Ruth Rodewald macht Schluss - und sucht noch immer eine Nachfolgerin für ihre Puppenstube

dzPuppenstube Ruth Rodewald

Im Mai 2018 hat Ruth Rodewald ihre Puppenstube in Dorstfeld geschlossen. So richtig Schluss war damals aber nicht. Im Juni soll es jetzt soweit sein. Doch noch immer fehlt eine Nachfolgerin.

Dorstfeld

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Nach vier Jahrzehnten sollte im Mai 2018 Schluss sein. Ruth Rodewald (79) wollte ihre Puppenstube in Dorstfeld schließen. Und das hat sie auch - aber eben nicht so ganz. „Ich habe weiterhin Lagerverkäufe am ersten Samstag jedes Monats gemacht“, erzählt die 79-Jährige. Am 1. Juni wird sie dafür zum letzten Mal die Türen ihres Ladenlokals an der Oberbank öffnen. Und dann gibt es, wie gewohnt, alles zu kaufen, was das Puppenmacher-Herz begehrt: Stoffe, Wolle, Nähzeug, Schnitte, Knopfaugen, Puppenhaare und vieles mehr.

„Ich wollte nicht, dass die Kunden nach ihrem Einkauf bei mir noch in die Stadt rennen müssen“, erklärt Ruth Rodewald. „Deshalb wollte ich immer alles anbieten, was man zur Puppen- und Teddybären-Herstellung braucht.“ Fertige Puppenkleider warten in den Regalen auf eine neue Trägerin, Kuscheltiere und Puppen auf ein Kind, das sie mitnimmt. Und auch für diejenigen, die das Puppenmachen noch lernen wollen, wusste Ruth Rodewald immer Rat: Sie schickte sie zu den Workshops ihrer angestellten Kursleiterinnen an einem großen Tisch zwischen Stoffballen und fertigen Puppen in ihrer Puppenstube.

Auf den Boom folgten ruhigere Zeiten

Dass ihr Geschäft einmal so groß sein und ein umfangreiches Kursangebot umfassen würde, hätte Ruth Rodewald bei der Eröffnung im Mai 1978 nicht erwartet. „Aber nachdem mein Geschäft erst einmal angelaufen war, gab es einen regelrechten Boom“, erzählt sie. Alle wollten Puppen, Teddybären und andere Kuscheltiere nähen - oder lernen, wie man es macht. „Damals hatte ich tägliche Öffnungszeiten.“ Doch als der Boom sich legte, wurde die Nachfrage nach Puppen, Teddys und Nähzeug kontinuierlich weniger. „Zuletzt hatte ich noch zwei Mal pro Woche geöffnet“, sagt Ruth Rodewald nicht ohne Wehmut. „Kinder haben einfach viel anderes Spielzeug - und die Mediennutzung wird immer mehr.“

Trotzdem: Die wenigsten Kinder können ohne Kuscheltier oder Stoffpuppe einschlafen. Auch ein Grund, aus dem die gelernte Ergotherapeutin weitergemacht hat. Am liebsten wäre ihr eine Nachfolgerin, die das Puppenmachen ebenso sehr liebt, wie sie selbst.

Die Nachfolgerin muss sich auf die Kinder einstellen

Eine Nachfolgerin bekäme das Komplett-Paket: Ladenlokal, Mobiliar, Schnittmuster und alle Materialien, die man zum Puppenmachen braucht. Ruth Rodewald möchte ihr Geschäft deshalb nur in gute Hände abgeben. „Die Nachfolgerin muss Puppen machen können, die Sache lieben“, sagt sie. „Sie muss verkaufen und gut mit Menschen umgehen können.“ Besonders wichtig sei es, sich auf die Wünsche der Kinder einzustellen. Und dann wäre da noch das Risiko, das die Selbstständigkeit nunmal mit sich bringt. „Eine Interessentin aus dem Allgäu ist deshalb abgesprungen“, erzählt Ruth Rodewald.

Ruth Rodewald macht Schluss - und sucht noch immer eine Nachfolgerin für ihre Puppenstube

In der Puppenstube werden nicht nur Puppen, sondern auch Teddybären und andere Kuscheltiere genäht. © Carolin West

Sie selbst ist das Risiko vor 41 Jahren eingegangen - und hat es nie bereut. „Als Ergotherapeutin hätte ich nicht so viel bei meinen Kindern sein können“, sagt sie. „So konnte ich Familie und Beruf vereinbaren.“ Ihr Mann habe sie dabei unterstützt und den letzten Schubser gegeben. „Er hat gesagt, entweder bauen wir das Haus mit oder ohne Laden“, erzählt Ruth Rodewald und schmunzelt. „Und dann musste ich das Geschäft ja eröffnen, als der Laden mit eingebaut war.“

Ruth Rodewald tauscht ihren Laden gegen das Oma-Sein

Derzeit gebe es zwar eine neue Interessentin für ihr Geschäft, aber spruchreif sei das noch nicht. „Ich würde mich über weitere Bewerbungen sehr freuen - umso sicherer ist es, dass es mit dem Laden weitergeht.“ Der Kundenkontakt habe sie über die Jahre fit gehalten, aber irgendwann müsse einfach Schluss sein. „Ich habe mich inzwischen an den Gedanken gewöhnt, aufzuhören, deshalb trauere ich nicht.“ Und es gibt noch drei wichtige Gründe für den Schlussstrich: „Ich bin begeisterte Oma und möchte mich jetzt mehr auf meine drei Enkel konzentrieren.“

Lagerverkauf am 1. Juni
So geht es weiter mit der Puppenstube

  • Am Samstag, 1. Juni, von 10 bis 14 Uhr findet der letzte Lagerverkauf in der Puppenstube Ruth Rodewald, Oberbank 13, statt.
  • Ruth Rodewald bietet weiterhin Reparaturen und das Einkleiden von Puppen an.
  • Nach Terminabsprache können Materialien gekauft werden. Auch Puppen-Workshops wird es weiterhin geben, allerdings nicht bei Ruth Rodewald. Interessierte können sich anmelden unter traumtaenze@gmx.net.
  • Wer Laden, Inventar und Materialien kaufen, die Puppenstube übernehmen und als solche weiterführen möchte, kann sich bei Ruth Rodewald melden unter Tel. (0231) 17 27 27.
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