Schüler setzen auf einer Straßenbahn bunte Zeichen gegen Rassismus

dzAktion gegen Rassismus

Auf der Linie U43 wird ab dem 8. Juli eine wichtige Botschaft gesendet: 200 Schüler aus sieben Schulen haben Kunstwerke gegen Rassismus angefertigt, die nun einen Bahnwagen zieren.

Dorstfeld

, 08.07.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Chamäleon wechselt die Farben, es ist bunt und vielfältig. Für Fabienne Lawo (15) vom Reinoldus-und-Schiller-Gymanisum „steht das Reptil perfekt für Vielfalt“. Gemeinsam mit einer Freundin hat sie so ein Chamäleon für eine ganz besondere Aktion gemalt.

60 solcher Motive schmücken nun einen Bahnwagen der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) auf der Linie U43 zwischen Dorstfeld und Wickede. Und diese Motive haben eine Botschaft: Gegen Rassismus, für Toleranz und Vielfalt.

Ein Lehrer kam auf die Idee

Eine Nazi-Demo im Kreuzviertel im vergangenen Jahr, quasi direkt vor seiner Haustür, entfachte den Wunsch bei Matthias Oidtmann, etwas zu bewegen. Oidtmann ist Politik- und Erdkunde-Lehrer am Asselner Immanuel-Kant-Gymnasium. Inspiriert durch ähnliche Aktionen in anderen Städten entwickelte er die Idee, gemeinsam mit seinen Schülern einen U-Bahnwagen zu gestalten.

Schüler setzen auf einer Straßenbahn bunte Zeichen gegen Rassismus

Neben Oberbürgermeister Ullrich Sierau (l.), dem DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung (r.) und Initiator Matthias Oidtmann (unten rechts mit dem Banner) waren rund 200 Schüler an der Aktion gegen Rassismus beteiligt. © Jochen Linz

Oidtmann trat mit seiner Idee im Juli 2018 an die DSW21 heran. Dem Projekt wurde sofort zugestimmt, ein Bahnwagen wurde zur Verfügung gestellt. Laut DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung sei es für das Unternehmen ein wichtiges Anliegen „Flagge und Toleranz zu zeigen“. „Bei der DSW21 arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft, deshalb setzen wir uns gegen Rassismus ein“ ergänzt DSW21-Pressesprecherin Britta Heydenbluth.

Es gab auch Unterstützung aus der Politik: Der Brackeler Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka warb bei seinen Amtskollegen in den Bezirken Ost und West für das Projekt. Die Idee hat Czierpka sofort begeistert: „Damit zeigen die Bezirke nicht nur ihre Verbundenheit, sie ermöglichen es damit Kindern und Jugendlichen, ein starkes Signal für Vielfalt und Toleranz in die Stadt zu senden“. Insgesamt konnten so 7.000 Euro für das Projekt organisiert werden.

200 Schüler aus sieben Schulen waren beteiligt

Neben der Schule von Oidtmann, dem Immanuel-Kant-Gymnasium, waren auch noch folgende Schule beteiligt: Das Reinoldus-und-Schiller-Gymnasium, die Funke-Grundschule, die Martin-Luther-King-Gesamtschule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium, das Mallinckrodt-Gymnasium und das Robert-Schuman-Berufskolleg. Insgesamt hatten rund 200 Schüler Bilder für das Projekt angefertigt.

Aus den Bildern der Schüler wurden 60 Motive für die Gestaltung des Bahnwagens ausgewählt. Diese Motive auszuwählen war laut Oidtmann ein „schweres Stück Arbeit“. Vorgaben zur Gestaltung für die Schüler gab es keine, nur eine grobe Richtung, anhand von fünf Begriffen: Zukunft, Vielfalt, Respekt, Gemeinschaft und Freundschaft.

Schüler setzen auf einer Straßenbahn bunte Zeichen gegen Rassismus

Chamäleon als Zeichen für Vielfalt: Fabienne Lawo (15) vom Reinoldus-und-Schiller-Gymnasium mit ihrem Bild. © Robin Albers

Das Bild von der Anna Meyke (16) aus der zehnten Klasse des Immanuel-Kant-Gymnasiums hat gleich mehrere Bedeutungen: Zwei Hände unterschiedlicher Hautfarbe stehen für Toleranz, ein Armband im Regenbogenmuster soll für die Akzeptanz von LGBTQ-Menschen stehen und eine chinesische Tätowierung steht für Frieden. „Das sind alles Themen, die für mich wichtig sind, deshalb habe ich sie alle in einem Bild verarbeitet“, erklärt sie.

Schüler setzen auf einer Straßenbahn bunte Zeichen gegen Rassismus

Hand in Hand gegen Rassismus: Anna Meyke (16) vom Immanuel-Kant-Gymnasium mit ihrem Bild. © Robin Albers

An der Aktion hat der Neuntklässlerin Fabienne Lawo besonders gefallen, dass sie und ihre Mitschüler sich mehr mit dem Thema Rassismus auseinander gesetzt haben: „Dafür fehlt im Unterricht leider häufig die Zeit“.

Engagement begeistert Oberbürgermeister Sierau

Nachdem die Motive und das Projekt bereits im Mai auf dem Dortbunt-Stadtfest vorgestellt wurden, wurde am heutigen Tag (8. Juli) der fertig gestaltete Bahnwagen auf dem Betriebshof in Dorstfeld vorgestellt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau war auch dabei, um sich das Ergebnis selbst anzuschauen. Er sei besonders vom „bürgerlichen Engagement“ der Schüler und von Lehrer Matthias Oidtmann begeistert. Sierau garantiert auch, dass der Wagen immer wieder hergestellt wird, sollte es Störungen von Rechts geben. Der Wagen soll in der Form mindestens ein Jahr auf der Linie U43 zu sehen sein.

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