Schlagloch-Strecken und rote Ampeln - Das sind die Lehren aus der Stadtradel-Aktion

dzAmtsleiterin auf dem Rad

Die Stadt Dortmund hat in Sachen Förderung des Radverkehrs Besserung versprochen. Jetzt liefert ein Selbsttest der zuständigen Amtsleiterin wichtige Erkenntnisse.

Dortmund

, 22.09.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stadtradeln heißt die bundesweite Aktion, die dazu aufruft, drei Wochen auf das Auto zu verzichten und den Weg zur Arbeit und zurück mit dem Fahrrad zurückzulegen. Sie endet am 22. September.

Mit 64 Mitarbeitern ist auch das städtische Tiefbauamt, zuständig für Bau und Unterhaltung von Radwegen, mit dabei - allen voran Amtsleiterin Sylvia Uehlendahl. Und sie kann wertvolle Lehren aus dem dreiwöchigen Stadtradeln ziehen.

In einem Blog schildert Sylvia Uehlendahl ihre Erlebnisse während der täglichen Radtouren, die von ihrem Wohnort im Südosten der Stadt über Strecken von 18 bis 20 Kilometern zum Arbeitsplatz am Königswall führen. Drei verschiedene Routen hatte ihr der städtische Fahrradbeauftragte Fabian Menke empfohlen.

Und die Erfahrungen sind durchaus positiv. „Es gibt gute und sichere Radwege-Verbindungen - aber nicht unbedingt an den Hauptverkehrsstraßen, sondern eher über die Nebenstraßen“, stellt Sylvia Uehlendahl in einem Gespräch mit unserer Redaktion fest.

Holprige Nebenstraßen

Kritisch räumt die Amtsleiterin aber auch Mängel ein. Einer der grravierendsten: Gerade die Nebenstrecken sind oft in schlechtem Zustand, gespickt mit Asphaltflicken und Schlaglöchern.

„Vorrangig wurden in den letzten Jahren die Hauptverkehrsstraßen grundlegend saniert“, schreibt Sylvia Uehlendahl in ihrem Blog.. „Bei den Nebenstraßen, in denen ja oft der Radverkehr geführt wird, sieht es flächendeckend noch nicht so gut aus“.

Ihre Konsequenz: In Zukunft sollen zwingend auch die Radverkehrsrouten über Nebenstraßen bei der Priorisierung von Sanierungsentscheidungen im Tiefbauamt einfließen.

Mehr Fahrradstraßen

Verbesserungsbedarf hat Sylvia Uehlendahl auch an der Wegweisung und Radführung an Kreuzungen ausgemacht. Schließlich fiel ihr auf, dass viele Radfahrer rote Ampeln verbotenerweise ignorieren - oft, weil die Ampelphasen nicht auf den Rad-, sondern auf den Autoverkehr eingestellt sind.

Eine „grüne Welle“ für den Radverkehr werde es sicherlich nicht geben, erklärt die Amtsleiterin. Möglich und teilweise schon in Vorbereitung seien aber Maßnahmen wie die Früherkennung des Radverkehrs an Ampeln, damit man möglichst gar nicht und wenn nur kurz warten muss, und mehr Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer Vorfahrt haben.

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Und es gibt auch positive Erkenntnisse aus der Stadtradel-Aktion: „Das Miteinander der Radfahrer untereinander ist viel zuvorkommender als bei den Autofahrern“, stellt Sylvia Uehlendahl fest.

Und das Radfahren mache auch in Dortmund Spaß. „Ich brauche zwar fast eine Stunde länger, aber komme deutlich entspannter im Büro an“, bilanziert die Amtsleiterin.

Noch Luft nach oben

Während es bei den Fahrradklima-Umfragen des ADFC zuletzt meist schlechte Noten für die Radverkehrsbedingungen in Dortmund gab, würde Sylvia Uehlendahl als Schulnote zumindest ein „befriedigend“ vergeben.

Aber es gibt noch reichlich Luft nach oben. „Unstreitig ist noch längst nicht alles gut, aber viele Verbesserungen sind auf dem Weg und viele weitere Maßnahmen werden folgen“, stellte Uehlendahl zu Beginn der Aktion fest.

Dazu beitragen soll vor allem zusätzliches Personal. Der Rat hat im Juli zehn zusätzliche Stellen für Planung, Bau und Unterhaltung von Radverkehrsinfrastruktur in Dortmund beschlossen, zwei davon im Planungsamt, acht im Bereich des Tiefbauamtes. Sie sollen nun möglichst bald besetzt werden. Es gibt schon Bewerbungen, berichtet die Amtsleiterin

Perspektivwechsel

Sie will am Ende auch selbst von einer Verbesserung der Radverkehrsbedingungen profitieren. Denn mit dem Ende der Stadtradel-Aktion am 22. September will sie nicht aus dem Sattel steigen.

„Aus mir hat das Stadtradeln eine begesiterte Radfahrerin gemacht. “, bilanziert Sylvia Uehlendahl. Und sie verspricht: „Ich werde auf jeden Fall weiter mit dem Rad fahren - wenn auch im Winter vielleicht nicht durchgängig.“

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