sollten – und das nachdem sie gerade erst wieder den Betrieb hochgefahren hatten.

„Es täte mir wahnsinnig leid für die Kinder“

Christof Nattkemper, Direktor des Goethe-Gymnasiums im Stadtteil Hörde, sagte: „Ich finde es als rational denkender Mensch nachvollziehbar, auf die Entwicklung der Zahlen so zu reagieren. Aber es wäre ein fatales Signal.“

Die Wiederaufnahme des Unterrichts sei mit viel Mühe vorbereitet worden. Zudem befinden sich viele Schüler kurz vor wichtigen Abitur-Prüfungen. Oberbürgermeister Thomas Westphal hatte bereits angedeutet, dass für Prüfungen Ausnahmen gelten sollen.

„Es täte mir wahnsinnig leid für die Kinder, die froh waren, dass sie mal wieder in der Schule waren“, sagt Nattkemper.

„Vorsicht ausgedrückt ziemlich irritierend“

„Ich finde es vorsichtig ausgedrückt ziemlich irritierend, dass so ein Vorschlag nicht mit den Schulen abgestimmt ist, sondern das man dies aus der Presse erfahren muss“, sagt Hubert Mittler, Leiter der Emscherschule (Hauptschule) in Aplerbeck.

Für seine Schüler sei eine Schulschließung ein schwerer Schlag. Einige kämen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Für sie sei Schule enorm wichtig.

Viele Nachfragen von Eltern und Schülern

Nachdem Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Nachmittag klargestellt hatten, sie würden diesen Vorstoß aus Dortmund abschmettern, wirken mehrere Schulleiter erleichtert.

Nadim Al-Madani (Gesamtschule Scharnhorst) etwa sagt: „So haben wir auch geplant.“ Es habe schon eine Menge Nachfragen gegeben. „Ein Schüler, der sich gerade auf die Vorabiturprüfungen vorbereitet, wird dann schon elektrisch“, erklärt Al-Madani.

Reagieren wollte die Schule aber erst, wenn von offizieller Stelle die Nachricht der sofortigen Schulschließung in Dortmund gekommen sei. „Das haben wir in dem vergangenen Jahr gelernt“, so der Schulleiter. „Unser Weg ist immer, erst mal die Schulmail abzuwarten.“

Weiter im zweiwöchigen „Testlauf bis zu den Ferien“

Michael Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Dortmunder Gymnasien, erinnerte daran, dass man sich doch auf den zweiwöchigen Probebetrieb bis zu den Osterferien geeinigt habe. Zumindest so weit es die weiterführenden Schulen angeht.

Die Aussagen vom Dienstag „haben viel Unruhe hereingebracht“, so Katthagen. Eltern wie Schüler hätten gefragt: Was gilt denn am Mittwoch, Unterricht wie geplant oder doch wieder nur digitales Lernen auf Distanz?

Er finde es richtig, so Katthagen weiter, „den Testlauf bis zu den Ferien“ fortzusetzen. Danach könne man sachlich und auf Basis von Zahlen und Fakten entscheiden, wie es weitergehen soll.

Realschul-Sprecherin: „War relativ entspannt“

„Wir sind von der Ankündigung völlig überrascht worden“, sagt Christel Stegemann. „Sie hat für Verwirrung gesorgt.“ Die Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Realschule in Nette und Sprecherin der Realschul-Leitungen erfuhr von Eltern von der Ankündigung der Stadtverwaltung – kurz vor einer Lehrerkonferenz.

„Wir haben während der Konferenz dann versucht, von der Bezirksregierung in Arnsberg Näheres zu erfahren“, sagt Stegemann. „Ich war aber relativ entspannt, weil ich davon ausgegangen bin, dass der Gesundheitsminister ähnlich entscheiden wird wie im Kreis Düren. Und habe deswegen die Hoffnung gehegt, dass ich unsere Schüler morgen früh wiedersehe.“

Christel Stegemann sagt aber auch: „Ich glaube nicht, dass der Stadt Dortmund daran gelegen ist, von jetzt auf gleich Lehrer, Eltern und Schüler zu verunsichern.“

Sorge vor der Mutation: Wie ansteckend sind Kinder?

„Kinder brauchen Schule“, unterstreicht Jutta Portugall, Sprecherin der Grundschulen und Leiterin der Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen.

Was allerdings Sorge bereite: dass die Virus-Mutation B.1.1.7 sich unter Kindern und Jugendlichen offenbar rasanter verbreite und dort häufig keine Symptome verursache. Heißt: Mädchen und Jungen wirken nicht krank, verbreiten diese Corona-Mutation aber weiter. Unbemerkt.

Dennoch befindet auch Portugall: „Wir sind jetzt in einem guten Wechselsystem.“ Das sollte man nur kippen, wenn die Zahlen tatsächlich alarmierend wären.

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Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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