Passanten auf dem Westenhellweg am dritten Adventssamstag gegen 14 Uhr © Oliver Schaper
Einkaufsmeile in Corona-Zeiten

Samstag vor möglichem Lockdown: Wie voll war es auf dem Westenhellweg?

Dem Einzelhandel droht ein zweiter Lockdown - deshalb befürchteten Beobachter, dass es am dritten Adventssamstag extravoll auf dem Westenhellweg werden könne. Hatten sie recht? Wir waren vor Ort.

Wir berichteten an dieser Stelle den ganzen Tag über die Lage auf dem Westenhellweg:

19.34 Uhr: Immer noch ist einiges los auf dem Westenhellweg, doch allmählich ebbt der Passantenstrom ab. Zwischen 18 und 19 Uhr waren noch 5100 Menschen auf der Einkaufsstraße unterwegs – das waren 750 weniger als im mehrjährigen Durchschnitt in diesem Zeitraum.

Das Fazit des Tages kurz vor Ladenschluss: Der befürchtete Ansturm auf die Geschäfte des Westenhellwegs kurz vor einem möglichen zweiten Lockdown ist ausgeblieben. Die Passantenzahlen lagen auf dem Niveau des Samstags zuvor und blieben weit entfernt von jenen des vergangenen Jahres.

Es war voll auf Dortmunds Westenhellweg, aber bei Weitem nicht so voll, dass das Ordnungsamt Teile des Westenhellwegs hätte abriegeln müssen. Die bereitstehenden Absperrbarken an den Hauptzugängen der Einkaufsmeile mussten nicht aufgestellt werden.17.46 Uhr: Auch am späten Nachmittag bleibt die Lage am Westenhellweg entspannt. „Alles ruhig“, sagt die Polizei-Leitstelle auf Anfrage, es gebe keine besonderen Vorkommnisse.

Die Hystreet-Zahlen spiegeln das auch wieder: Zwar sind die über 6700 Passanten, die zwischen 16 und 17 Uhr auf dem Westenhellweg unterwegs waren, Tages-Höchstwert, liegen aber immer noch 7 Prozent unter denen eines durchschnittlichen Samstags.

16.33 Uhr: Auf dem Westenhellweg ist samstags normalerweise zwischen 15 und 16 Uhr statistisch gesehen immer am meisten los: Durchschnittlich 7300 Menschen passierten in diesem Zeitraum die automatischen Zähler des Einzelhandels-Dienstleisters Hystreet an allen Samstagen seit Beginn der Messungen 2018.

Diesen Wert erreicht der dritte Adventssamstag 2020 nicht – und zwar deutlich: 6518 Passanten waren zwischen 15 und 16 Uhr. Damit liegt er ziemlich genau auf dem Niveau des Samstags zuvor. Am dritten Adventssamstag 2019 waren im gleichen Zeitraum laut Hystreet fast 12.000 Menschen auf Dortmunds Einkaufsmeile unterwegs.15.18 Uhr: Vor den Eingängen der Thier-Galerie bilden sich immer wieder teils längere Schlangen. Am Haupteingang am Westenhellweg reichte die Schlange gegen 15 Uhr mehrere Dutzend Meter um die Ecke bis in die Martinstraße.

Wie angekündigt, gibt es im Einkaufszentrum am Westenhellweg immer wieder vorübergehende Einlass-Stopps, wenn die aktuelle Maximalauslastung erreicht ist. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen dürfen sich nur rund 3000 Menschen gleichzeitig in der Thier-Galerie aufhalten.14.49 Uhr: Der Trend verfestigt sich: Es sind zwar viele, aber durchgängig weniger Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs als an einem durchschnittlichen Samstag in Vor-Corona-Zeiten – zwischen 13 und 14 Uhr waren es 15 Prozent weniger als im Durchschnitt. Dennoch bleibt die Passantenzahl für einen Tag mitten in einer Pandemie-Welle mit rund 5500 Menschen pro Stunde bedenklich hoch.14.12 Uhr: Der Rundgang unseres Reporters durch Dortmunds City beginnt um 12.21 Uhr. Er macht deutlich: Es ist noch Luft nach oben. Abstand ist jederzeit möglich, vor den Geschäften halten sich die Schlangen in Grenzen.

Auf einem Schild am Haupteingang am Westenhellweg weist die Thier-Galerie auf die Besucherbeschränkung hin. Ordner achten darauf, dass nicht mehr als 3000 Menschen gleichzeitig im Einkaufszentrum sind. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Bei TK Maxx am Ostenhellweg dürfen nur 160 Menschen einkaufen, deshalb gibt es am Mittag vor diesem Geschäft wohl die längste Schlange. Sie reicht zeitweise um die Kurve bis zum Brüderweg. Aber auch hier ist festzustellen: Die Menschen halten Abstand. Die Stadt füllt sich langsamer als an anderen Samstagen.

Fotostrecke

Westenhellweg vor dem möglichen Lockdown

Vor St. Reinoldi verströmen die versprengten Buden der Schausteller ein wenig Weihnachtsmarkt-Atmosphäre. Auch das Karussell an der Kleppingstraße dreht seine Runde, nur drei Kinder fahren mit.

