So schnell wie in Roland Bergers Garten ist es wohl kaum möglich, vom Schwarzwald in mediterrane Gefilde zu gelangen. Aus einer Wäscherei hat er einen Garten mit drei Regionen gestaltet.

Wambel

, 20.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer in den Garten von Roland Berger und seiner Frau in Wambel kommt, möchte ihn so schnell nicht wieder verlassen. Es gibt so viele Stellen, die Besucher zum Verweilen einladen und die Zeit vergessen lassen. Selbst ein Fernsehteam war schon bei den Bergers zu Besuch.

Ein Blick über den 50.000 Liter fassenden und 150 Quadratmeter großen naturnahen Fischteich.

Ein Blick über den 50.000 Liter fassenden und 150 Quadratmeter großen naturnahen Fischteich. © Tobias Larisch

Trotzdem sagt Berger: „Wenn wir wirklich Urlaub machen möchten, müssen wir schon wegfahren.“ Das mögen Besucher bei diesem spektakulären Garten nicht glauben, aber er ergänzt: „Wir können in unserem Garten nicht sitzen und entspannen, weil wir dann immer Arbeit sehen, die wir machen könnten.“

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Zum Glück sehen Berger und seine Frau die Gartenarbeit auch als Freizeitausgleich an. Drei bis fünf Stunden verbringen sie pro Tag in dem Garten. Genug Platz, um zu arbeiten, gibt es in dem 2300 Quadratmeter großen Garten auf jeden Fall.

Aber wie ist Berger eigentlich zu dem Grundstück gekommen? „Mir gehören auch die beiden angrenzenden Häuser, die ich vermiete. Die Mieter wollten den ganzen Garten, der dazu gehörte, aber nicht nutzen“, sagt der Privatier, dem bis zum vergangenen Dezember noch die Firma „Glück am Bau“ im Breierspfad gehörte.

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Also verband Berger vor 14 Jahren die beiden Gärten mit seinem. Da der 62-Jährige damals nicht so recht wusste, wie er die ganze Fläche nutzen sollte, entschied er sich, den Garten in drei Regionen aufzuteilen: Einen Teil mit dem Thema Schwarzwald, einen mediterranen Bereich und einen Nutzgarten.

Eine zusätzliche Portion Charme erhält der Garten durch die besondere Geschichte dahinter. „Die Wäscherei, die abgerissen wurde und an dessen Stelle wir jetzt wohnen, gehörte damals meinem Vater und dort habe ich auch über 20 Jahre als Wäscherei-Mann gearbeitet. Das Grundstück dahinter war einmal ein Parkplatz“, sagt Berger.

Ein Teil des Dachs der alten Wäscherei ist erhalten geblieben und ragt in den Garten hinein.

Ein Teil des Dachs der alten Wäscherei ist erhalten geblieben und ragt in den Garten hinein. © Tobias Larisch

Daran erinnern heute nur noch die Überreste der drei Garagen, die Berger in eine Werkstatt, ein Weinatelier und einen Geräteschuppen umgebaut hat. Den Bereich davor, den mediterranen Teil, nimmt vor allem der 50.000 Liter fassende und 150 Quadratmeter große Teich ein.

Besonderes Highlight: Die Hängebrücke über dem naturnahen Fischteich. „Das ist wohl die Einzige in einem Garten in Dortmund“, sagt Berger. Bewohnt wird der Teich von Kois, Goldfischen – und zwei Stockenten. „Die beiden waren auf einmal da und wohnen seitdem dort“, sagt er.

Die laut Roland Berger einzige Hängebrücke in Dortmund.

Die laut Roland Berger einzige Hängebrücke in Dortmund. © Tobias Larisch

Obwohl im und um das Wasser Tiere leben, benutzt Berger keine Filter, um den Teich zu reinigen. „Wir überlassen den Teich der Natur und haben noch nie etwas zur Reinigung gemacht. Der hält sich von selbst im natürlichen Gleichgewicht“, sagt er.

Sein Tipp: „Kalksandsteine helfen, das Umkippen des Sees zu verhindern, da sie die dafür mitverantwortliche Säure abbauen.“ Zudem gibt Berger den Fischen kein Futter. „Sie können nur essen, was der Teich hergibt. So hält sich die Population von selbst im Gleichgewicht“, sagt der gebürtige Dortmunder.

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Gegen Überpopulation hilft auch die natürliche Selektion durch andere Tiere: „Eine Ente wurde mal von einem Fuchs geholt, der in unseren Garten gelangte“, sagt Berger. Seitdem steht ein Radio im Garten, dass mit einer Zeitschaltuhr verbunden ist und über Nacht Musik spielt.

„Ich habe mal gehört, dass Füchse keine menschlichen Stimmen mögen“, sagt der Garten-Experte. Danach habe es bei ihnen keine Fuchs-Sichtungen mehr gegeben. Trotzdem gibt es noch mehr als genug Tiere im Garten.

Fast 70 Tiere leben im Garten

Zwei Hühnerställe mit 35 Hühnern und 15 Tauben, eine Voliere, in der 15 Kanarienvögel, 3 Gimpel und 5 Wachteln leben, und ein kleines Wasserbecken für 2 Wasserschildkröten sind in den 3 „Regionen“ verteilt. Nicht zu vergessen, die zwei weißen Schäferhunde, die ihre Runden durch den Garten drehen.

„Die Rasenpflege kann ich mir schenken, da die beiden teilweise wie wild durch den Garten rennen. Wer sich Hunde holt, muss sich mit einem kaputten Rasen anfreunden“, meint Berger.

Wo früher noch die Wäscherei war, ist heute die Terrasse des Gartens.

Wo früher noch die Wäscherei war, ist heute die Terrasse des Gartens. © Tobias Larisch

Im Nutzgarten baut der leidenschaftliche Koch etwa 40 Kräuter und verschiedene Obst- und Gemüsesorten an. Dazu gehören Artischocken, Rosenkohl, Zwiebeln, Rote Beete, Mangold und Tomaten. An Obst gibt es Kirsch-, Apfel und Pflaumenbäume sowie Quittensträucher und verschiedene Beeren im Garten. Zudem baut Berger seinen eigenen Wein an.

Die mediterranen Pflanzen werden im Winter in den 50 Quadratmeter großen Wintergarten gestellt. Zum Sitzen sei dieser dann aber nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Dafür gibt es im Schwarzwald-Teil das Gartenhaus „Zwitscherstübchen“, das schon vor dem Umbau dort stand.

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Berger vermutet, dass das Gartenhaus aber nicht wegen des Gezwitschers der Vögel aus den umstehenden Bäumen „Zwitscherstübchen“ heißt, sondern weil dort früher eher einer über den Durst getrunken wurde.

Extra für Gäste öffnet Berger den Garten zwar nicht, aber jeder, der den Garten sehe, wundere sich: „Keiner rechnet damit, dass es in dieser Gegend einen so großen Garten gibt. Das macht es für mich besonders“, sagt er.

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Seine Frau arbeite als Tagesmutter und würde öfter Kindern den Garten zeigen. „Es ist wichtig, dass sie darüber aufgeklärt werden, was gegessen werden darf und was nicht“, sagt Berger. Dazu müssten aber die Personen, die diese Begegnungen vermitteln, Verantwortung übernehmen und die nötigen Kenntnisse haben.

Viele Gartenbesitzer würden sich seiner Meinung nach nämlich nicht richtig damit auseinandersetzen. „Es geht darum, was aus einem Garten gemacht wird“, sagt Berger.

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