Schlepper bringen Jordan (25) von Brasilien nach Dortmund – nun ist seine Zukunft ungewiss

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Der Brasilianer Jordan ist gerade in seiner Heimat und will zurück nach Dortmund, um hier eine Ausbildung zu beginnen. Die Behörden erlauben es ihm aber nicht. Es ist viel schiefgelaufen.

Hörde, Körne

, 28.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Nachmittag des 24. September 2019 waren es 20 Grad in Barra do Pirai. Die Sonne schien über dem Städtchen in Brasilien, knapp 130 Kilometer entfernt von Rio de Janeiro. Jordan Fernandes dos Anjos, 25 Jahre alt, lebt hier. Eigentlich wäre er lieber wieder in Dortmund, bei 13 Grad und Nieselregen.

Am 2. September 2019 begrüßte die Firma Louis Opländer am Phoenix-See ihre neuen Auszubildenden. Jordan sollte eigentlich einer von ihnen sein, er ist noch immer in Brasilien und darf nicht nach Deutschland.

Die Fußballsaison hat für die zweite Mannschaft des SV Körne am 11. August 2019 begonnen. Ohne Jordan.

Jordan hatte nie ein Visum – das ist das Problem

Am 10. Juli 2019 war er kurz in Deutschland, da stieg er nach einem Flug aus Rio in Frankfurt aus dem Flugzeug. Die Bundespolizei fing ihn an der Grenze ab und schickte ihn zurück nach Brasilien.

Der 25-Jährige hat schon mal knapp drei Jahre in Dortmund gelebt, seinen deutschen Sprachtest hat er mit starken Werten bestanden, den unterschriftsreifen Ausbildungsvertrag hat er in der Tasche.

Schlepper bringen Jordan (25) von Brasilien nach Dortmund – nun ist seine Zukunft ungewiss

Jordan als Fußballer in Brasilien © privat

Ein Arbeitsvisum hatte er aber nicht dabei, als er im Juli in Frankfurt landete, ein Visum hatte er auch in den drei Jahren zuvor in Deutschland nicht. Und das ist das Problem. Jordan hätte ohne Visum nicht so lange in Dortmund leben dürfen.

Jetzt wirft ihm die Bundespolizei eine Straftat vor, einen Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz. Deswegen durfte er im Juli nicht einreisen. Deswegen ist es fraglich, ob und wann er überhaupt wieder zurück darf.

Jordan bezeichnet Dortmund als seine Heimat. 2016 ist er eingereist. Heute sagt er: „Ich wurde verarscht.“ Jordan half damals in Barra do Pirai seinem Vater bei Metallarbeiten, er spielte auch Fußball bei einem unterklassigen Verein. Das Geld reichte zum Überleben.

Eines Tages kam ein Mann auf seinen Vater zu und versprach, den Sohn nach Deutschland zu bringen. Da werde er Fußball spielen und viel Geld verdienen können. Er brauche nur 2000 Euro vom Vater, den Rest regele er schon.

Einige der jungen Brasilianer aßen aus dem Müll

Jordan und sein Vater kratzten das Vermögen zusammen, und so kam er nach Deutschland. Ohne Rückflugticket, ohne Fußballer-Vertrag, ohne Visum, dafür mit einer Unterkunft, in der er mit anderen Brasilianern wohnte. Weil der Vermittler aber nie eine Miete an den Vermieter überwies, flogen die Brasilianer raus.

„Einige sind zurück nach Brasilien, andere landeten auf der Straße und aßen aus der Mülltonne“, sagt Eliane Wrobel. Die gebürtige Brasilianerin kennt solche Maschen.

Schlepper bringen Jordan (25) von Brasilien nach Dortmund – nun ist seine Zukunft ungewiss

In diesem Haus in Brasilien wohnt Jordan, unten arbeitet sein Vater, in der Mitte und oben lebt er mit seiner Familie. © privat

Wrobel hat schon öfter jungen Brasilianern geholfen, die auf große Versprechungen reingefallen sind. So lernte sie auch Jordan kennen, besorgte ihm ein Dach über dem Kopf, heute sind die beiden eng befreundet. „Alle haben ihn gern, er ist immer hilfsbereit“, sagt sie. Über zwei Ecken kam der Kontakt zur Firma Louis Opländer zustande.

Eigentlich hätte Jordan schon im September 2018 eine Ausbildung bei Opländer beginnen sollen. Die Papiere fehlten aber. So reiste er im Frühjahr 2019 nach Brasilien, um alles zu regeln.

Warum er das nicht schon vorher gemacht hat? „Der Mann sagte mir, er kümmert sich“, sagt Jordan. Irgendwann war es dann zu spät, seine Familie konnte ihm nicht helfen, sie hatte kein Geld. Nach Brasilien zurück konnte er auch nicht, das Geld fürs Ticket fehlte.

Spieler des SV Körne sammeln Geld für Jordan

Als ihm dann im Frühjahr 2019 ein Bekannter den Flug bezahlte, ging es zurück, jetzt wollte er alles regeln. In Rio angekommen, verlor er seine Dokumente und musste sie neu beantragen.

Als Jordan Geld für Übersetzungen und Dokumente brauchte, startete die Mannschaft des SV Körne II eine Spendenaktion. „Innerhalb von zwei Tagen hatten wir 250 Euro zusammen“, sagt Trainer Mario Sopar.

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Mario Sopar, Trainer des SV Körne II, und sein Schützling Jordan. "Wir warten hier alle auf ihn", sagt Sopar. © privat

Am 9. Juli, einen Tag vor dem Flug nach Frankfurt, schrieb Jordan seinem Trainer: „Ich freue mich auf das Training mit den Jungs am Donnerstag!“ Daraus wurde nichts. „Jetzt warten wir alle auf ihn“, sagt Sopar.

Wie lange dieses Warten noch dauert, steht in den Sternen. Am 5. August reichte Jordan seinen Antrag auf Erteilung eines Arbeitsvisums beim Generalkonsulat in Rio ein. Vom Auswärtigen Amt heißt es, die Bearbeitung könne drei bis vier Monate dauern.

Die Ausländerbehörde der Stadt Dortmund muss eine Stellungnahme abgeben, ob die positiv oder negativ ausfällt, sei nicht absehbar. Seit dem 16. August lägen die Papiere hier, wie die Pressestelle der Stadt erklärt.

Die Polizei schreibt von „erheblichen Verstößen“

Auf Anfrage teilt die Bundespolizei in Frankfurt mit, dass es bei Jordan zu Beginn des Jahres „zu erheblichen strafrechtlich relevanten Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz kam“.

Die Behörde weist darauf hin, dass Brasilianer begünstigt sind, im Normalfall ohne Visum einreisen dürfen und dann drei Monate Zeit haben, eines zu beantragen. Das ist bei Jordan nie geschehen.

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Die Haare sind kürzer, der Bart ist länger. Dieses Foto schickte Jordan Ende September aus Brasilien. © privat

Nach seiner Rückkehr nach Brasilien im Frühjahr lief Jordan die Zeit davon. „Ich bin nervös geworden, ich wollte zurück und das Visum in Deutschland beantragen.“ Das ging aber nicht, wie er am 10. Juli erfahren musste.

Als Jordan wieder in Brasilien war, hat er den ersten möglichen Termin beim Konsulat angenommen. Jordan sagt: „Ich brauche nicht viel, ich will ein ruhiges Leben, eine vernünftige Arbeit.“

Jordans Zukunft liegt jetzt nicht mehr in seinen Händen, sondern bei den Behörden, die über seinen Antrag entscheiden. Das letzte Wort hat nun das Generalkonsulat in Rio.

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