Ein US-Soldat ist am 13. April 1945 an der Bäumerstraße in der südlichen Innenstadt unterwegs. In der Zeit der Militärregierung galt in den ersten Monaten nach Kriegsende 1945 eine strenge nächtliche Ausgangssperre in Dortmund. © Stadtarchiv
Dortmund historisch

Rückblick: 1945 galten bei Ausgangssperre in Dortmund strenge Regeln

Die mit dem Infektionsschutz-Gesetz verhängten Ausgangsbeschränkungen sind ein historischer Einschnitt. Zuletzt gab es länger verhängte Sperrzeiten in Dortmund unmittelbar nach dem Krieg 1945.

Es war eine Stadt im Chaos, die die alliierten Truppen 1945 übernahmen. Die Dortmunder Innenstadt war zu mehr als 90 Prozent zerstört, die Versorgungslage der verbliebenen Bevölkerung war miserabel, es kam immer wieder zu Plünderungen.

Entsprechend streng war das Regiment der Besatzungsmacht, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. Einen Tag nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen ins Stadtzentrum am 13. April 1945 übergab die US-Armee das Kommando an die Briten. Oberstleutnant Wilson war Chef der Militärregierung, Dr. Hermann Ostrop, ein Zentrumspolitiker mit Verwaltungserfahrung, wurde zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt.

Mit seiner Hilfe versuchten die Briten, wieder Ordnung ins Chaos zu bringen. Zu den ersten Maßnahmen der britischen Militärregierung, die notdürftig eingerichtete Büros in der Nordostecke des Stadthauses nutzte, gehörte am 14. April 1945 die Verhängung einer strengen Ausgangssperre für die Zivilbevölkerung.

Diskussion um „Ausgangszeit“

Geplant war eigentlich, dass die Dortmunder nur vormittags zwischen 9 und 12 Uhr ihre Häuser verlassen dürfen. Ostrop setzte sich aber mit Erfolg für eine Verlängerung ein. Die Ausgangszeit wurde schließlich auf die Zeit von 9 bis 18 Uhr festgelegt. Und es galt ein strenges „Fraternisierungsverbot“ – es sollte keine „Verbrüderungen“ zwischen Besatzern und Deutschen geben.

Bekannt gemacht wurden die Anordnungen der Militärregierung anfangs über öffentliche Aushänge. Einmal in der Woche wurden wichtige Nachrichten und Anordnungen auch per Lautsprecherwagen an zentralen Plätzen in der Stadt verkündet. Später gab es die anfangs von der Militärregierung herausgegebene „Ruhr-Zeitung“, um sich über aktuelle Maßnahmen zu informieren.

Mit solchen Veröffentlichungen wurde die Dortmunder Bevölkerung über die aktuell gültige Sperrzeit in den ersten Monaten nach Kriegsende 1945 informiert.
Mit solchen Veröffentlichungen wurde die Dortmunder Bevölkerung über die aktuell gültige Sperrzeit in den ersten Monaten nach Kriegsende 1945 informiert. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Der Beginn der täglichen Sperrzeit wurde außerdem eine Viertelstunde vor Inkrafttreten durch das Heulen der Luftschutzsirenen, die bislang vor Bombenangriffen gewarnt hatten, angekündigt. Das war das Zeichen für alle Dortmunderinnen und Dortmunder, so schnell wie möglich ihre Wohnungen aufzusuchen.

Strenge Strafen bei Missachtung der Regel

Überschreitungen der Sperrzeit wurden streng verfolgt und mit bis zu 30 Tagen Haft bestraft. Anfangs mussten an jeder Haustür Bewohnerverzeichnisse ausgehängt werden, um bei Kontrollen feststellen zu können, wer gegen die Sperrzeit-Regelung verstieß.

Dass man die Kontrollen ernst nehmen musste, zeigten ebenfalls die Verlautbarungen der Bezirksregierung, in denen bekannt gemacht wurde, wie viele Dortmunder vom Militärgericht wegen Missachtung der Sperrzeit zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Auch kleine Ausflüchte wurden nicht toleriert. „Das Herumstehen in den offenen Haustüren während der Sperrzeit muss aufhören“, hieß es in einer Verlautbarung: „Militärpatrouillen werden einschreiten, wenn diese Warnung nicht beachtet wird.“

Immerhin wurden die Beschränkungen vor allem mit Blick auf die Sperrzeit nach und nach gelockert. Eine Zeit lang galt die Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Schon im Juni wurde die Sperrzeit auf 23 bis 4.30 Uhr verkürzt. Im August galt dann eine Ausgangssperre von 22.30 bis 4.30 Uhr.

Ausnahmen wie bei den aktuellen Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gab es allerdings nicht – Gassi gehen und Sport im Freien waren damals keine Themen. Da hatte man ganz andere Sorgen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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