Eher beschaulich ruhig wirkt der Betrieb auf dem Hansaplatz. Dort ist Markt, und die Leute kaufen ein wie immer. Dichtes Gedränge gibt es hier nicht, an den Ständen kommt man schnell dran.

Wer eine Bibel braucht, wird an diesem Samstagmittag besonders schnell fündig. Mit Schildern „Jesus rettet“ und „Bibel kostenlos“ stehen gleich mehrere Menschen auf dem Westenhellweg, um das Neue Testament als kleines Büchlein zu verteilen. Eine größere Gruppe liest vor der Mayerschen Buchhandlung andächtig in der Bibel, während ein Prediger daraus vorliest. Seine Stimme hat er über einen Lautsprecher verstärkt. Der baumelt um seinen Hals.

Auffällig: Viele Menschen boten – mitten im Einkaufstrubel – Bibeln und Gespräche über Jesus an. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Um 14.09 Uhr sind laut dem Portal Hystreet, das Passanten im Herzen des Westenhellwegs zwischen Petrikirche und Hansastraße zählt, rund 5000 Menschen unterwegs – knapp 800 weniger als an einem normalen Samstag in Vor-Corona-Zeiten. Im Vergleich dazu waren es zur selben Zeit am dritten Adventssamstag im vergangenen Jahr 9202.

12.30 Uhr: Die Passantenzahlen steigen an. Im Zeitraum von 11 bis 12 Uhr wurden mehr als 4.000 Menschen auf dem Westenhellweg durch Hystreet gezählt – rund 1.000 mehr als eine Stunde zuvor.

11.30 Uhr: Zwischen der Petrikirche und der Hansastraße hat Hystreet im Zeitraum von 10 bis 11 Uhr 3.170 Passanten gezählt. Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller vergangenen Samstage liegt bei 2.655 gezählten Passanten.

Hystreet zählt seit Mai 2018 in Dortmund – also vor der Corona-Pandemie und den dazugehörigen Regelungen und Schutzmaßnahmen.

10.30 Uhr: Die Geschäfte auf dem Westenhellweg haben erst vor einer halben Stunde geöffnet, doch auf der Einkaufsmeile in der Dortmunder Innenstadt ist schon etwas los: Laut Hystreet, einem Portal, dass Passantenzahlen zählt, sind derzeit knapp über 1.000 Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs. Die Zahl liegt damit aber über dem Durchschnitt aller vergangenen Samstage.

Parallel zum vielleicht letzten Tag in diesem Jahr, an dem der Einzelhandel öffnen darf, findet in der City der Wochenmarkt statt. Noch ist es in der Innenstadt vergleichsweise ruhig. Die einzige Streife vom Ordnungsamt, die unser Reporter vor Ort beobachten kann, muss bislang noch nicht eingreifen. Die Leute halten sich an die Abstandsregeln und tragen eine Maske.

Vorbericht

Vergangenen Mittwoch (9.12) sprach sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im WDR noch gegen einen sofortigen Lockdown aus: „Wenn sie jetzt (…) alle Geschäfte schließen würden, gibt es einen Run auf die Geschäfte und die Fußgängerzonen wären noch voller.“

In den zwei Tagen danach fand bei Laschet offensichtlich ein Umdenken statt. Denn am Freitag (11.12) sagte er: „Der Lockdown muss schnellstmöglich kommen.“ Kommt mit der Ankündigung nun aber auch der von Laschet selbst befürchtete „Run auf die Geschäfte“?

Erinnerungen werden wach an den “Black Friday” in Dortmund, als am frühen Abend doppelt so viele Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs waren wie an einem normalen Freitag in Vor-Corona-Zeiten. Abstandsregelungen konnten nicht eingehalten werden und auch der Cityring-Vorsitzender Tobias Heitmann sagte, er sei „geschockt“ ob der Besuchermassen.

Schon ohne die Sparanreize des Black Fridays war der Westenhellweg vorherige Woche am Samstag (11.12) ziemlich voll – schließlich ist Vorweihnachtszeit, die Zeit mit den höchsten Umsätzen im Einzelhandel. Das Besucher-Limit der Thier-Galerie wurde erstmals erreicht, es bildeten sich lange Schlangen vor dem Einkaufszentrum.

Wie sieht es nun also in der Dortmunder City aus, wenn die Dortmunder auf den letzten Drücker noch wichtige Weihnachtsgeschenke besorgen wollen oder wieder zu Hamsterkäufen aufbrechen? Wird der Westenhellweg zumindest teilweise abgeriegelt, wie für den Notfall von Norbert Dahmen, Dezernent für Ordnung angekündigt?

Ihre Autoren
Redaktion Dortmund
Leitender Redakteur, seit 2010 in der Stadtredaktion Dortmund, seit 2007 bei den Ruhr Nachrichten.
Zur Autorenseite
Avatar
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
Zur Autorenseite
Thomas Thiel
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt