Sabbatjahr wegen Corona verschieben? „Finde ich unsensibel“

dzBetroffener Dortmunder Lehrer

Ein Dortmunder Lehrer berichtet von den Auswirkungen, die die Corona-Pandemie auf sein Sabbatjahr hatte. Verständnis für zwei Kollegen, die diesbezüglich beim OVG klagten, hat er nicht.

Dortmund

, 20.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hat die Klage zweier Lehrer abgewiesen. Eine Beamtin aus Bochum und ihr Kollege aus Dormagen wollten ihr Sabbatjahr wegen der Pandemie vorzeitig beenden. Die beiden sendeten von Australien aus einen Eilantrag, in dem sie argumentierten, dass die Freistellungszeit durch die Belastungen der Pandemie-Einschränkungen "entwertet" werden würde.

Antrag scheitert vor Gericht

Das Gericht widersprach mit der Begründung, es sei dem Antragssteller „genauso wie anderen Bürgern auch zumutbar, seine privaten Lebensverhältnisse an den damaligen sowie derzeitigen Einschränkungen auszurichten." Eine Argumentation, der Markus Wiludda gänzlich folgen kann, obwohl auch der Lehrer des Gymnasiums Schweizer-Allee in Dortmund sein Sabbatjahr nicht so gestalten konnte, wie er wollte.

Angesprochen auf die Klage seiner Kollegen sagt er, "das finde ich schon ein bisschen unsensibel". Die Einschränkungen beträfen doch jeden. Genau wie die beiden Beamten, die klagten, konnte der Kunstlehrer zwei Drittel seines Sabbatjahres nutzen um zu reisen. Da stehe die Beschwerde "in keinem Verhältnis" zu anderen Bürgern, die "ihre Hochzeit verschieben mussten oder nicht an einer Beerdigung teilnehmen konnten."

Lehrer befänden sich ohnehin in einer privilegierten Situation mit der Teilzeitbeschäftigung im Blockmodell. In diesem Modell können Beamte beispielsweise zwei Halbjahre in Vollzeit arbeiten, sich dafür ein drittes frei nehmen und für den gesamten Zeitraum zwei Drittel des Gehalts bekommen, bei vollem Versicherungsschutz.

Reise zum Base-Camp des Mount Everest geplatzt

Allerdings ist auch für Wiludda "ein großer Traum geplatzt." Er wollte im März nach Nepal reisen und zum Base-Camp des Mount Everest steigen. Dazu sei schon einiges an Training und Ausrüstung nötig. Er hatte bereits Anreise, Unterkünfte und seine Tour, den Drei-Pässe-Treck, gebucht. Durch die coronabedingten Einschränkungen seien daher Monate der Vorbereitung umsonst gewesen, insgesamt vier Jahre lang hatte er sein Sabbatjahr geplant.

Es wurde aber nicht die gesamte Planung torpediert, denn vor seiner Reise an den Fuß des höchsten Bergs der Erde wollte der Lehrer auf die andere Seite des Globus. Seine Route durch Südamerika, über Wüsten, Dschungel und Gebirge, konnte er voll genießen.

Wiludda habe sich dabei vollkommen treiben lassen. "Das Gesamtgefühl war einfach toll, die Menschen und die Landschaften." In Deutschland würde man gar nicht wahrnehmen, wie beeindruckend beispielsweise die Landschaft in Nordwest-Argentinien sei.

Nordwest-Argentinien war für Markus Willuda das landschaftliche Highlight seiner Reise.

Nordwest-Argentinien war für Markus Willuda das landschaftliche Highlight seiner Reise. © Willuda

Glückliches Timing

Im Februar kehrte Wiludda zurück nach Deutschland, eigentlich nur um sich auf seine Reise nach Nepal vorzubereiten, dann kam allerdings Corona und damit alles anders als geplant. Mit diesem Timing hatte er noch Glück. Reisegefährten seien weiter gezogen und mussten dann mit den Charter-Maschinen der Bundesregierung nach Hause gebracht werden.

Bedauerlich für den Lehrer ist nur, dass er in den nächsten Jahren wohl nicht mehr die Chance haben wird, zum Base-Camp des Everest zu steigen. Die Sommerferien in Deutschland liegen nicht in der passenden Saison, die Gletscher im Himalaya schmelzen nämlich im Sommer und der Weg würde so zu gefährlich werden. "Entwertet", wie seine Kollegen sich gegenüber dem Gericht geäußert hatten, sei seine Reise deswegen aber auf keinen Fall.

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