Lehrer müssen die Testflüssigkeit für die Selbsttests der Schüler abfüllen. © picture alliance/dpa
Corona-Tests

„Schule ist kein Testzentrum“ – Lehrer aus Dortmund sauer auf Land NRW

Negativer Selbsttest? Dann können Schüler von ihren Lehrern ab sofort einen Nachweis verlangen. Diese Anweisung des Landes NRW macht Lehrer aus Dortmund sauer. Aus mehreren Gründen.

Zwei Mal pro Woche müssen alle Schüler in Dortmund einen Corona-Test machen. Nur bei negativem Ergebnis dürfen sie am Unterricht teilnehmen. Theoretisch muss das nicht in der Schule sein, sondern kann auch aktuell an einem Schnelltest-Zentrum geschehen.

Die einfachere Variante, die aber die allermeisten Schüler wählen: eine Teilnahme an den Selbsttests im Klassenverbund an weiterführenden Schulen, beziehungsweise an den „Lolli-Tests“ an Grund- und Förderschulen. Bis Ende vergangener Woche (KW 21) hatte deren Ergebnisse nur eine Funktion.

Nachweis so gut wie aus dem Schnelltest-Zentrum

Sie sollten nachweisen, dass die Kinder und Jugendlichen nicht corona-ansteckend sind. Doch seit Montag (31.5.) gilt eine Änderung.

Nun haben die Schüler – und ihre Eltern – ein Anrecht auf Unterschrift und Stempel der Schule. Auf einem Nachweis, der gleichbedeutend ist mit dem schriftlichen Ergebnis eines Schnelltest-Zentrums.

„Frage mich, was wir alles übernehmen sollen“

„Ich frage mich, was wir noch alles übernehmen sollen“, ärgert sich Jutta Portugall, die Sprecherin der Grundschulen in Dortmund. „Schulen sind keine Teststellen und sollten auch keine sein.“ Sie hat auch Gründe dafür.

„Wir machen schon die ganze Logistik der Lolli-Tests, das muss alles mit Barcodes versehen werden“, weiß Portugall, die auch die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen leitet. Immer neue Aufgaben seien in den vergangenen Monaten hinzugekommen. Und personelle Unterstützung gebe es nicht.

Jutta Portugall leitet die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen.
Jutta Portugall leitet die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen. © Michael Nickel © Michael Nickel

„Im Testzentrum tritt jeder einzeln ein“

Von den Sprechern der weiterführenden Schulen kommen weitere Argumente gegen die neue Regelung. Ein wichtiges hängt damit zusammen, dass dort die Tests andere sind.

„Im Testzentrum tritt jeder einzeln ein und bekommt seine Probeentnahme“, erklärt Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Gymnasien in Dortmund. In der Klasse sei die Situation völlig anders.

Kann der Lehrer die korrekte Durchführung bestätigen?

„Als Lehrer weiß ich zwar, dass meine Schüler den Test selbst durchführen“, so Katthagen: „Aber kann ich im Einzelfall mit meiner Unterschrift beweisen, dass das jeder das korrekt durchgeführt hat?“ Sei das Stäbchen weit und lange genug in der Nase gewesen? Sei der Tupfer in der Lösung gut genug ausgewaschen?

„Also ich habe Bauchschmerzen dabei. Ich finde das nicht gut“, sagt Katthagen. Zumal die Selbsttests als fehleranfälliger gelten als Schnell- oder PCR-Tests.

Woher genügend Stempel nehmen für alle Klassen?

Ein ganz praktisches Problem bei der Umsetzung steuert Christel Stegemann bei, die Leiterin der Albert-Schweitzer-Realschule in Nette und zugleich Sprecherin der Realschulen: Den Nachweis müsse man auch abstempeln.

Woher aber genügend Stempel nehmen für alle Klassen? „Unser Sekretariat kann einen solchen Ansturm auch nicht bewältigen.“

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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