Schandmaul und Zotenkönig: Kay Ray bespaßt das Spiegelzelt, gewohnt derb und deftig

dzRuhrhochdeutsch

Er ist der Mann, der auf der Bühne blankzog und im Adamskostüm die Witze riss. Heute bleibt Kay Ray im Anzug, aber zitierfähig sind viele seiner Sprüche noch immer nicht.

Dortmund

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die ganz große tuntige Kriegsbemalung hat der Wahl-Hamburger Kay Ray abgelegt. Ein Wilder mit dem Mundwerk ist er geblieben. Auch wenn er sich nicht mehr auszieht auf offener Bühne und vor entgeistertem Publikum mit seinem Piephahn lustige Tiere formt.

Am Mittwoch im Spiegelzelt trug der Mann also keine Schminke im Gesicht, sein Haar war nicht grellbunt, aber seine Kodderschnauze unverkennbar. Der Comedian ist ein Schnell-Schnacker des derben Humors und sicher der größte Anarcho-Kasper, der je bei „Ruhrhochdeutsch“ zu Gast war.

Zwischendurch hatte er es sich verscherzt mit dem Veranstalter. Nicht wegen der Nackt-Nummer. Sondern weil er (wohl beschwipst) Hochprozentiges über einem geliehenen Keyboard verschüttete. Der Schaden war beträchtlich, hörte man.

Schnee von gestern. Mittlerweile tritt Kay Ray wieder an im Spiegelzelt, das am Mittwoch knapp zur Hälfte gefüllt war - ein Konsenskomiker für die Masse wird nicht aus ihm werden. Die gekommen waren, wussten, worauf sie sich einlassen und hatten hörbar Spaß mit einem Sprücheklopfer, der eine Kunst daraus macht, haarscharf an der Grenze zu Peinlichkeit und Fremdschämen entlangzuschrappen.

Manchmal überschreitet er die Grenze, aber das gehört zur Show: Mit dem Tabu flirten, ohne es zu brechen? Geht gar nicht für einen, der sagt, Humor sei das Einzige, das wirklich befreie und nicht zensiert werden dürfe, obwohl viele seiner Kollegen das täten.

Nein, Kay Ray gibt Vollgas. Ohne Schonung, ohne nach politischer Korrektheit zu schielen. Jeder kommt dran, denn alle sind gleich und werden gleichermaßen durch den Kakao gezogen.

Das Wort Negerkuss sei verboten? Mohrenkopf auch? Wie wär’s mit Bimbo-Schädel? Okay, dann eben „übermäßig pigmentiertes Schaumgebäck“. Zigeuner oder Roma? Ach, sagen wir doch „Rotations-Europäer“!

Gefangene werden nicht gemacht - das ist Programm bei Kay Ray. Die Wortwahl ist deftig bis rüde. Es wird viel „untenrum“ gekaspert, das F-Wort schallt von der Bühne, Sexualorgane werden meist beim Straßennamen genannt. Gewöhnungsbedürftig? Ja. Zitierfähig? Nein, obwohl der Jux dahinter oft gar nicht so übel ist.

Mehr als einmal lacht man sich schwer ins Fäustchen über Kay Rays Versautheiten, die sich allermeistens über die Niederungen des gemeinen „Herrenwitzes“ erheben, obwohl der Scherzkeks auch mit dem Chauvinismus liebäugelt. Nur eine seiner provokanten Posen.

Der Mann spricht spontan und aus dem Stegreif, was er auch gerne zugibt. Droht er den Faden zu verlieren, rettet ihn sein Arsenal an Witzen: „Was kommt heraus, wenn man den Atheisten mit dem Zeugen Jehovas kreuzt? Eine Type, die ohne Grund an deiner Wohnungstür klingelt!“

Rampensau und Spaß daran! Nichts für Zimperliche.

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