Viele Politiker sind der Meinung, dass Schülertickets für Bus und Bahn zukünftig für die Familien kostenlos sein sollen. © Archiv
Kosten für Familien

Schoko-Ticket wird teurer: Elternvertreterin fordert ein neues Modell

Das Schoko-Ticket wird teurer. Aber für wen? Die Politik hat eine Kostenübernahme diskutiert - dabei ging es auch um eine ganz andere Alternative als neues Schüler-Ticket nur für Dortmund.

Die Erhöhung des Eigenanteils fürs Schoko-Ticket hat die Dortmunder Lokalpolitik in der vergangenen Woche beschäftigt. Für das erste Kind einer „anspruchsberechtigten“ Familie soll es ab dem kommenden Schuljahr monatlich 14 statt 12 Euro kosten, für das zweite Kind 7 statt 6 Euro. Im Schulausschuss der Stadt Dortmund ist die Diskussion dazu umfangreicher geworden.

Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern Dortmund, fordert ein anderes Angebot als Alternative zum Schoko-Ticket. „Wir wünschen uns ein unabhängiges Ticket innerhalb unserer Stadt“, sagte sie.

Alle Kinder sollten ihrer Ansicht nach gleichermaßen mobil sein, egal, wie weit entfernt sie von ihrer Schule wohnen. Ist der Weg zur Schule länger als dreieinhalb Kilometer, können Familien aktuell Anspruch auf Übernahme eines Teils der Fahrtkosten haben. So zahlen sie weniger als andere Familien.

„Das Schoko-Ticket geht über den Anspruch hinaus“

Für Anke Staar ist es im Sinne des Klimaschutzes wichtig, dass alle Kinder sich daran gewöhnen, „dass der ÖPNV so attraktiv ist, dass ich als Erwachsener gar nicht das Bedürfnis habe, mir ein eigenes Fahrzeug anzuschaffen“. Dafür wünscht sie sich ein neues günstiges Ticketmodell.

„Alternative Ticketformate sind deutlich teurer oder bieten keine Verbesserung des Angebotes“, sagte Julian Jansen von den Grünen zu diesem Vorschlag. Staar geht es aber gar nicht um ein Plus an Leistung. „Das Schoko-Ticket geht über den eigentlichen Anspruch hinaus“, sagte sie. Vor vier Jahren habe eine Befragung ergeben, dass nur drei Prozent aller Schüler das Schoko-Ticket außerhalb von Dortmund nutzen, so Staar. Es ist bis Düsseldorf gültig.

Ziel der Grünen sei es, einen kostenlosen Nahverkehr für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, betont Partei-Sprecher Jansen. Bund und Land sieht man „perspektivisch“ in der Pflicht, Mittel dafür bereitzustellen. Einen konkreten Schritt soll es jetzt schon geben: „Wir wollen die Erhöhung des Elternanteils fürs kommende Schuljahr übernehmen.“ Mit „wir“ ist in diesem Fall nicht die Partei, sondern die Stadt Dortmund gemeint.

Die SPD geht einen halben Schritt weiter: Die Dortmunder Verwaltung soll „Lösungsvorschläge unterbreiten, die die Übernahme des gesamten Eigenanteils für anspruchsberechtigte Schülerinnen und Schüler aus dem kommunalen Haushalt gewährleistet“. So könnten die betreffenden Kinder und Jugendlichen Bus und Bahn komplett kostenlos nutzen. Den Anträgen beider Parteien hat die Mehrheit der Politiker zugestimmt.

Keine Abkehr vom Schoko-Ticket

Weil die Frage der Kostenübernahme bis Ende März geregelt sein muss, blieb es damit zunächst bei der Diskussion um das Ticket. „Wir werden keine Lex Dortmund schaffen“, sagte Roland Spieß für die SPD zu einer eventuellen Abkehr vom Schoko-Ticket, das in vielen weiteren Städten gilt.

Die CDU wollte den Anträgen der anderen Parteien im Schulausschuss nicht folgen. „Wenn wir an Land und Bund appellieren, können wir das auf anderen Wegen tun“, sagte Dr. Eva-Maria Goll. Ihrer Ansicht nach sei es Aufgabe der politischen Gremien des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), die Ticketmodelle zu diskutieren.

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Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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