Der Angeklagte kündigte zu Prozessbeginn ein umfassendes Geständnis an. © picture alliance/dpa
Bestechung

Schmiergeld-Skandal im Verkehrsamt: Offenbar illegale Fahrzeuge zugelassen

Über Jahre hinweg soll sich ein Teamleiter im Straßenverkehrsamt von einem befreundeten Autohändler schmieren lassen haben. Grund soll seine finanzielle Schieflage gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft hat den 61-Jährigen zunächst zwar nur wegen zehn mutmaßlicher Bestechungsfälle angeklagt. Tatsächlich soll die Zahl der Taten jedoch bei weit über 300 liegen: Über Jahre soll ein Teamleiter im Straßenverkehrsamt Schmiergelder von einem befreundeten Autohändler angenommen haben. „Ich kenne ihn schon aus Schulzeiten“, sagte der Straßenverkehrsamts-Mitarbeiter beim Prozessauftakt am Dienstag vor dem Dortmunder Landgericht. Und irgendwann sei man dann eben ins Geschäft gekommen.

Harleys und Porsche

Der Schwindel lief dann offenbar so ab: Der Kfz-Händler importierte regelmäßig Motorräder der Marke Harley Davidson sowie Oldtimer und Porsche, die eigentlich für den Rennsport gebaut worden waren. Alle Fahrzeuge hatten eines gemeinsam: Ohne eine zusätzliche teure Prüfung waren sie in Deutschland nicht für den Straßenverkehr zugelassen.

An diesem Punkt sprang dann aber offenbar der Mann aus dem Straßenverkehrsamt ein. Laut Anklage bescheinigte er allen Fahrzeugen die TÜV-Prüfung und ließ sie dann ganz offiziell zu. Der Fahrzeughändler konnte die Maschinen anschließend offenbar problemlos an gutgläubige Kunden verkaufen.

Kunden ahnten nichts

Von seinem Verdienst soll der Unternehmer dem Angeklagten regelmäßig wenigstens ein bisschen was abgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die gezahlte Schmiergeldsumme bei 100 Euro pro Auto und 50 Euro pro Motorrad lag.

Das Geld konnte der heute 61-Jährige offenbar bestens gebrauchen. Nach dem Tod eines ungeborenen Kindes seien seine Frau und er in ein tiefes seelisches Loch gefallen. „Und wir waren zu stolz, um Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagte der Mann den Richtern.

Finanzielle Probleme

In den folgenden Monaten habe die Familie schließlich deutlich mehr Geld ausgegeben, als er im Amt verdient habe. „Irgendwann habe ich dann einen Kredit aufgenommen und später noch einen, und am Ende standen wir mit 50.000 Euro Schulden da“, so der Angeklagte.

Über die einzelnen Bestechungsfälle wird der Mann erst am nächsten Verhandlungstag mit den Richtern sprechen. Er sagte aber bereits: „Ich habe diesen Mist gemacht.“

Weiterer Prozess im März

Wenn sein Verfahren wahrscheinlich Anfang März abgeschlossen sein wird, kann er sich mit dem befreundeten Autohändler sozusagen die Klinke des Gerichtssaals in die Hand geben. Der Prozess gegen den Geschäftsmann soll Ende März bei derselben Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts beginnen.

Hat der 61-jährige bis dahin keine Revision eingelegt und das Urteil gegen ihn rechtskräftig werden lassen, wäre er natürlich ein gern gesehener Zeuge in dem Prozess gegen den Kfz-Händler.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.