Schalla-Prozess vor Ende – aber hohe Hürden vor einer Mord-Verurteilung

dzMordfall Nicole-Denise Schalla

Der Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla steuert auf sein Ende zu. Die Richter haben trotzdem noch eine ganze Menge Fragen. Auch eine Einstellung ohne Urteil wäre möglich.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 20.11.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel vor, die 16-Jährige im Herbst 1993 heimtückisch ermordet zu haben. Er habe versucht, Nicole-Denise Schalla zu vergewaltigen, und sie im Kampf erwürgt, als das nicht klappte.

Mehrere Varianten möglich

Am Freitag (20.11.) erklärte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm dazu: „Fakt ist, dass wir nicht wissen, wie die Tat abgelaufen ist.“ Der Täter könne die Schülerin beispielsweise auch aus dem Hinterhalt attackiert und sofort getötet haben. Jedenfalls komme als Mordmerkmal auch die beabsichtigte Verdeckung einer anderen Straftat in Betracht.

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Kelm betonte aber auch, dass vor einer Verurteilung von Ralf H. wegen Mordes noch große Hürden zu überspringen sind. „Zunächst einmal müssen wir dem Angeklagten die Täterschaft überhaupt nachweisen“, sagte der Richter. Und selbst dann müssten auch noch die Mordmerkmale „gut begründet“ werden.

Gelingt dies nicht, müsste die Tat rechtlich als Totschlag gewertet werden. Und ein solcher ist bereits verjährt. Das Verfahren würde ohne Urteil eingestellt.

Die Richter sind zuversichtlich, den Prozess noch in diesem Jahr beenden zu können. In der kommenden Woche soll noch der langjährige Ermittlungsführer der Polizei als Zeuge gehört werden.

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