Grüne Welle per App? Die Politik in Dortmund findet daran keinen Gefallen. © RN-Archiv
Verkehrsplanung

Schnapsidee? Wie es mit der Grüne-Welle-App für Dortmund weitergeht

Schon aus der Ferne als Auto- oder Radfahrer die grüne Welle an Ampeln erkennen - das wollte die Stadt Dortmund mit einer App ermöglichen. Doch der Nutzen ist hochumstritten. Das hat Konsequenzen.

Bremsen oder Tempo machen – eine App könnte die Wahl erleichtern. Sie verrät, wie die Ampeln, die auf dem weiteren Weg liegen, schalten, wann mit Grün- und wann mit Rotlicht zu rechnen ist. Auto und Radfahrer sollen so ihre Geschwindigkeit frühzeitig anpassen – und Benzin beziehungsweise Kraft sparen.

„Trafficpilot“ („Verkehrspilot“) heißt die App fürs Smartphone, die zurzeit in Düsseldorf erprobt wird. Doch in Dortmund stößt die von der Stadt geplante Einführung auf wenig Gegenliebe. Das liegt nicht nur an den hohen Kosten von 330.000 Euro, die die Verwaltung für die technische Ausrüstung der Ampeln in Dortmund investieren will. Es gibt auch generelle Zweifel am Nutzen und der Sicherheit der App.

Reihum fiel der Vorschlag der Verwaltung deshalb in den vergangenen Wochen bei den politischen Beratungen in den Bezirksvertretungen durch. Die meisten Politiker schlossen sich der Kritik des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) an, der die App als „gefährliche Technik-Spielerei“ sieht.

„Die versprochene Grüne Welle für Rad- und Autofahrerinnen und Autofahrer ist nicht viel mehr als ein Marketing-Gag, die erwartete CO2-Einsparung mehr als fraglich“, so der VCD. Auf der anderen Seite gehe die Technik-Spielerei auf Kosten der Verkehrssicherheit, weil sie die Verkehrsteilnehmer vom Verkehrsgeschehen ablenke.

Kritik von Verbänden

Die Fachpolitiker im Ratsausschuss für Mobilität schlossen sich nun den Bedenken an. „Bei uns haben sich viele Verbände gemeldet und gefragt, was das für eine Schnapsidee sein soll“, berichtete Grünen-Ratsherr Leander Schreyer in der Ausschuss-Sitzung. Sich bei der Radverkehrsförderung auf eine App zu fokussieren, gehe am Ziel vorbei, stellte er fest. Ähnlich sahen es die Sprecher anderer Fraktionen.

CDU-Sprecher Reinhard Frank räumte ein, dass einige Argumente wie die Kraftstoff-Ersparnis zwar nachvollziehbar seien, auf der anderen Seite stünden aber auch die nicht unerheblichen Kosten. Auch seine Fraktion tendiere daher zur Ablehnung des Vorhabens, falls von Seiten der Verwaltung noch der „große Wurf“ in Form von überzeugenden Argumenten komme.

Verwaltung zieht Vorlage zurück

Soweit kommt es allerdings vorerst nicht. Der Vorschlag der Verwaltung zur Einführung der Traffic-App wird den Rat als Beschlussgremium zu seiner Juni-Sitzung gar nicht erreichen. Denn Baudezernent Arnulf Rybicki zog die Vorlage noch während der Ausschussberatungen zurück. Weniger aus Einsicht, sondern weil klar war, dass es keine Mehrheit dafür gibt.

„Wir hatten vermutet, sie wollten mit uns vor der Welle sein“, stellte Rybicki nicht ohne Süffisanz fest. „Offenbar ist in Dortmund die Zeit für diese Ideen noch nicht gekommen.“

Laufender Pilotversuch

Ganz einstampfen will der Dezernent das Konzept aber nicht. Er verwies auf den bis Ende 20221 laufenden Pilotversuch mit der Traffic-App in Düsseldorf. Dort gehe es auch darum, dass Radfahrer mit der App grünes Licht an Ampeln anfordern könnten.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass man das Projekt später noch einmal vorbringe, deutete Rybicki an. „Wir warten bis die Zeit dafür reif und gekommen ist.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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