Seit sechs Jahrzehnten unzertrennlich: Alte Schule knüpft Freundschaft fürs Leben

dzBittermark-Schule

Vor knapp 60 Jahren hat die Bittermark-Schule ihren letzten Jahrgang verabschiedet. Den ehemaligen Schülern bleiben die Erinnerungen – und zum Teil auch Freundschaften.

Bittermark

, 10.11.2020, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anette Wiegand und Marie Theisen-Wiegand sind 67 Jahre alt. Die beiden Frauen haben sich vor rund 60 Jahren in der ersten Klasse kennengelernt – und sind bis heute befreundet. Doch während ihre Freundschaft die Zeit überdauert hat, gibt es ihre Schule schon lange nicht mehr.

Nach den Osterferien 1961 wurde der letzte Jahrgang in dem kleinen Schulgebäude an der Bittermarkstraße 62 eingeschult und verließ die Schule, die nur für die erste Klasse war, bereits ein Jahr später wieder. Danach wurde das Gebäude zunächst von der evangelischen Kirchengemeinde Wellinghofen genutzt, später als Wohnhaus.

Derzeit bauen Inga Reimers (33) und Linus Weber (23), die das Haus im Juli von der 91-jährigen Vorbesitzerin kauften, die alte Schule um. Das junge Paar möchte sich damit den Traum vom Eigenheim erfüllen. Doch neben der Freude auf das künftige Zuhause ist da auch die Neugierde, wie sich das Gebäude seit seiner Erbauung 1873 entwickelt hat.

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Freundschaft ja, Verwandtschaft nein

Auf einen Aufruf dieser Redaktion hin, Bilder und Erinnerungen an die alte Schule zu teilen, meldeten sich zahlreiche ehemalige Schüler. Darunter auch Anette Wiegand. „Ich bin Ostern 1960 dort eingeschult worden“, schrieb sie an die Redaktion. „Mit meiner Schulfreundin Marie bin ich bis heute befreundet.“

Und nicht nur das: Die beiden heute 67-Jährigen wohnen auch jetzt noch im Stadtbezirk Hombruch. Marie Theisen-Wiegand lebt in ihrem Elternhaus im Ortsteil Schanze, Anette Wiegand wohnt in Barop.

„Die Namensgleichheit hat übrigens nichts mit einer Verwandtschaft zu tun“, sagt Anette Wiegand im Gespräch mit der Redaktion. „Marie hat nur zufällig einen Mann geheiratet, der so heißt wie ich.“

Wegen der Corona-bedingten Abstandsregeln gibt es kein aktuelles gemeinsames Bild der Freundinnen. Aber auch in dieser Zeit hält die Freundschaft von Marie Theisen-Wiegand (l.) und Anette Wiegand.

Wegen der Corona-bedingten Abstandsregeln gibt es kein aktuelles gemeinsames Bild der Freundinnen. Aber auch in dieser Zeit hält die Freundschaft von Marie Theisen-Wiegand (l.) und Anette Wiegand. © Privat

Doch abgesehen von der fehlenden Verwandtschaft sind die beiden Freundinnen eng miteinander verbunden. „Es ist einfach schön, jemanden zu haben, der auch die Menschen noch kennt, die schon lange nicht mehr da sind – Eltern, Geschwister und alte Freunde“, erklärt Anette Wiegand.

Freundschaft lebt wieder auf

Die beiden Frauen telefonieren und treffen sich regelmäßig, zuletzt an Halloween mit dem gebotenen Corona-Abstand. Aus den Augen verloren hatten sie sich nie, auch wenn die Zeit der Familiengründung von Marie Theisen-Wiegand und des Medizin-Studiums von Anette Wiegand den Kontakt zeitweise verringert hat.

„Jetzt ist es zwischen uns wieder viel enger“, sagt Anette Wiegand. Und die beiden erinnern sich gerne an ihr Jahr an der Bittermark-Schule zurück, das sie zusammengeführt hat. An den Lehrer Herrn Riege, das kleine Klassenzimmer mit dem warmen Ofen und das gruselige Toiletten-Häuschen außerhalb der Schule.

Ihre übrige Grundschulzeit verbrachten sie in Kirchhörde. „Aber zum Konfirmationsunterricht war ich nochmal in unserer alten Schule“, sagt Anette Wiegand. „Das war schön.“

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Inga Reimers und Linus Weber haben sich daran gemacht, die alte Schule an der Bittermarkstraße zu neuem Leben zu erwecken. Viel Arbeit - und eine Spurensuche in der Stadtteil-Geschichte. Von Britta Linnhoff

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